Hautzeichen Das langsame Ende der Gefängnis-Tattoos
Christoph Richter über die Auflösung einer Subkultur
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- Aus der Fotoserie 'Fürs Leben gezeichnet' ('Inked for Life') von Klaus Pichler. (Klaus Pichler)
Drei Punkte, eine Träne, blauer Adler: Woher das Knast-Tattoo kommt und was es bedeutet.
Jeder ist tätowiert, selbst die Bundespräsidenten-Gattin trägt die bunten Hautzeichen. Doch bis Mitte der 80er-Jahre war das hierzulande etwas sehr Besonderes. Die Träger waren gesellschaftlich stigmatisiert, neben Seeleuten waren es hauptsächlich Gefängnis-Insassen, die sich tätowieren ließen.
Pflicht-Tattoo für eine verschworene Gemeinschaft
Tattoos waren ein Teil der subkulturellen Gefängnis-Kultur. Wer mit zu der verschworenen und von der Außenwelt verschlossenen Gemeinschaft gehören wollte, musste sich tätowieren lassen. So zumindest berichten es immer wieder ehemalige Häftlinge. Zu den Eigenheiten der Insassen-Subkultur gehörte es aber auch, dass den Außenstehenden die Zeichen, Symbole und Gepflogenheiten fremd blieben. Und bisweilen auch bis heute noch für Befremden oder gar Angst sorgen.
Die Subkultur löst sich auf
Doch seit Tattoos unter weiteren Bevölkerungsschichten angesagt sind, die Motive der Gefängnis-Tattoos sich mit denen der Tattoo-Studios vermischen, verschwinden die urtypischen Knast-Hautzeichen: Eine eindeutige Zuordnung fällt immer schwerer. Damit ist eine ganze Subkultur im Verschwinden begriffen.
(Der Bericht ist eine Wiederholung vom 11.01.2012)