Gesellschaft Strafe muss sein
Der Mensch ist ein strafendes Wesen - und das ist auch gut so
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- Nur wer für seine Tat verantwortlich ist, kann auch bestraft werden. (Khan Mohammad Irteza/ Flickr/ CC BY-NC-SA 2.0)
Im Juli 2011 hat er 77 Menschen getötet: Anders Behring Breivik. Das Gericht hat ihn am 24. August zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das ist gut so. Denn Strafe bringt Gesellschaften weiter und hilft beim Verarbeiten von Verbrechen.
Die Tat war kalkuliert und wurde mit kühlem Kopf durchgeführt: Zuerst zündete Anders Behring Breivik mitten in Oslo eine Bombe, kurz darauf eröffnete er als Polizist verkleidet auf der Insel Utøya das Feuer auf Jugendliche. Innerhalb von 90 Minuten richtete er auf der Insel ein Blutbad an. Kurz danach wurde er festgenommen. Zu seiner Tat stand er von Anfang an.
Jemanden für seine Taten verantwortlich machen
Freiheitsentzug gilt als Höchststrafe. (picture-alliance/ dpa | Marius Becker)
Seitdem ist ein Jahr vergangen. Norwegens Polizeichef ist mittlerweile zurück getreten. Anwälte, Gutachter und Öffentlichkeit stritten um die Fragen: Ist Breivik ein kranker Mensch? Kann er für seine Taten verantwortlich gemacht werden? Möglicherweise wird es darauf nie zufriedenstellende Antworten geben.
Das Gericht hat Anders Breivik nun zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt . Denn Strafe muss sein. Warum, zeigt das Tagesthema bei DRadio Wissen.
Keine Strafe ohne Schuld
Der Kriminologe Torsten Verrel erklärt, warum nur ein verantwortlicher Täter ins Gefängnis kommt
Wer nicht schuldfähig ist, kann nicht bestraft werden. (AP)Es gab zwei Gutachten in Oslo: Das eine hielt Anders Behring Breivik für zurechnungsfähig, das andere nicht. Breivik selbst will ernst genommen werden. "Nur wenn die Person für ihre Tat verantwortlich ist, kann man sie auch bestrafen", sagt Torsten Verrel, Kriminologe an der Universität Bonn.
Das Gespräch ist eine Wiederholung vom 01.12.2011.
Strafe als Chance
Der ehemalige Richter Ottmar Breidling über die gesellschaftliche Funktion der Strafe
Manche Straftäter erleben in der Haft eine Wandlung und beginnen danach ein neues Leben. (:Dar. | flickr | cc by-nc 2.0)Wenn ein Gericht ein Urteil fällt, dann soll es nicht nur um die Opfer, sondern auch um den Täter gehen. Mit der Strafe beginnt für ihn der lange Weg zurück in die Gesellschaft. Deshalb wären extreme Strafen wie die Todesstrafe nicht sinnvoll, sagt Ottmar Breidling, ehemaliger Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf.
Der Mensch: Das strafende Wesen
Der Wissenschaftsjournalist Sebastian Rams erklärt, warum der Mensch gar nicht anders kann
Prügelstrafe galt als anerkannte Erziehungsmaßnahme bis ins 20. Jahrhundert. (HA! Designs - Artbyheather | flickr | CC BY 2.0)Der Mensch muss strafen. Denn das fühlt sich gut an. Zumindest, wenn wir die Strafe als gerecht empfinden. Doch wann empfinden wir Strafen als gerecht und wann als ungerecht? Und wie kann das gemessen werden? Die Gehirnforschung zeigt: Strafe hat einen Platz - in unserer Gesellschaft und in unserem Kopf.
Strafe als Erfolgsmodell
Der Journalist und Historiker Heiner Wember reist durch die Geschichte und zeigt: Strafe gehörte schon immer dazu
Die Prügelstrafe um 1900 war nicht nur in China weitverbreitet. (flickr.com | ralphrepo CC BY 2.0)Deutschland ist eine funktionierende Demokratie, auch weil es nach dem Zweiten Weltkrieg die Nürnberger Prozesse gegeben hat. In ihnen wurden die Verbrechen der Nazis verhandelt und bestraft. Die Gesellschaft musste sich damit auseinander setzen, sagt Heiner Wember. Und das ist nur ein Beispiel. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Strafe ist ein Erfolgsmodell. Von der Antike über das Mittelalter bis heute.
Strafe ist subjektiv
Der Psychologe Kai Jonas erklärt, warum es auf die Perspektive ankommt
Der Blick aus dem Gefängnis - Strafe wird oft als ungerecht empfunden. (flickr.com | Terence S. Jones CC BY 2.0)Das Urteil ist gefallen: Doch bringt es den Hinterbliebenen Frieden? Erfüllt die Strafe ihre Funktion? "Das kommt auf die Perspektive an", sagt der Psychologe Kai Jonas von der Universität Amsterdam. Denn je nachdem stehen Vergeltung, Rache oder Resozialisierung im Vordergrund. Das unterscheidet sich auch von Gesellschaft zu Gesellschaft. "Manchmal wird sogar dieselbe Tat unterschiedlich bestraft", sagt Kai Jonas.
Im Namen der Strafe
Aus Oslo berichtet Tim Krohn über das Urteil gegen Anders Breivik und die Reaktionen darauf
Ob Breivik schuld ist, ist nicht die Frage, sondern ob er schuldfähig ist. (picture alliance / dpa | Heiko Junge / Pool)Gut ein Jahr nach der Tat im Juli 2011 schließt das Gericht in Oslo den Prozess gegen Anders Behring Breivik ab. Für Norwegen bedeutet das: Das Land zieht einen vorläufigen Schlussstrich. Über die Details des Urteils und die Reaktionen darauf berichtet Korrespondent Tim Krohn aus Oslo.