Journalismus Es gilt das autorisierte Wort
Sven Preger über entschärfte Interviews
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- In einem Interview für Radio oder Fernsehen muss der Interviewte genau darauf achten, was er sagt: Nachträgliches bearbeiten und autorisieren ist hier nicht möglich. (AP)
Keine autorisierten Interviews mehr - verkündete die New York Times Ende September. In Deutschland werden Interviews zumindest in Print- und Onlinemedien weiterhin autorisiert. Abgeschwächte Aussagen sind die Folge und Gespräche, die mit dem Gesprächsverlauf mitunter wenig zu tun haben.
Besonders gerne greifen Prominente und Politiker ein und glätten, was sie stört. Eine Praxis, mit der etwa Olaf Scholz als SPD-Generalsekretär auf sich aufmerksam machte: 2003 schwärzte er fast das komplette Interview, das die Tageszeitung taz mit ihm geführt hatte. Die Zeitung druckte daraufhin keine überarbeitete, sondern einfach die von Scholz geschwärzte Fassung aus Protest.
Gängige Praxis
Die allgemeine Aufregung darüber währte nur kurz. Zumindest in deutschen Print- und Onlinemedien ist das Autorisierungsverfahren selbstverständlich, obwohl es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt. Es handelt sich um freiwillige Vereinbarungen zwischen Redaktion und Gesprächspartner. Handelt eine Redaktion zuwider, drohen Bußgelder.
Selbst Schuld
Das große Problem dabei: Die Medien spielen mit. Die Journalisten geben also ihren Job teilweise selbst aus der Hand. Das Interview - eine ehemals starke Darstellungsform - verliert dadurch an Kraft und Authentizität.