Hungerstreik Timoschenko hungert für Veränderung
ARD-Russland-Korrespondentin Christina Nagel ordnet den Fall Timoschenko ein.
-
- Zum Jahrestag der Orangenen Revolution hält eine Anhängerin Timoschenkos ihr Bild. (picture alliance | dpa | Sindeyev Vladimir)
Es wirkt wie ein Kampf zwischen Gut und Böse - Julia Timoschenko gegen den ukrainischen Staat. Doch die Gemengelage ist viel komplizierter. Am 20. April ist Timoschenko in einen Hungerstreik getreten. Damit protestiert sie gegen ihre Haftbedingungen.
Denn Julia Timoschenko leidet vermutlich an einem Bandscheibenvorfall und an chronischen Schmerzen. In der Ukraine wollte sie sich bislang nicht behandeln lassen - ihr fehlt das Vertrauen.
Ein politisch motiviertes Urteil
Ihr Entschluss in den Hungerstreik zu treten, machte Timoschenko einmal mehr zur Ikone des Widerstands gegen die herrschende Klasse der Ukraine, der sie selbst einmal angehörte. Im Oktober 2011 ist Timoschenko zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Als Regierungschefin der Ukraine soll sie ihre Amtsbefugnisse überschritten haben - zum Schaden des Landes. Nach dem Prozess sei die Regierung der Ukraine noch relativ glimpflich davongekommen, sagt ARD-Korrespondentin Christina Nagel. "Man war sich bewusst, dass es ein politisch motiviertes Urteil war. Die EU hat trotzdem weiter über den Assoziierungsvertrag der Ukraine mit der EU verhandelt."
Kurz vor der EM kochen die Emotionen hoch
Mit dem Hungerstreik Julia Timoschenkos seien die Emotionen hochgekocht. Viele Ukrainer könnten das nachvollziehen, sagt Christina Nagel, auch weil sie mit der Regierungsweise des gegenwärtigen Präsidenten Viktor Janukowitsch nicht einverstanden seien.
Politiker aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden kündigten an, nicht zur Fußball-Europameisterschaft in die Ukraine reisen zu wollen. Auch die EU-Kommission will das Ereignis aus Protest gegen die Haftbedingungen Timoschenkos boykottieren. Viele Ukrainer könnten den Boykott der EM jedoch nicht nachvollziehen und fragen sich, was das eine mit dem anderen zu tun habe, sagt Christina Nagel im Gespräch bei DRadio Wissen
Timoschenko macht ihren Einfluss geltend
Timoschenko will unterdessen aus der Haft heraus auf die ukrainische Regierung Einfluss nehmen. Derzeit ist ihre Tochter Jewgenija Timoschenko in Deutschland und wirbt um Unterstützung für ihre Mutter. "Es gibt ja weiterhin das Angebot, sie ein einem Krankenhaus in Berlin behandeln zu lassen. Das widerspricht jedoch der ukrainischen Gesetzgebung, die verbietet, dass verurteilte Gefangene im Ausland behandelt werden", sagt ARD-Korrespondentin Christina Nagel im Gespräch.