Montag, 20. Mai 2013

Globus /

Kolumbien Labor gegen das Verschwinden  

Florian Meyer-Hawranek hat die Forensiker bei ihrer Arbeit begleitet

Die Nahaufnahme eines menschlichen Schädels
Forensiker in Kolumbien versuchen anhand von Knochen und Schädeln Tote zu identifizieren. (aesedepece | flickr | cc by 2.0)

Ein Gebiss und ein paar Knochen - Kolumbianische Forensiker versuchen, seit Jahren verscharrte Tote zu identifizieren.

Mit einer Knochenlieferung beginnt die Arbeit für Rubiela Caballero und ihre Kollegen in der Küstenstadt Barranquilla. Die Forensikerin leitet eines von sieben Speziallabors in Kolumbien, in denen Tote auch noch nach Jahren unter der Erde identifiziert werden können. Keine einfache Arbeit, denn oft sind die menschlichen Überreste in keinem guten Zustand. "Das tropische Klima lässt selbst die Knochen schnell verrotten", erklärt Caballero. Nicht immer lässt sich verwendbare DNA aus den Knochen ziehen.

Große Verantwortung für die Forensiker

Die Forensikerin Rubiela Caballero steht in einem Labor in Kolumbien und untersucht die Überreste eines vor langer Zeit getöteten und verscharrten Menschen.Rubiela Caballero bei der Arbeit. (Florian Meyer-Hawranek)Doch wenn es den Forschern gelingt, Erbinformationen aus den Knochen zu ziehen, sind sie einen guten Schritt weiter. Die Daten kommen in eine landesweite Datenbank und werden mit Proben verglichen, die vorher Angehörige von Verschwundenen abgegeben haben. Die Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung bewusst: Das schlimmste ist, wenn Angehörige über Jahre nicht wissen, was mit ihren Vermissten passiert ist.

Alle Kriegsparteien sind schuldig

Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass in Kolumbien mehr als 50.000 Menschen vermisst werden - weit mehr als während der argentinischen Militärdiktatur. Wie viele davon getötet wurden, weiß niemand. Ob linksgerichtete Rebellen, rechtsgerichtete Paramilitärs oder die reguläre Armee - alle Parteien haben sich im kolumbianischen Bürgerkrieg schuldig gemacht. Die Aufarbeitung der Vergangenheit bringt heute Mörder dazu preiszugeben, wo sie damals ihre Opfer vergraben haben. 



Mehr bei DRadio Wissen:

Die Farc und die Pressefreiheit
In Kolumbien leben Journalisten mitunter gefährlich.
(Medien vom 15.05.2012)

Verzweifelte Suche nach toten Verwandten
Wie in Kolumbien nach verschwundenen Angehörigen gesucht wird.
(Globus vom 10.01.2011)

 

Weitere Informationen:

Die Stimmen der Verschwundenen
Das Verschwindenlassen von Menschen ist ein wirksames Instrument des Terrors.
(tagesspiegel.de vom 06.09.2011)

Spurensuche im Knochenlabor
Bildergalerie zum Knochenlabor in Barranquilla.
(on3.de vom 14.08.2012)

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