Hungerstreik Biologie des Hungerns
Der Ökotrophologe Andreas Chiappa spricht darüber, was mit unserem Körper passiert, wenn wir hungern.
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- Der 80-jährige Jesuitenpater José Maria Korta im Hungerstreik. (picture alliance / dpa | Harold Escalona)
Täglich führen wir unserem Magen Essen zu. Bleibt die Lieferung aus, bedeutet das Stress für den Körper.
Der Durchschnitts-Mitteleuropäer leidet keinen Hunger, außer er fastet. Das kann für den Menschen auch gesund sein. Doch was passiert im Körper, wenn die Nahrungszufuhr längere Zeit ausbleibt - zum Beispiel bei einem Hungerstreik?
Fasten = Stress
Zuerst tritt eine Stressphase beim Fasten oder Hungern ein, das heißt, der Körper fährt die Stresshormone hoch. Diese Hormonsituation führt dazu, dass der Körper die Reserven anbricht: den gespeicherten Zucker und das Fett.
Freiwillig oder unfreiwillig
Menschen, die fasten oder hungern, sind in den ersten beiden Tagen im Stress, sie sind aggressiv, empfindlich, unruhig. Wenn dann trotz Stress nichts gegessen wird, unterscheidet Chiappa in zwei Kategorien: das freiwillige Fasten und das unfreiwillige Hungern.
Stresshormone sorgen für verstärkten Abbau
Wenn man politisch motiviert fastet wie Julia Timoschenko, dann verbleibt man in der Stressphase. Heilfaster dagegen kommen nach zwei Tagen in ein Entspannungsphase, Stresshormone werden heruntergefahren.
Das anhaltend hohe Niveau an Stresshormonen führt zu einem erhöhten Eiweißabbau. Das hält ein Hungerstreikender bis zu 60 Tagen aus. Dann kommt es zum Exodus. Manche versterben aber auch schon nach kürzerer Zeit. Wenn zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wird und Bewegungsmangel dazu kommt, kann dies beispielsweise einen Hirnschlag verursachen, das Blut kann verdicken, die Nieren stellen ihre Arbeit ein.