Julian Assange Gefangen in der Freiheit
Webschau mit Thomas Reintjes
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- Julian Assange in Freiheit, doch betritt er britischen Boden, sind die Bobbys gleich da. (picture alliance | dpa | Facundo Arrizabalaga)
Wikileaks-Gründer Julian Assange befindet sich derzeit in der ecuadorianischen Botschaft in London - er hat dort Asyl bekommen. Nun muss er nur noch aus der Botschaft in London nach Ecuador kommen. Wie ihm das gelingen kann, ohne dass er britischen Boden betritt, ist noch ungewiss.
Assange selbst soll peinlich genau darauf achten, keinen Schritt vor die Tür der Botschaft zu setzen. Auch bei seiner Rede am Sonntag vom Balkon der Botschaft, stand er eigentlich die ganze Zeit im Türrahmen. Die Website Cryptome hat Assanges Auftritt genau beobachtet und festgestellt, dass ihm wohl klar gewesen sei, dass er sich auf dem Balkon außerhalb der Botschaft befunden hätte.
Assange muss in Schweden verhört werden
Das Magazin New Statesman fasst die rechtliche Lage zusammen - einen Artikel daraus hat sogar der UK Supreme Court verlinkt. Darin räumt David Allen Green mit fünf Rechtsirrtümern von Assange-Unterstützern auf. Dazu gehört die Forderung, Assange sollte in London von schwedischen Behörden zu den Vorwürfen der Vergewaltigung befragt werden. David Allen Green sagt, Assange müsse nach schwedischem Recht dort als Verdächtiger verhört werden und belegt das auch mit entsprechenden Quellen.
Ausgerechnet Ecuador
Absurd findet er die Ansicht, dass Ecuador die Pressefreiheit verteidige, indem es Assange politisches Asyl gewährt. Ausgerechnet Ecuador, das auf einer Liste von Reporter ohne Grenzen auf Platz 104 steht. Auch Marten Schultz schreibt, dass Schweden eines der besten Rechtssysteme der Welt hat, das die Grundrechte sehr gut schütze. Was man von Ecuador nicht behaupten könne.
Christine Assange wirft Medien vor, nicht richtig zu recherchieren
Zu den prominentesten Kritikerinnen dieser Argumente gehört die Mutter von Julian Assange, Christine Assange. Auf der Seite der russischen Staatsfernsehens war zu lesen, sie habe sich folgendermaßen im australischen Fernsehen geäußert: "Ich war in Ecuador und ich habe Ecuadors Verfassung gelesen. Zwei Dinge, die die meisten der Medienleute nicht getan haben." Was Menschenrechtsorganisationen zu der Situation in Ecuador sagten, sei Propaganda.
Die Verdienste des Julian Assange
Kritische Stimmen gab es auch in Deutschland. Jakob Augstein schrieb folgendes bei Spiegel Online: "Folter in Abu Ghuraib, das Waterboarding in den CIA-Gefängnissen, das Niedermähen unbewaffneter Zivilisten in Afghanistan - vieles von dem, was die USA in den vergangenen Jahren in gefährliche Nähe zu den Unrechtsregimen im Nahen Osten, zu China und zur untergegangenen Sowjetunion gebracht hat, kam an den Tag, weil sich Leute wie Julian Assange nicht auf 'Parlamente und Gerichte' verlassen haben."