Gewalt Alarmknopf und Sicherheitstüren
Wie sich Schulen gegen Amokläufe wehren
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- Schulen versuchen, die Sicherheit mit technischen Mitteln zu erhöhen. (MrTopf | flickr | cc by-nc 2.0)
Vor zehn Jahren lief der 19 Jahre alte, ehemalige Schüler des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums Robert Steinhäuser in seiner alten Schule Amok.
Bewaffnet mit einer Pistole und einem Gewehr rannte Steinhäuser scheinbar planlos von Stockwerk zu Stockwerk und tötete dabei 16 Menschen, darunter zwei Schüler und zwölf Lehrer. Am Ende erschoss er sich selbst. Seitdem hat sich einiges getan: Lehren und Konsequenzen wurden gezogen, neue Sicherheitskonzepte entwickelt. Und es wird versucht, Amokläufer zu erkennen - noch bevor sie Amok laufen.
Zehn Jahre nach dem Amoklauf des Robert Steinhäuser hat sich in der deutschen Schullandschaft einiges verändert. Schulgebäude wurden in einigen Bundesländern sicherer gemacht, Alarmknöpfe und Notfallpläne sollen Katastrophen verhindern, wie sie am 26. April 2002 in Erfurt und später in Winnenden und anderswo stattgefunden haben.
Amokschutz an Schulen
Eine Bestandsaufnahme von Katrin Sanders
Am Fenster (picture-alliance | ZB | Martin Schutt)Im Erfurter Gutenberg-Gymnasium erinnert eine kleine Gedenktafel an den Amoklauf vom 26. April 2002. Seitdem wurden zahlreiche Lehren gezogen und neue Sicherheitsmaßnahmen an deutschen Schulen ergriffen. Notfallpläne wurden erarbeitet und werden im Idealfall regelmäßig geübt. Außerdem läuft an etlichen Schulen parallel eine technische Aufrüstung, meist in Form von Sprechanlagen in den Klassenräumen sowie neuen Sicherheitstürsystemen. Ein Überblick über den Amokschutz an Schulen.
Lehren aus Erfurt
Die Journalistin Uschi Götz über die Konsequenzen aus dem Erfurter Amoklauf
Im Klassenzimmer (picture-alliance | dpa)Die baden-württembergischen Behörden haben aus den Ereignissen in Erfurt und Winnenden gelernt und Maßnahmen beschlossen, mit denen Schulen auf derartige Ereignisse besser vorbereitet sein sollen. Dazu gehört eine veränderte Polizeiausbildung, Sofortmaßnahmen auch ohne ein SEK und die flächendeckende Ausrüstung mit Funkmeldern. Die ehemalige DLF-Landeskorrespondentin in Baden-Württemberg Uschi Götz schildert die Ereignisse in Winnenden. Dort hatte 2009 in der Albertville-Schule ein Amokläufer 15 Menschen und sich selbst getötet. Uschi Götz berichtet zudem über die Maßnahmen, mit denen er bekämpft wurde.
"Bei Brand evakuieren - bei Amok verbarrikadieren"
Der Ingenieur Bernd Ammelung vom Arbeitskreis Amokalarm für Schulen über technische Möglichkeiten des Schutzes
Im Schulflur (Nicolas Modesto | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Schulen brauchen vor allem gute Kommunikationseinrichtungen, um notfalls mehrgleisig Informationen senden und empfangen zu können, wenn es im Gebäude einen Amoklauf gibt. Vorbildlich findet der Sicherheitsexperte Bernd Ammelung das Vorgehen von Frankfurt am Main: Dort werden zurzeit in 23 Schulen Sicherheitstürsysteme eingebaut, die bei Amokalarm bereichsweise automatisch schließen.
Wie erkennt man Amokläufer?
Psychologe Jens Hoffmann erklärt, wie man potentielle Schulattentäter erkennt
Auf dem Schulhof (picture-alliance | dpa | Daniel Karmann)Eine Lehre aus den Amokläufen an Schulen in den vergangenen 15 Jahre: Die Täter handeln nicht spontan, die Taten haben eine Vorgeschichte und es gibt Kriterien anhand derer man sie im Vorfeld erkennen oder zumindest ein Risikopotential feststellen kann. Der Diplompsychologe Jens Hoffmann hat an der TU Darmstadt mehr als 100 solcher Amokläufe, in der Fachsprache auch School Shootings gelistet, erforscht und systematisch die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet: Es sind fast immer männliche Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, aus vordergründig unauffälligen Elternhäusern. Seine Erkenntnisse hat Hoffmann in einem Computerprogramm verarbeitet, das verspricht, zuverlässig das Risikopotential von Schülern einzuschätzen.
Therapie von Amok-Überlebenden
Wer einen Amoklauf erlebt, sollte mit dem Vorfall offensiv umgehen, rät der Jugendpsychotherapeut Friedrich Gocht
Bei traumatischen Erlebnissen kann reden helfen. (dpa | Britta Pedersen)Verhaltenstherapie statt Medikamente – das ist der Rat des Reutlinger Kinder- und Jugendpsychotherapeuten Friedrich Gocht für die Behandlung von Menschen, die einen Amoklauf an einer Schule erlebt haben. Häufig erleben sie nach solch einem Vorfall eine posttraumatische Belastungsstörung. Dabei dürfen Erinnerungen an die Tat durchaus wach werden, am besten im Rahmen einer Therapie, um irgendwann das Kapitel als Vergangenheit zu verstehen. Vergessen aber, so Gocht, das geht nicht.