Islamophobie Die Angst vor dem Islam
Gespräch mit FAZ-Feuilletonchef Patrick Bahners über sein Buch "Die Panikmacher" und dem Antisemitismusforscher Wolfgang Benz.
Diffuse Ängste und Vorurteile schüren die Islamfeindlichkeit. Eine Entwicklung, die mit dem Antisemitismus des 19. Jahrhunderts vergleichbar sei, meint der Historiker Wolfgang Benz. Er entlarvte damit wiederkehrende Überfremdungs- und Verschwörungstheorien. Diese prangert auch Patrick Bahners in seinem Buch "Die Panikmacher" an.
Muslime integrieren sich nicht, sind fortschrittsfeindlich, antidemokratisch, frauenfeindlich, gewaltbereit und werden aus radikaler Glaubensüberzeugung zu Selbstmordattentätern. So das populistische Potpourri westlicher Industrienationen.
Die Aufstände in Tunesien und Ägypten und die friedlichen Demonstrationen in der arabischen Welt zeigen jedoch ein anderes Bild von Muslimen - ein engagiertes und fortschrittswilliges. Manchem passt das nicht in das gängige Muster.
Ägyptische Demonstrantinnen protestieren am 3. Februar 2011 in Kairo gegen das Mubarak-Regime. (AP)
"Die Panikmacher"
F.A.Z.-Feuilletonchef Patrick Bahners hat sich die populistische Islamismuskritik vorgeknöpft und wirft ihren Vertretern vor, ein geschlossenes System von Vorurteilen und der damit verbundenen Verachtung ganzer gesellschaftlicher Gruppen salonfähig zu machen.
In seinem Buch "Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam. Eine Streitschrift." kritisiert er Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek, Alice Schwarzer, Henryk M. Broder, Thilo Sarrazin und Ralph Giordano als Beschwörer einer Bedrohung durch in Deutschland lebende Muslime.
Bahners stellt in Frage, ob ihre Argumente empirisch belegt oder gar schlüssig sind. Er geht der Frage "Gehört der Islam zu Deutschland?" nach und findet Schuldige auch in der Politik, wenn er schreibt: "Wo [Ängste] Ernstnehmen bedeutet, Vorurteile stehenzulassen, schwelen zu lassen, da schließt sich ein rhetorischer Teufelskreis: Die Politiker beteiligen sich am Aufwiegeln, um abzuwiegeln, aus Angst vor der Angst."
Fälliger Einspruch
Bahners' Streitschrift sei, so der Pressetext, der Einspruch gegen eine sich in Deutschland ausbreitende fremdenfeindliche Stimmungsmache zum Thema Islam. Kein Wunder, dass, kaum nach Erscheinen des Buches, sich die Kritisierten selbst zu Wort melden: Henryk M. Broder etwa erkennt zwar die Rechercheleistung und den Umfang der Streitschrift an, liest darin aber nur "die Angst des Intellektuellen vor der Wirklichkeit, der er durch Flucht in eine Welt aus Wollen und Vorstellung zu entkommen versucht".
Wir sprechen mit dem FAZ-Feuilletonchef Patrick Bahners über sein Buch und seine Thesen.
Antisemistismus = Islamophobie?
Marsch der Millionen: Demonstranten tragen eine riesige ägyptische Fahne durch Kairo. (AP)
Die Bilder von den Aufständen in Tunesien, Ägypten und in weiteren arabischen Staaten hinterlassen Spuren in unserem Islambild. Die Medien berichten nicht über radikale Selbstmordattentäter, sondern über friedliche Demonstranten, die diktatorische Regime gewaltfrei stürzen. Eine Chance für westliche Industriegesellschaften, ihre Vorurteile zu revidieren, meint der Historiker Wolfgang Benz.
Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin, wagte 2008, die Judenfeindlichkeit im 19. Jahrhundert mit der heutigen Islamfeindlichkeit zu vergleichen. Dabei stellt er fest, dass die Mechanismen von Ausgrenzung und Diskriminierung nicht nur ähnlich sind, sondern auch den gleichen Grund haben: "Die Mehrheitsgesellschaft braucht fremde Minderheiten, denen man Schuld zuschreiben kann und an die sie Bedrohungsängste, Überfremdungs-, und Überwältigungsfantasien delegiert."
Wir sprechen mit dem Historiker Wolfgang Benz über unser Bild vom Islam.
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