Freitag, 24. Mai 2013

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Internetrecht Comics und Kodiakbären  

Webschau mit Martina Schulte

Matthew Inman
Reagiert auf Klagen auf seine Art-Comiczeichner Matthew Inman. (gabofr | flickr.com | CC BY 2.0)

Wie sich ein Comiczeichner auf seine Art gegen einen Abmahnanwalt wehrt.

Es herrscht Krieg da draußen im Internet. Genauer gesagt, ein Krieg zwischen zwei US-amerikanischen Comicseiten im Netz. Die Protagonisten: ein böser Abmahnanwalt, seine Mutter, ein Bär, ein furchtloser Zeichner und natürlich geht es auch um viel Geld. Aktuell sind es über 200.000 Dollar.

Die Geschichte: Viele Internetnutzer, die Post von einem Abmahnanwalt bekommen, geben lieber klein bei und zahlen, als sich in teure und lange juristische Scharmützel verwickeln zu lassen – selbst dann, wenn sie eigentlich im Recht sind. Nur wenige haben den Mut, das zu tun, was Matthew Inman getan hat. Inman ist ein bekannter Comiczeichner aus den USA. Seine Webseite heißt theoatmeal.com.  Zu sehen sind dort vor allem Comics wie "How to suck at Facebook" und "What it's like to own an Apple product", die sich viral auf vielen Facebook-Seiten verbreitet haben.

Als Matthew Inman eines Tages Hunderte seiner Zeichnungen auf der Seite eines Billig-Comedy-Aggregators namens Funny-Junk fand, war er ziemlich sauer, wie er der Nachrichtenseite Komonews erzählte. Inman reagiert auf seine Art und zog in mehreren, ziemlichen bösen Cartoons, über Funny Junk und dessen Gründer her. Funny Junk nahm daraufhin einige der Cartoons offline.

Angebliche Verleumdung

Die Sache schien erledigt, bis Funny Junk vor zwei Wochen in einem Abmahnbrief 20.000 Dollar von Inman als Schadensersatz wegen angeblicher Verleumdung forderte. Der Grund: Inman hatte in seinen Comics Funny Junk Content-Diebstahl unterstellt. Wieder reagierte Inman sehr eigen: Er veröffentlichte das Schreiben des im Netz berüchtigten Abmahnanwalts Charles Carreon auf seiner Seite.

Doch damit nicht genug: Inman listete auf, was er alles tun werde, anstatt die geforderten 20.000 Dollar zu zahlen. Zum einen schickte er dem Anwalt eine Liste aller seiner Zeichnungen, die noch immer illegal auf Funny Junk zu finden sind. Außerdem kündigte er an, per Crowdfunding die in der Abmahnung geforderte Geldsumme einzusammeln, ein Foto davon zu machen und das Bild an den Anwalt zu schicken – zusammen mit einer wenig schmeichelhaften Zeichnung von dessen Mutter.

Und Inmans Plan ging auf: Bei der Crowdfunding-Aktion, die Inman auf Indiegogo gestartete hatte, sind schon 200.000 US-Dollar zusammengekommen - zehn Mal so viel, wie ursprünglich geplant. Inman will das Geld zur Hälfte der National Wildlife Federation und zur anderen Hälfte der Krebsfürsorge spenden. Deswegen trägt die Kampagne auch den Namen "BearLoveGood.CancerBad“.

Beispielloser Shitstorm

Leider bewies der Anwalt nicht besonders viel Humor, sondern reichte seinerseits Klage ein. Er verklagte nicht nur Matthew Inman wegen Cyber Vandalism, sondern auch die Crowdfunding-Seite Indigogo, die National Wildlife Federation und die Krebsfürsorge.

Auch das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Der Anwalt ist seitdem einem beispiellosen Shitstorm ausgesetzt. Er bekam etliche böse Mails und auch seine Homepage soll gehackt worden sein, schrieb Carreon. Außerdem versah er seine Startseite mit einem sarkastischen Dank an die "Menschen des Internets“.  

Carreons Chancen vor Gericht werden nicht besonders gut eingeschätzt. So vertritt der US-Lawblogger Kevin Underhill die Auffassung, Comiczeichner Inman habe lediglich seine Meinung geäußert und keine Kampagne mit dem Ziel gestartet, Carreons Namen in den Dreck zu ziehen. Inman hat sich mittlerweile selbst einen Rechtsbeistand geholt und auf Carreons Abmahnung reagiert.

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