Italien Erdbeben-Training wie in Japan
Kirstin Hausen ist der Frage nachgegangen, warum Italien aus seinen Erdbeben nicht lernt.
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- Die zerbrochene Kirchturmuhr liegt auf einem Schutthaufen nach dem Erdbeben in Mirandola. (picture alliance | dpa | Daniel Dal Zennaro)
Die Japaner bereiten sich in Trainings auf Erdbeben vor. Die Italiener hat es bisher noch unvorbereitet getroffen.
Drei Millionen Italiener leben in Gebieten mit hohem Erdbebenrisiko, 21 Millionen in Gebieten mit mittlerem Risiko, diese Aussagen des Vorsitzenden des Nationalen Geologischen Rates in Italien schockierten viele der dort lebenden Menschen. Denn obwohl die Zahlen für sich sprechen – pro Jahr werden rund 2000 Beben registriert – wollen die Meisten nicht wahrhaben, dass sie in einem Risikogebiet leben.
Gutes Geschäft für die Mafia: Der Wiederaufbau
Der Umgang mit Erdbeben in Italien kann als eine lange Geschichte des Schreckens und des Wegschauens zusammengefasst werden. Denn anders als in Japan haben verheerende Beben in Italien nicht zu einer konsequent erdbebensicheren Bauweise geführt. Und der Wiederaufbau nach dem Erdbeben im Jahr 1980 - mit etwa 3000 Toten und 20.000 Obdachlose - war oft mehr ein Geschäft für die Mafia, als nachhaltige und effiziente Hilfe für die Opfer. Auch das Erdbeben im Jahr 2009 in den Abruzzen hatte massive Kritik an der Vergabe von Hilfsgeldern nach sich gezogen.
Vorbildlich: Erdbeben-Training in Japan
In Italien gibt es nur ein Erdbebengebiet, das komplett wiederaufgebaut wurde: Friaul. Hier bebte die Erde im Jahr 1974. Für alle anderen Katastrophengebiete kann man immer noch Hilfsgelder beantragen. Selbst für das Erdbeben in Messina von 1908. Trotz dieser wiederkehrenden Naturkatastrophen hat sich Italien in unseren Köpfen nicht als Erdbebengebiet verankert wie beispielsweise Japan. Die Japaner gehen dieses Thema besonders offensive an und sind dafür bekannt, dass bei der Erdbebenvorsorge vorbildlich sind: Sie führen Notfalltrainings für die Evakuierung im Fall eines Erdbebens durch und in jedem Haushalt gibt es inzwischen Plastikhelme und Ausrüstungsgegenstände, um im Ernstfall besser überleben zu können.