Sonntag, 19. Mai 2013

Natur /

Green Economy Win-Win-Projekt Recycling  

Reporter Thomas Häusler hat die Müllsammler-Kooperative "Cora" besucht.

Eine Frau sortiert einen Berg Müll, der auf einem Tisch liegt.
Müllsortierung auf dem Tisch (Thomas Häusler)

In Brasilien haben sich Müllsammler die Zusammenarbeit mit den Behörden erkämpft. Seit 2010 müssen in Brasilien Müllsammler-Kooperativen in das öffentliche Recycling eingebunden werden.

Bruna Cavalcanti lebt vom Müll anderer Menschen. Aber sie arbeitet unter dem schützenden Dach einer Werkhalle, hat das Recht auf eine Mittagspause und bekommt ungefähr den Mindestlohn. Ohne sie und ihre Kollegen von der Müllsammler-Kooperative "Cora" würden rund 100 Tonnen Abfall pro Monat auf der städtischen Deponie von Arujà bei Sao Paulo landen. Cavalcanti und ihre Kollegen aber sammeln Müll, wie Alugetränkedosen und verwerten die Rohstoffe.

Gruppenbild von "Cora"Gruppenbild von Cora (Thomas Häusler)Mittagspause bei der Kooperative CoraMittagspause bei der Kooperative Cora (Thomas Häusler)

Das Konzept zeigt: "Grüne Wirtschaft", wie sie unlängst wieder auf dem Gipfel "Rio+20" eingefordert wurde, ist möglich. Kreisläufe, die sowohl den Menschen, der Umwelt und der Wirtschaft nützen. Das brasilianische Müll-Kooperativen-Modell soll deshalb auch als Vorbild in andere Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert werden. Und sogar das US-amerikanische Forschungsinstitut MIT in Boston möchte von den Müllsammlern lernen, wie man grüne Jobs für Arbeitslose schafft.

Das neue Abfallgesetz verpflichtet zur Zusammenarbeit

Die ersten Müllsammler-Kooperativen entstanden bereits vor rund zwanzig Jahren. Aber seit 2010 regelt das brasilianische Abfallgesetz, dass diese in die kommunalen Konzepte einbezogen werden müssen. Denn nach Berechnungen des brasilianischen Umweltministeriums würden ohne Recycling drei Milliarden Euro auf den Müllkippen verschwendet.

Unternehmen testen mit den Müllsammlern neue Verwertungsmethoden

Da die Kommunen aber trotzdem in der Regel nichts für die Arbeit der Kooperativen bezahlen, müssen diese unternehmerisch sehr geschickt agieren. Da hilft es, dass Betriebe, die Rohstoffe brauchen, ein Interesse daran haben, gemeinsam mit ihnen neue Methoden zur Wiederverwertung zu entwickeln. Der Hersteller eines Schaumstoffschredders überlässt "Cora" beispielsweise einen Prototypen, um ihn in der Praxis zu testen. Ohne den Schredder war das Sammeln von Schaumstoff bisher nicht lukrativ, weil er zu voluminös war. Die Maschine verdichtet nun das Material, das der Kooperative von einer Firma abgekauft wird, die daraus Bilderrahmen macht.

Thomas Häusler hat die Kooperative "Cora" besucht und erlebt, wie dort Umweltschutz und Selbsthilfe zusammenkommen.



Mehr bei DRadio Wissen

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