Körpermaße Was ist schon normal
Konstantin Zurawski berichtet in der Webschau über einen Vertipper, der eine Netzaktion ausgelöst hat
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- Ein Vertipper nimmt memetische Züge an: Unter 60-90-60 laden immer mehr User Fotos ins Netz. (DRadio Wissen)
Eine Bloggerin beklagt schlecht sitzende Kleidung in großen Größen. Ihr Vertipper 60-90-60 wird zum Synonym einer Aktion.
Bloggerin Journelle möchte beim Blick in den Spiegel vor allem eins: gut aussehen. Ein verständlicher Wunsch, ihr Problem: In Kleidergröße 38 passt sie nicht rein. Doch alles, was in größeren Größen angeboten wird, will einfach nicht sitzen. Ihre Kritik richtet sich an die Modebranche, die ausschließlich Kleider für einen ganz bestimmten Typ Frau entwirft - nämlich den Typ, der mit den Modelmaßen 90-60-90 glänzen kann. Genau an der Stelle schleicht sich ein Vertipper ein: "Warum ist es nicht möglich, dass Mode nicht für einen Idealkörper von 60-90-60, sondern für individuelle Körpergruppen gemacht wird?"
"Normale Frauen in Oberbekleidung"
Ihr Vertipper löst eine Fotoaktion aus, in der normale Frauen und Männer sich in ihren Alltagsklamotten ablichten und unter dem Hashtag #609060 per Twitter, Facebook oder Instagram veröffentlichen. Bei vielen weiblichen Bloggerinnen kommt die Aktion gut an. Anne Schüssler schreibt auf "Ach komm, geh wech", dass sie sich seit der 609060-Aktion wieder mehr traut und wieder gewagtere Sachen aus dem Kleiderschrank zieht.
Patricia Cammarata bloggt auf dasnuf.de und hat auch schon eine positive Wirkung entdeckt. Das betrachten der 60-90-60-Bilder hätte den Effekt, dass sie sich normal findet. Gefühle wie "Mein Gott bin ich dick" verschwinden beim Anblick der 60-90-60-Fotos.
Kleidung und Persönlichkeit
Die Bloggerin Anke Gröner, die ein Buch über ihr eigenes Dicksein veröffentlicht hat, übt Kritik an der Foto-Aktion. Denn die meisten 60-90-60-Selbstporträts sind kopflos: "Ihr fotografiert euch ohne Kopf, ihr reduziert euch selbst auf eure Kleidung, auf eure Äußerlichkeit – also genau auf das, auf das ich mich ums Verrecken nicht reduzieren lassen will. Ich muss dem Rest der Welt jeden Tag beweisen, dass ich mehr bin als eine dicke Hülle. Deswegen liebe ich eine bestimmte Flickr-Gruppe sehr: Fatshionista. Darin zeigen sich dicke Menschen ebenfalls in ihrer Kleidung, aber von Kopf bis Fuß. Man sieht eine gesamte Persönlichkeit und nicht nur Klamotte.“
Dick ist eben nicht die Norm
Über einen anderen Kritikpunkt der Bloggerin wird heftig debattiert. Es geht um das kleine Wort "normal". Bloggerin Journelle schreibt in ihrem Artikel: "Ich stelle Fotos von mir online, weil ich meinen normalen Körper eingepackt in Oberbekleidung sichtbar machen möchte.“ Für Anke Gröner ist das wenig einleuchtend, denn die Fotos mit dicken Menschen seien bei Facebook und Instagram eher die Ausnahme und deshalb eben gerade nicht normal. Beim Anblick ihres Körper würden viele eher denken: "Puh, bin ich froh, dass ich nicht so aussehe." Weil es eben nicht normal sei, so auszusehen wie sie - nämlich dick.
Die Bloggerin Birte teilt die Meinung von Anke Gröner. Für Menschen, die auf der Straße permanent als anders markiert würden, sei es schwierig, sich "normal" zu finden. Sie würden deshalb wohl seltener als schlanke Personen Fotos von sich im Internet veröffentlichen.