Sonntag, 19. Mai 2013

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Interview Intelligenz - geerbt oder erlernt  

Matthias Hof im Gespräch mit Prof. Dr. Elsbeth Stern

Vater und Sohn Hand in Hand
Vater und Sohn - Woher kommt die Intelligenz? (Flickr/Petras Gagilas)

Seit Tagen tobt die Debatte: ist Intelligenz angeboren und damit unveränderlich? Oder bestimmen eher soziale Komponenten, wie schlau jemand ist oder wird. In seinem Buch: "Deutschland schafft sich ab" beruft sich Thilo Sarrazin u.a. auf die Psychologieprofessorin Elsbeth Stern, die seit Jahren zum Themenbereich Intelligenz und Lernen forscht.

Doch die Verhaltensforscherin, die an der an der Technischen Universität Zürich lehrt, wehrt sich gegen diese Vereinnahmung.

 Elsbeth Stern (hochschule Zürich/Elsbeth Stern)

Thilo Sarrazin habe Sätze von ihr aus dem Zusammenhang gerissen und den wissenschaftlichen Begriff von Intelligenz anscheinend gar nicht verstanden. Eine Aussage wie: "Intelligenz ist zu 50  bis 80 Prozent vererbt", sei wissenschaftlicher Unsinn.

Denn Intelligenz habe verschiedene Aspekte, etwas sprachliche, nicht-sprachliche oder emotionale und sie entstehe und entwickle sich aus einem komplexen Zusammenspiel von genetischen Anlagen, individuellen und gesellschaftlichen Einflüssen.

Intelligenz braucht Förderung

Alle Menschen brächten bestimmte genetische Voraussetzungen für die Entwicklung von Intelligenz mit, wie diese Voraussetzungen sich aber entwickelten, sei von vielen anderen Faktoren abhängig. So nütze einem Kind, das an sich gute genetische Voraussetzungen habe, diese Anlage wenig, wenn es nicht gefördert werde, durch die Eltern, durch die Schule, durch die Gesellschaft.

Es sei völlig unseriös, Vergleiche zu ziehen, etwa zwischen einem Kind aus dem Bildungsbürgertum und einem Kind, dessen Eltern eventuell noch als Analphabeten eingewandert seien. Bildlich gesprochen: auch eine Pflanze könne sich nur optimal entsprechend ihrem genetischen Code entwickeln, wenn sie ein sonniges Plätzchen, genug Wasser und Dünger bekäme.

Intelligenz vererbt sich nicht

Auch vererbten sich die genetischen Anlagen für Intelligenz nicht stringent, d.h. zwei hochintelligente Eltern bekämen nicht zwangsläufig ein noch intelligenteres Kind, wahrscheinlicher sei im Gegenteil, dass das Kind von der Anlage her weniger intelligent als die Eltern sei. Und auch "dumme" Eltern könnten einen richtigen Überflieger zur Welt bringen.

 

Mehr bei DRadio Wissen:

Die Biologismus-Debatte - alle Beiträge im Überblick

Weitere Informationen:

Jeder kann das große Los ziehen - Interview der FAZ mit Elsbeth Stern.

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Kommentare 1 - 1 von 1

  • 1. Die Politiker verstehen die Genetik nicht und bringend diese deshalb in Verruf

    Ich ärgere mich sehr über die dummen Aussagen eines Sarrazin zur "Erblichkeit von Intelligenz". Wir sind nichts ohne unsere Umwelt und nichts ohne unsere Gene, der Zusammenhang ist nicht additiv, sondern faktoriell. Prozentsätze sind in diesem Zusammenhang Unsinn. Allerdings trägt die Wissenschaft zu diesen Missverständnissen bei, denn der umgangssprachlich belegte Begriff der "Erblichkeit" hätte nicht verwendet werden dürfen für den "genotypischen Varianzanteil" an der Gesamtvarianz eines Merkmals. Ausführlich habe ich das auf seniorentreff.de dargelegt: http://kurzlink.seniorentreff.de/erblich

    karl 05.09.2010 14:45 Uhr

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