Mittwoch, 19. Juni 2013

Natur /

Hirnforschung Scans für das Seelenheil  

Von Martin Hubert

Farbige Markierungen zeigen die unterschiedliche Aktivität im Gehirn an
Ein Kernspintomograph kann die Hirnaktivität messen. (Reigh LeBlanc | flickr | cc by-nc 2.0)

Der Kernspintomograph ist inzwischen fast zur Allzweckwaffe der Hirnforscher geworden. Mit ihm kann man beobachten, welche Regionen im Gehirn zu einer bestimmten Zeit aktiv sind. Ticken die Hirne psychisch Kranker anders als die vermeintlich gesunder Probanden? Tatsächlich scheinen einige dieser Erkrankungen charakteristische Aktivitätsmuster aufzuweisen.

Die Diagnostik soll bei der Therapie von psychischen Erkrankungen helfen, indem die Patienten lernen, ihre Gehirnaktivität aktiv zu beeinflussen.

Reaktion auf Kunstwörter

So werden den Patienten zum Beispiel Kunstwörter vorgespielt, die bei ihnen positive oder negative Reaktionen hervorrufen. Vor allem bei den Wörtern, die eine negative Reaktion hervorrufen sollen die Patienten dann lernen, den Wörtern eine andere, positive Bedeutung zu geben. Sie sollen sich beispielsweise eine angenehme Situation vorstellen oder in Gedanken ein Lied singen, das positive Gefühle auslöst. Der Hirnscanner registriert dabei die ganze Zeit die Aktivitätsmuster des Gehirns. Das Ergebnis: Die Methode funktioniert.

Wahrnehmung verändern statt Symptome therapieren

In der Praxis sieht das dann so aus: Behandelt wurden drei Patienten, die Stimmen hörten, die es nicht gibt. Den Psychiatern ging es nicht unbedingt darum, den Patienten zu helfen, indem sie versuchten, die Stimmen verschwinden zu lassen. Vielmehr konnten sie zusammen mit den Patienten erreichen, die wahrgenommenen Stimmen milder zu stimmen oder positiver wahrzunehmen und so die Lebensqualität der Erkrankten zu verbessern.

 

Mehr zum Thema hören Sie am Sonntag, ab 16:30 Uhr in der Deutschlandfunk-Reihe "Wissenschaft im Brennpunkt".



Mehr bei DRadio Wissen:

Argentinien - Zukunft der Anstalt
In der Geschichte der sogenannten Irrenhäuser wurden immer wieder Missstände angeprangert: allem voran die Entrechtung der Patienten und die Willkür von Ärzten und Pflegern.
(Globus vom 10.04.2012)

Neurologie - Der Bauch fühlt mit
Die wachsenden Erkenntnisse über das Darmhirn verändern das Verständnis vom bisherigen menschlichen Nervensystem. Wir sind mehr als das Gehirn in unserem Kopf.
(Natur vom 10.04.2012)

Hirnforschung - Man lernt nie aus
Bis vor rund einem Jahrzehnt ging die Wissenschaft davon aus, dass das Wachstum des Gehirns mit Beginn des Erwachsenenalters endet.
(Natur vom 25.01.2012)

 

Weitere Informationen:

Nicht der Irre braucht Hilfe, sondern der Normale
(Welt online vom 22.01.2011)

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