Jasminrevolution IV Zwischen Facebook und Koran
Alexander Göbel zur Lage nicht-muslimischer Künstler in Tunesien
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- Das Werk "National (Tunis)" des Künstlers Saâdane Afif hängt in einer der ersten internationalen Ausstellungen nach der Revolution. (picture alliance / dpa)
Der Imam von Tunis hat dazu aufgerufen, die ungläubigen Künstler zu töten.
Nach den Angriffen auf Ausstellungen und Fernsehsender durch radikale Islamisten und Kriminelle ist in Tunesien eine heftige Debatte
entbrannt: Wie frei ist die eigene Meinung? Und wie frei ist im neuen Tunesien die eigene Entscheidung darüber, wie man sich
kulturell ausdrücken darf?
Schön aber nicht kritisch
Kunst darf schön sein, aber nicht revolutionär. Koran-Schriftzüge aus kleinen Fliegen, ein bärtiger Islamisten-Superman, ein weiblicher Akt, das Geschlecht verdeckt von einer Schale Couscous - das sei keine Kunst, sagte Faycal Nace, Sprecher der Regierungspartei Ennahda: "Die Künstler dieser Ausstellung sind keine richtigen Künstler. Diese Leute können sich ja nicht mal als Künstler ausweisen. Diese 'moderne' Kunst' hat nur Ärger gemacht." Die Künstler hätten die Salafisten provoziert, führt er fort, "und die haben ihre Schläger auf die Straße geschickt."
Angriffe auf Kultureinrichtungen
Immer wieder griffen Tunesiens Salafisten Kultureinrichtungen, Kinos und Fernsehsender an - ohne dass dies große juristische Folgen für die Täter gehabt hätte. Und nach der jüngsten Ausstellung von La Marsa rief der Imam der Zitouna-Moschee von Tunis dazu auf, die ungläubigen Künstler zu töten und "ihr Blut in den Straßen zu vergießen".