Griechenland Der blasphemische Auflauf
Webschau mit Martina Schulte
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- Der Auflauf des Anstoßes. (diekatrin | flickr.com | CC BY-SA 2.0)
Wie ein Nudelgericht einem Facebook-Nutzer zum Verhängnis wurde.
In Griechenland ist ein 27-jähriger Mann festgenommen worden, weil er ein Facebookprofil unter anderem nach einem Nudelauflauf benannt hat; und zwar nach Pastitsio, einer Art griechischem Nationalnudelgericht.
Pastitsios, der Ältere
Das Problem: Das Facebook-Profil hatte noch einen anderen Namensteil. Komplett lautet der Namen: Gerontas Pastitsios – was übersetzt so viel heißt, wie Pastitsios, der Ältere. Und das signalisiert, dass es sich nicht nur um einen alten Nudelauflauf handelt, sondern um ein Wortspiel.
Prophezeiung von Paisios
Es gab in Griechenland einen wundertätigen Mönch namens Geron Paisios. Dieser Mönch hat zahlreiche Prophezeiungen hinterlassen. Eine davon betrifft den nahenden Dritten Weltkrieg. Wenn der vorbei sei, bekämen die Griechen mit Hilfe der Russen Konstantinopel (das heutige Istanbul) zurück, so eine Prophezeiung von Paisios. Derartige Vorhersagen stoßen vor allem bei nationalkonservativen Bürgern und der rechtsextremistischen Partei Neue Morgenröte auf Begeisterung, erklärt der Telepolis-Autor Wassilis Aswestopoulos.
Goldene Morgenröte gegen Auflauf
In Griechenland gibt es einen Blasphemieparagraphen, strafbar ist demnach die böswillige Gotteslästerung. Was als böswillig einzustufen ist, entscheidet der jeweilige Richter. Im Fall des 27-jährigen Nudelauflauf-Fans gab es gewisse nationalkonservative Strömungen, denen die Facebook-Gruppe gegen den Strich ging, unter anderem ein sehr einflussreicher nationalistischer griechischer Journalist, der seine Leser im Internet dazu aufrief, gegen die Seite zu protestieren und bei Facebook eine Löschung zu beantragen. Dieser Vorstoß wurde auch von den griechischen Nationalisten am rechten Rand der Partei Goldene Morgenröte begeistert unterstützt.
Auflauf im Gefängnis
Mittlerweile hat Facebook die Seite gelöscht, um nicht gegen ein nationalen Gesetze zu verstoßen. Der 27-jährige Administrator wurde inzwischen verhaftet. Mit diesen Schritten konnte allerdings weder Facebook noch die griechische Polizei die virale Verbreitung der Idee aufhalten.
Virale Aufläufe
Der Nudelauflauf-Fan hatte die Seite durchaus als politischen Protest verstanden. Und er dürfte sich im Gefängnis gefreut haben. Denn Telepolis berichtet, dass nach der Löschung durch Facebook zahlreiche neue Seiten zum Thema im Netz auftauchten. Die Internet-Pinwände von Griechen sind derzeit voll mit Rezepten für das beste Pastitsio. Manche weisen darauf hin, dass die Herstellung und der Genuss der beliebten Nudelspeise bis auf weiteres noch straffrei seien.
Update zu CleanIT
CleanIT sorgt weiterhin für Diskussionen im Netz. Die Europäische Kommission hat bestritten, dass sie europaweite Kontrollen des Internets im Kampf gegen den Terrorismus plant. Ein Sprecher der Kommission sagt, man habe keinerlei Absicht, ein solches Programm vorzuschlagen oder in die Freiheit des Internets einzugreifen.
Auch die Kommissarin Cecilia Malmström hat sich auf ihrem Twitteraccount zu Wort gemeldet. Zunächst nicht persönlich, sondern über ihren Sprecher Joakim Larsson. Der Tenor: Das Ganze sei nur ein Debattierklub und man plane nicht, die Vorschläge in ihrer Gesamtheit in die Tat umzusetzen.
Im Netz werden der Kommissarin die Distanzierungen allerdings nicht abgekauft. Wie etwa Äußerungen von Sebastian Nerz (Piratenpartei) oder des Internetaktivisten Florian Schweitzer deutlich machen.