Hotelzimmer Bitte nicht stören
Über ein Stück private Öffentlichkeit
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- Betreten nicht erwünscht - der Gast möchte mit seinem Zimmer allein sein. (Maik Meid/ Flickr/ cc by/2.0/deed.de)
Mondäne Luxus-Suite oder billiges Motel: Ein Zimmer im Hotel ist mehr als nur eine Schlafgelegenheit. Hinter der Hotelzimmer-Tür beginnt eine mehr oder minder tabufreie Zone. In Hotelzimmern tun manche Menschen, was sie sich sonst nirgends trauen würden. Das Hotelzimmer ist intimer und öffentlicher Raum zugleich, ein Ort, an dem gemordet und geliebt wird - und das nicht nur im Film.
Das Tagesthema ist eine Wiederholung vom 28.08.2012.
Hier finden Sie unsere Best Of Tagesthemen 2012 in der Übersicht.
Manche Künstler leben zurückgezogen in einem Hotel. Andere kommen nur für eine Nacht und demonstrieren ihre Rock'n'Roll-Attitüde. In Hotels passieren die ungewöhnlichsten Dinge.
Berühmte Zimmer und ihre Geschichte
Berühmt für die Eskapaden seiner Gäste ist etwa das Chateau Marmont in Hollywood, wo James Dean 1955 durch ein Fenster sprang, um die Rolle für "...denn sie wissen nicht was sie tun" zu bekommen. Im Zimmer 100 des Chelsea Hotels in New York starb Sid Vicious von den Sex Pistols 1979 an einer Überdosis. John Lennon und Yoko Ono veranstalteten dagegen im Amsterdamer Hilton Hotel, Zimmer 702, ein friedvolles einwöchiges "Bed In" - als Zeichen gegen Krieg und Gewalt.
Hinter verschlossener Tür im Hotel
Was Gäste in Hotelzimmern tun, was sie dürfen, was sie bezahlen und welche Rolle das Hotelzimmer im Film spielt: Unser Tagesthema.
Der Gast ist König
Eine Hotelmitarbeiterin plaudert aus dem Nähkästchen
Luxus auf Zeit - im Hotel lassen sich Gäste gern verwöhnen. (Happy-Hotelier/flickr/cc-by-nd)Die Schweizer sind besonders penibel, sagt Maria. Sie arbeitet im Hotel, kennt die Macken der Gäste und weiß, was sie sich abends aufs Zimmer bringen lassen: Essen oder Escort-Damen zum Beispiel. Und während Schweizer sich gerne beschweren - wenn der Bleistift nicht akkurat angespitzt und mit dem Logo des Hotels nach oben gedreht liegt - sind indische Reisende diejenigen, die ein Hotelzimmer meistens ziemlich durcheinander bringen.
Bademantel einpacken, Minibar selbst auffüllen
Was Hotelgäste dürfen und was nicht, erklärt Jürgen Benad vom DEHOGA Bundesverband
Unerschrockene sollen schon ganze Duschköpfe abgeschraubt und eingepackt haben. (Jeff Berman / Flickr / cc by-nc-sa/2.0/deed.de)Das Shampoo geht fast immer mit bei der Abreise, das Handtuch seltener, manchmal aber auch der Bademantel. Wer mit aufs Zimmer darf, wer für Zerstörungen aufkommen muss und ob kochen im Hotel erlaubt ist - wir klären Streitfragen.
Baukasten aus Flugzeugmaterialien
Unternehmer Horst Rahe über das Hotelzimmer der Zukunft
Das Hotelzimmer der Zukunft wird einfach und günstig sein. (picture alliance / dpa)Die Idee kommt vom Bau seiner einstigen Kreuzfahrtflotte: Aida-Gründer Horst Rahe lässt Hotelzimmer nur noch in Großserie produzieren. Dank industrieller Vorfertigung liegt der Preis für solch ein Baukasten-Zimmer bei rund 50000 Euro. Materialien wie der Teppichboden kommen aus dem Flugzeugbau. 39 Euro pro Nacht soll ein Zimmer kosten.
Randale im Royal Palace
Musikjournalist Klaus Walter über das Zertrümmern von Hotelzimmern als Kunstform
Das Chelsea Hotel in New York - man nennt es auch "Zufluchtsort der Ausgeflippten". (AP)Jerry Lee Lewis oder Johnny Cash waren Krawall nicht abgeneigt. Aber das stilechte Hotelzimmer-Zertrümmern kam erst in den 60er Jahren auf - mit dem Siegeszug der aggressiven britischen Beat-Bands. Als Könige dieser Kunst tun sich The Who hervor: Sie verstehen das Hotel-Smashing als Fortsetzung der Bühnenshow mit anderen Mitteln. Dabei soll auch schon ein Rolls Royce im Pool gelandet sein.
Ein Kammerspiel
Der Filmjournalist Sven von Reden erklärt, warum das Hotelzimmer für das Kino ein ganz besonderer Ort ist
In Hitchcocks "Psycho" lauert der Tod in der Dusche - eines Motelzimmers. (Stock.XCHNG / Cathy Kaplan)Eines der berühmtesten Hotelzimmer der Filmgeschichte ist sicherlich der "Room 237" aus Stanley Kubricks Shining - ein Spukzimmer, von dem eine böse Macht ausgeht. Hotelzimmer im Film stehen für Exzesse und spannende Situationen, weil hinter der Tür eine mehr oder minder tabufreie Zone beginnt. Heimlicher Sex, illegale Geschäfte, Drogenkonsum: in der Anonymität des Hotels ist die Schwerkraft der Alltagsregeln aufgehoben.