Donnerstag, 20. Juni 2013

Spielraum /

Hautzeichen Das langsame Ende der Gefängnis-Tattoos  

Christoph Richter über die Auflösung einer Subkultur

Das Bild zeigt die Nahaufnahme der "Gefängnisträne" im Gesicht eines Mannes.
Aus der Fotoserie 'Fürs Leben gezeichnet' ('Inked for Life') von Klaus Pichler. (Klaus Pichler)

Drei Punkte, eine Träne, blauer Adler: Woher das Knast-Tattoo kommt und was es bedeutet.

Jeder ist tätowiert, selbst die Bundespräsidenten-Gattin trägt die bunten Hautzeichen. Doch bis Mitte der 80er-Jahre war das hierzulande etwas sehr Besonderes. Die Träger waren gesellschaftlich stigmatisiert, neben Seeleuten waren es hauptsächlich Gefängnis-Insassen, die sich tätowieren ließen.

Pflicht-Tattoo für eine verschworene Gemeinschaft

Das Bild zeigt die linke Faust eines Gefangenen, auf die die Worte "Ebbe" und "Flut" tätowiert sind. (Klaus Pichler)

Das Bild zeigt den tätowierten Rücken eines Gefangenen. (Klaus Pichler)

Das Bild zeigt einen Mann, der seine Gefängnistätowierungen präsentiert. (Klaus Pichler)

 

Tattoos waren ein Teil der subkulturellen Gefängnis-Kultur. Wer mit zu der verschworenen und von der Außenwelt verschlossenen Gemeinschaft gehören wollte, musste sich tätowieren lassen. So zumindest berichten es immer wieder ehemalige Häftlinge. Zu den Eigenheiten der Insassen-Subkultur gehörte es aber auch, dass den Außenstehenden die Zeichen, Symbole und Gepflogenheiten fremd blieben. Und bisweilen auch bis heute noch für Befremden oder gar Angst sorgen.

Die Subkultur löst sich auf

Doch seit Tattoos unter weiteren Bevölkerungsschichten angesagt sind, die Motive der Gefängnis-Tattoos sich mit denen der Tattoo-Studios vermischen, verschwinden die urtypischen Knast-Hautzeichen: Eine eindeutige Zuordnung fällt immer schwerer. Damit ist eine ganze Subkultur im Verschwinden begriffen.

Das Bild zeigt die "Knast-Tätowierungen" auf der Faust eines Mannes. (Klaus Pichler)

Das Bild zeigt den tätowierten Rücken eines Mannes. (Klaus Pichler)

Das schwarz-weiße Bild zeigt einen älteren und tätowierten Mann in Unterhose. (Klaus Pichler)

 

 

 

 

 

(Der Bericht ist eine Wiederholung vom 11.01.2012)



Mehr bei DRadio Wissen:

Im Knast: Parallelgesellschaft hinter Gittern
Statt Reue und Resozialisierung erleben Gefängnisinsassen in Deutschland Gewalt
(Agenda vom 03.09.2012)

Schreiben hinter Gittern
In Deutschland erscheinen rund 60 Gefängniszeitungen in unregelmäßigen Abständen
(Meine Zukunft vom 13.10.2011)

Mit Nadel und Tinte
Wie wird man eigentlich Tätowierer?
(Spielraum vom 22.02.2011)

Zwischen Therapie und Kunst
Das Berliner Gefängnistheater aufBruch und das Instituto Cervantes laden zu dem internationalen Gefängnistheater-Symposium "Knast und Theater" ein.
(Kultur vom 11.07.2011)

Allein unter Männern
Birgit Graul ist JVA-Beamtin in einem Männer-Knast.
(Meine Zukunft vom 23.02.2011)

 

Weitere Informationen:

Drei Punkte zwischen Daumen und Zeigefinger
Fotos von Gefängnis-Tätowierungen.
(zeit.de vom 01.09.2011)

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