Idole Nerdtum wird Leitkultur
Tobias Lenartz, Kooperative Berlin
Vom belächelten Außenseiter wird der Nerd aktuell zum Protagonisten der Gegenwart.
Der Nerd galt lange als eigenartiges Wesen: Als technisch hochbegabter aber sozial entwicklungsfähiger Sonderling geisterte er durch den Klischeekatalog von Film, Fernsehen und des kollektiven Bewusstseins. Zwischenzeitlich schien er durch die ausgreifende Kommerzialisierung des Netzes, selbst in seiner ureigenen Biosphäre in die Nebenrolle gedrängt zu werden. Andererseits machte der Erfolg von Supernerds wie Bill Gates das ihm zugesprochene Spezialistentum zunehmend gesellschaftsfähig. Die Wahlerfolge der Piratenpartei bringen das Klischee des unpolitischen Nerds ins Wanken.
Auch in Sachen nerdspezifischer Kulturförderung gehen die Nerds dieser Welt zunehmend in die Initiative. Denn Nerds und Geeks sind nicht länger bereit, als Projektionsfläche amüsanter Eigenartigkeit herzuhalten. Statt darauf zu warten von der Unterhaltungsindustrie als Zielgruppe entdeckt zu werden, gestalten sie ihr eigenes Kulturprogramm. Per Crowdfunding fördern sie Film- und Gamesprojekte ihres Vertrauens mit Millionenbeträgen und machen Nerdtum zur Leitkultur.
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