Iran Alltag im Spitzelstaat
Über das Leben unter Mahmud Ahmadinedschad
Als Partynation ist der Iran bislang kaum bekannt. Das liegt vor allem daran, dass das öffentliche Leben im Iran vom Regime streng kontrolliert wird. Die Männer - die Mullahs und das Militär - haben in dem muslimischen Land das Sagen. Irans junge Bevölkerung lässt sich den Spaß aber nicht verbieten. Und findet Wege, trotz der vielen Verbote und Einschränkungen, aus dem teils harten Alltag auszubrechen.
Das Tagesthema ist eine Wiederholung vom 26.09.2012.
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Der Iran bedroht Israel, reichert Uran an und strebt nach einer Vormachtstellung im Vorderen Orient. So begegnet uns der Staat der Mullahs, der alten grauen Männer, fast täglich in den Medien. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad drohte erneut Israel und dem Westen schon vor seiner Rede am 26. September vor der UN-Vollversammlung - das letzte Mal vor Ende seiner Amtszeit.
Der Iran ist aber auch ein junges Land: 70 Prozent der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. Viele dieser jungen Menschen sind gebildet und versuchen, sich der allgegenwärtigen Kontrolle zu entziehen, auch die Frauen.
Sie twittern, bloggen und finden Wege, sich mit der Welt zu vernetzen. Sie feiern Partys und haben Sex vor der Ehe - obwohl das alles nicht erwünscht oder sogar verboten ist. Und sie hoffen darauf, dass sie trotz des Konfrontationskurses des Regimes eine Zukunft in der globalisierten Welt haben.
Spaß haben im Iran
Wie man im Land der schwarzen Schleier einen drauf machen kann, hat Hanna Ender erfahren
Wie groß ist der Spaß-Faktor in einem Land voller Verbote? (Dirk Gebhardt)Das Private ist im Iran politisch. Der Staat verfügt, wie die Menschen sich kleiden müssen, was sie essen und trinken und in welcher Beziehung sie zueinander stehen dürfen. Ohne Trauschein bekommen ein Mann und eine Frau kein Hotelzimmer. Homosexualität steht unter Todesstrafe. Und allgegenwärtige Sittenwächter ermahnen, sich korrekt zu verhalten. Wie man da noch Spaß haben kann, erzählen zwei Exil-Iraner.
Halal surfen - von wegen!
Gespräch mit dem iranischen Internetexperten Mahmood Enayat von der Universität Oxford über staatliche Überwachung im Netz
Wer weiß wie, der kommt auch im Iran ins World Wide Web. (flickr/balleynen/cc-by-sa )Der Iran macht dicht: Facebook und Twitter werden geblockt, internationale Nachrichtenseiten können nicht gelesen werden. Google wird ausgesperrt, dessen E-Mail-Dienst auch. Die Führung in Teheran will durch noch mehr Kontrolle und ein eigenes Intranet die "Errungenschaften der Revolution" bewahren. Doch viele finden trotzdem Wege, über das Netz zu kommunizieren.
Weder Fleisch noch Reis
Über knappe Lebensmittel und die katastrophale Lage der iranischen Wirtschaft berichtet der Journalist Jörg-Christian Schillmöller
Viele Iraner können sich nicht mehr alle Lebensmittel leisten. (Dirk Gebhardt)Die Preise für Grundnahrungsmittel im Iran explodieren. Weil es zu wenig Hühnerfleisch gibt, fanden im Juli sogar Demonstrationen statt. Die Regierung gerät in Bedrängnis, denn das Land leidet nicht nur unter den Wirtschaftssanktionen, die der Westen im Zug des Atomstreits verhängt hat. Auch die eigene desaströse Wirtschaftspolitik trägt zur Inflation bei - die liegt Schätzungen zufolge bei mehr als 30 Prozent.
Stille Vertreibung
Wie Afghanen in ihrem Nachbarland Iran diskriminiert werden erzählt Stephanie Rhode
Afghanen demonstrieren 2011 vor der iranischen Botschaft in Herat gegen die Hinrichtung von 45 Landsleuten im Iran. (picture alliance / dpa)Sie sind überall, und sie sind viele. Sie bauen Straßen oder Hochhäuser: Mehr als zwei Millionen afghanischer Flüchtlinge sind in der Hoffnung auf ein besseres Leben ins Nachbarland geflohen - doch dort werden sie häufig als Bürger zweiter Klasse behandelt, denn ihr Status ist seit Jahren ungeklärt. Dabei stellen im multiethnischen Iran Minderheiten wie Aserbaidschaner, Kurden, Araber und andere mindestens 35 Prozent der Bevölkerung.