Kinderbetreuung Gute Kita, böse Kita
Kita-Kinder haben laut einer Studie mehr Stress als andere. DRadio Wissen fragt, was hinter dieser These steckt.
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- Kinderbild: Zwei Kinder spielen Fussball (frysenherz|flickr|CC BY-NC 2.0)
Kleinkinder, die Krippen und Kitas besuchen, zeigen später häufiger sozial-emotionale Auffälligkeiten als Kleinkinder, die von ihren Eltern betreut worden sind, das ist die These des Kinderarztes Rainer Böhm. Dafür bezieht er sich auf US-amerikanische Studien, die bei außerfamiliär betreuten Kindern einen höheren Spiegel des Stresshormons Cortisol festgestellt haben.
Der Bielefelder Kinderarzt Rainer Böhm, der seinen Text in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) veröffentlicht hat, behauptet sogar, dass Kinderkrippen und Kitas schlecht für die seelische Entwicklung der Kinder seien. Böhm bezieht sich unter anderem auf eine US-amerikanische Studie aus den 90er Jahren. Das National Institute of Child Health and Development begleitete 1300 Kinder über einen Zeitraum von 15 Jahren, Wissenschaftler beobachteten ihr kognitives Verhalten sowie ihre Entwicklung.
Krippenkinder mit sozioemotionalen Störungen
Daraus sei hervorgegangen, dass die außerfamiliäre Betreuung nicht die Eltern-Kind-Bindung störe. Allerdings würden Kinder, die als Kleinkinder eine Krippe besucht hätten, später häufiger an Störungen leiden, als Kinder, die in der Familie betreut worden seien. Doch Böhms These sind umstritten.
Gute Kita, böse Kita: Was sind die Kriterien für eine gute Kinderbetreuung und wie sieht die Situation weltweit aus? Das Tagesthema auf DRadio Wissen.
Kitas auf dem Prüfstand
Hans-Michael Straßburg über den Einfluss von Kitas auf die seelische Gesundheit von Kindern.
Kinderzeichnung mit Tieren und Sonnen (frysenherz|flickr|CC BY-NC 2.0)Dass die Betreuung von Kindern unter drei Jahren in Krippen und Kitas zu späteren sozioemotionalen Störungen führe, sei nicht richtig, sagen die Gegner der oben stehenden Thesen. Hans-Michael Straßburg vom Universitätsklinikum in Würzburg hält die Studie für nicht haltbar.
Die untersuchten Fallzahlen aus den USA seien viel zu klein. Zudem gebe es zahlreiche weitere Einflüsse auf den Cortisolspiegel von Kindern, zum Beispiel Infekte, denen sie im Krippenalter besonders häufig ausgesetzt sind. Straßburg hält eine Krippenbetreuung spätestens nach dem ersten Lebensjahr für unproblematisch und in vielen Fällen für wünschenswert. Gefahren für die seelische Gesundheit sieht er vor allem bei schwierigen Bedingungen im Elternhaus.
Oma statt Kita - alle Berichte im Überblick
Kinderbetreuung in Frankreich, den USA, Israel, Brasilien, Italien, Schweden und Russland.
Kinderzeichnung: Kopffüßler eines dreijährigen Kindes (My daughter Teresa | Wikipedia Commons | cc-by-sa-3.0)Kinderbetreuung ist in keinem Land der Welt vorbildlich geregelt, dennoch könnten die Staaten weltweit viel voneinander lernen. Unsere Korrespondenten berichten von ihren Erfahrungen.
Dabei wird deutlich: Die staatliche Kinderbetreuung funktioniert nirgendwo perfekt. In vielen Ländern wie den USA oder Israel, ist es eine Kostenfrage, ob Eltern es sich überhaupt leisten können, die Kleinen betreuen zu lassen. Auch das scheinbar perfekte System der Franzosen weist Lücken auf. Und die Italiener lassen die Kinderbetreuung einfach in der Familien und haben eine kostengünstige Variante gefunden: die Großmutter.
Wie bei Muttern
Sonja Beeker über einen Mutti-Service in Boston.
Kinderbild: Nach dem Regen (Declic|Wikimedia Commons|gemeinfrei)Zwei Mütter haben in Bosten die Betreuung von Auslandsstudenten übernommen und daraus ein Geschäft gemacht: Der Concierge-Service für Studenten - die "Moms Away From Home". Wenn man als Schulabgänger seine Füße nicht mehr unter den Küchentisch von Mutti strecken will und die alte Heimat verlässt, kann das ein Schock sein: für die Mütter und für die Kinder. Um diesen Sprung ins kalte Wasser für die angehenden Studenten abzumildern, haben zwei Mütter in Boston den Concierge-Dienst "Services for Students" gegründet.
Schutz vor der Welt
Pascal Fischer erklärt, warum Kindheit ein geschützter Lebensabschnitt ist.
Kinderzeichnung Krickelkrackel eines Kindes (22. Monate) (Zeimusu|Wikipedia Commons|CC BY-SA 2.0)Die UN-Kinderrechtskonvention existiert erst seit 1989. Wobei das 20. Jahrhundert schon in vieler Hinsicht ein Fortschritt war. Vor der Aufklärung ging man mit Kindern recht brutal um: Sie wurden ruhig gestellt, verwahrt. Erst der französische Philosoph Rousseau legte das Augenmerk auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Kulturell wurde dadurch die Kindererziehung zur Hauptaufgabe der Frau.
Heute stehen Eltern und Kinder vor anderen Herausforderungen. Sie sehen sich einer ökonomisierten, staatlich organisierten Betreuungsinfrastruktur gegenüber, die viele Vorteile birgt. Doch damit wachsen die Bildungsanforderungen an Vier- oder Fünfjährige mit großer Geschwindigkeit - und die Kindheit wird schnell zur Prüfung.
Vater unter Stress
Christian Rex über entspannte Kinder und gestresste Eltern.
Kinderzeichnung: Herz in verschiedenen Farben (frysenherz|flickr|CC BY-NC 2.0)Kita-Kinder würden unter erhöhten Stresswerten leiden, besagt die US-amerikanische Studie aus den 90er Jahren. Doch im Haushalt von Christian Rex hat sich der Spieß umgedreht. Während der Sohn stressfrei durch die Wohnung tobt und vom Vater betreut wird, bemerkt letzterer plötzlich, dass sein eigener Cortisolspiegel steigt. Er wagt den Schritt zu einem Coach, der kein Stressproblem sondern ein Multitaskingproblem diagnostiziert.
Coach Brouwers rät dazu die eigene Atmung besser zu kontrollieren. "Je besser der Körper dazu in der Lage ist, zwischen einer hohen und einer niedrigen Herzfrequenz zu regulieren, desto besser ist die Herzratenvariabilität."
Kita oder Mama
Svenja Üing und Sandra Pfister über einen Tag im Leben zweier Kleinkinder.
Kinderbild (foto.bulle|flickr|CC BY 2.0))In der Kita verbringen Kinder ereignisreiche Tage: Lernen, spielen, essen, basteln, schlafen. Am Abend sind viele Kita-Kinder regelrecht erschöpft. Da will die Zeit, die man noch als Familie hat, gut genutzt sein.
Auf der anderen Seite: Kinder, die von den Eltern betreut werden. Sie verbringen viel Zeit in der Gegenwart von Erwachsenen, gehen aber auch zur Spiel- und Krabbelgruppe. Ähnlich wie bei Kita-Kindern will auch in solchen Familien der Alltag gut geplant sein. Svenja Üing und Sandra Pfister haben mit Eltern und Kindern gesprochen, die sich ganz bewusst für eine der beiden Betreuungsformen entschieden haben.