Journalismus Mehr Handwerk: Die Recherche kommt
David Schraven über den Stellenwert der Recherche im deutschen Journalismus.
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- In Deutschland fehlten lange die Strukturen für systematische journalistische Recherchen. (arnybo | flickr | cc by-nc-sa 2.0)
Sie galt lange Zeit als das Stiefkind im deutschen Journalismus: die Recherche. Meinungsjournalismus war in der Bundesrepublik von Anfang an wichtiger als das aufwändige Beschaffen von Fakten.
So prägte sich in Deutschland im Gegensatz zum angelsächsischen Journalismus kein Bewusstsein in der Branche für die Wichtigkeit der Recherche aus, und damit konnte sich auch kein eigenständiges Berufsbild des Rechercheurs entwickelt, der Recherche-Pläne erstellt, Akten systematisch studiert sowie auswertet und aus diesen Fakten eine Story zusammenbaut.
Investigativ und Undercover
Wenn überhaupt, dann standen einzelne Personen oder selten ganze Medien für die Recherche in Deutschland: Monitor beim WDR, der Spiegel oder Hans Leyendecker und Günter Wallraff, der mit seinen Undercover-Recherchen immer wieder für Aufsehen sorgte. Doch das war das Engagement einzelner.
1975 stand Günter Wallraff wegen "unerwünschter Reportagen" vor Gericht. (Martin Athenstädt | dpa)
Für die ZDF-Sendung "Unter Null" spricht Günter Wallraff (r.) mit Obdachlosen. (ZDF Kurt Amsler | dpa)
Für RTL und das ZEITmagazin untersuchte Günter Wallraff die Arbeitsbedingungen von Paketfahrern. (Thomas Rabsch / ZEITmagazin)
Was fehlte, waren die Strukturen: Recherche-Redaktionen, die Journalisten den Freiraum gaben und gleichzeitig auch die umfangreichen Recherche-Arbeiten angemessen bezahlten. Bis heute wird im Journalismus vor allem nach Artikel- und Beitragslänge gezahlt und nicht nach Recherchetiefe. Damit lohnt sich Recherche vor allem für Freiberufler kaum. Dabei sind vor allem sie es, die für die Blätter in der Republik schreiben und die Beiträge für die Radio- und Fernsehanstalten erstellen. Nach einer DJV-Umfrage verdienen freie Journalisten in Deutschland etwa 2200 Euro brutto im Monat. Eine aufwändige und zeitraubende Recherche lohnt sich da schlichtweg nicht.
Netzwerk Recherche: Eine Lobby für mehr journalistische Tiefe
Doch die Zeiten wandeln sich offenbar: in den vergangenen knapp zehn Jahren haben einzelne Verlage und Rundfunkanstalten Strukturen für umfangreiche Recherchen geschaffen. Die ersten Recherche-Redaktionen wurden gegründet und haben bis heute überlebt, ob beim NDR, beim Stern oder bei der WAZ. Gleichzeitig bieten Aus- und Fortbildungseinrichtungen nun vermehrt Recherche-Workshops an. Doch was für Produkte entstehen dabei? Und hat Deutschland damit wirklich eine Entwicklung nachgeholt?
Mit für den Wandel verantwortlich ist das Netzwerk Recherche, das 2001 ins Leben gerufen wurde. Der Journalisten-Verein will Recherche fördern und fordern. Da kommt es nicht gut, wenn gerade diesem Verein mangelnde Transparenz vorgeworfen wird. 2011 - im Jahr des zehnjährigen Jubiläums - wurden die Vorwürfe laut: der Verein hatte zu unrecht Fördergelder von der Bundeszentrale für politische Bildung erhalten. Der Vorstand zerbröselte. Bis heute kämpft der Verein gegen die Folgen und versucht einen Neuanfang. Ist damit die Recherche-Lobbyarbeit in Deutschland am Ende?!
Gast:
David Schraven, Vorstandsmitglied Netzwerk Recherche und Leiter der Recherche-Redaktion der WAZ
Redaktion:
Sven Preger (Moderation), Nora Hespers (Online), Claudia Müller (Nachrichten)
Musik:
Tribute - Tenacious D
TNT (live) - ACDC
Highway To Hell (live) - ACDC
Ace Of Spades - Motörhead
The Hammer - Motörhead
I was made for lovin' you baby - Kiss
Rätsel-Lösung:
In der Radioszene wurde gelost, wer von den beiden Radiosprechern wohl an der Reihe ist, also eine Sprecher-Ziehung sozusagen - oder in einem Wort: Sprecherziehung.
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