Islamischer Protest Mediale Zerrbilder
Wie die Berichterstattung über das antiislamische Schmähvideo und die antiamerikanischen Proteste Ansichten prägen
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- Die Berichterstattung zu den "Innocence of Muslims"-Demonstrationen ist geprägt von Gewalt - die gemäßigte Kritik geht dabei unter. (dpa)
Ein Video taucht auf Youtube auf und löst eine Welle der Gewalt aus. In Libyen wurde der US-Botschafter getötet, im Sudan die deutsche Botschaft gestürmt. Es gab Demonstrationen in Tunesien, Ägypten, im Libanon und Jemen, im Iran, in Afghanistan, Pakistan und Bangladesch. Welche Rolle die Berichterstattung in den Medien dabei spielt, beleuchten wir in unserem Tagesthema.
Viele muslimische Demonstranten haben das Schmähvideo "Innocence of Mulims" vermutlich gar nicht gesehen: Sie kennen die Inhalte vom Hörensagen oder aus den Nachrichten. Sie fühlen sich und ihre Religion beleidigt, gehen auf die Straße, machen ihrem Ärger Luft, protestieren - und werden teilweise gewalttätig.
Die Bilder der Proteste werden von westlichen Medien verbreitet, diese berichten über die Demonstrationen und deren Eskalationen. Doch das sind nur Ausschnitte, Momentaufnahmen aus den islamischen Ländern. Die Art der Berichterstattung über die islamischen Proteste spiegelt Stereotypen wieder, die sich in den Medien und in den westlichen Ländern festgesetzt haben. DRadio Wissen wagt einen medienkritischen Blick auf die Proteste in der islamischen Welt.
Was Medien nicht berichten
Björn Blaschke über einen weißen Fleck in der Medienberichterstattung
Vor allem wird über Gewalt berichtet, nicht jedoch über die gemäßigten Stimmen. (dpa | Mast Irham)Die meisten Demonstranten in der islamischen Welt haben das Mohammed-Video, gegen das sie protestieren, nicht gesehen. Und auch wir erfassen bei den Protesten in Nordafrika und im Nahen Osten nicht das gesamte Bild: Wie gemäßigte und intellektuelle Kräfte über die Tumulte denken, wird von den Redaktionen in Deutschland meist ausgeblendet, sagt Björn Blaschke.
Medienberichte in der islamischen Welt
Robert Chatterjee, Online-Chef von Zenith, erklärt, wie Medien in Ägypten oder im Sudan berichten
Das Mediensystem in der islamischen Welt funktioniert anders als das europäische. (travelmeasia | Flickr | CC BY 2.0)Deutsche Medien berichten über "gewalttätige Proteste in der muslimischen Welt". Dabei differenzieren wir zu wenig, meint Robert Chatterjee, Online-Chef der Zeitschrift Zenith. Wir möchten von ihm wissen, wie der umgekehrte Blick funktioniert: Wie berichten Medien in Ägypten oder im Sudan über die Ereignisse? Wie interpretieren sie die Haltung Deutschlands und Europas?
Wer sich den Zorn der Religiösen zu Nutzen macht
Asiem El Difraoui von der Stiftung Wissenschaft und Politik über die Instrumentalisierung von "Innocence of Muslims"
Das Video lässt sich instrumentalisieren und letztlich für die eigenen Zwecke einsetzen. (dpa | Mohammed Saber)Das Youtube-Video "Innocence of Muslims" hat in mehreren muslimischen Ländern für Aufruhr gesorgt. Dass es offenbar von einem US-amerikanischen Filmemacher stammt, spielt der negativen Grundhaltung gegenüber den USA in die Hände. Das ist ein Grund, warum das Video sich für eine US-feindliche Stimmung instrumentalisieren lässt, auch innenpolitisch.
Hetzprediger Terry Jones
Die Journalistin Bettina Klein spricht über ihre Begegnung mit Terry Jones, der den Koran öffentlich verbrennen wollte
Terry Jones hat das Spiel mit den Medien gelernt: Er plante eine öffentliche Verbrennung des Koran. (dpa)Der Prediger Terry Jones hatte angekündigt, am 11. September 2010 den Koran öffentlich verbrennen zu wollen. Aus der medienwirksamen Inszenierung wurde nichts, am Tag der Verbrennung sagte Jones, christlicher Extremist, das Spektakel ab. Die Debatte um das Mohammed-Video spielt Radikalen wie Jones in die Karten. Allerdings nicht in Deutschland: Hier wurde ein Einreiseverbot über ihn verhängt.
Ein Video und die Folgen
Webschau mit Michael Gessat
Aufruhr wegen eines Videos - Protest in Peshawar, Pakistan. (dpa | Arshad Arbab)In Online-Medien wird nach wie vor über den Film selbst diskutiert und darüber, ob man ihn hierzulande öffentlich aufführen dürfte. Eine weitere Frage, die im Netz thematisiert wird: Wie groß sind die protestierenden Massen im Vergleich zu den Demonstrationen beim Arabischen Frühling? Hinter all dem steht aber ein ganz anderer Punkt: Es geht um das grundsätzliche Verhältnis verschiedener Kulturen zueinander.