Helmut Kohl Der Birnen-Pakt
Timo Grampes über Helmut Kohl und die Medien
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- Helmut Kohl im Jahr 1987. (Bundesarchiv, B 145 Bild-F074398-0021 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA)
Helmut Kohl hatte in seiner Zeit als Bundeskanzler ein gespanntes Verhältnis zu den Medien - heute wäre das so nicht mehr denkbar. Karikaturisten stellten seinen Kopf als Birne dar - und Helmut Kohl schoss scharf zurück.
Der ehemalige Bundeskanzler verweigerte Interviews - insbesondere dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", manche Journalisten fragten gar nicht mehr bei ihm an. Von der Situation profitierten am Ende beide Seiten: Die Spötter hatten ihre Freude, und Kohl verschaffte sich Sympathien bei denjenigen, die dem Spott nichts abgewinnen konnten. "Es gibt nach wie vor in weiten Teilen der Bevölkerung eine massive Ablehnung gegen alles, was mit Satire und Ironie zu tun hat. Das gehört sich nicht, so redet man nicht über einen Bundeskanzler", sagt taz-Journalistin Bettina Gaus.
Birne wurde zur Dauerkampagne
Günter Bannas von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durfte Helmut Kohl interviewen. Er sagt über den Alt-Bundeskanzler: "Er hatte feste Vorstellungen von gut und böse." Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz meint, Kohl habe gegen einen führenden Teil der Medien regieren können. Dass die Birnenkarikatur der Satirezeitung Titanic allerdings zur Dauerkampagne in den seriösen Medien geworden ist, sei ein Nachteil gewesen, sagt Bolz. "Dahinter steckte nur persönliche Aversion und Bösartigkeit. Mit politischer Berichterstattung hatte das selbstverständlich gar nichts zu tun."