Freitag, 24. Mai 2013

Hörsaal /

Languages of Emotion V Mitgefühl bei Menschenaffen  

Die Biologin Katja Liebal über die emotionale Kommunikation nichtmenschlicher Primaten

Schimpansen gehören zu den bekanntesten Menschenaffen. (Chrissie Salz | DRadio Wissen)

Lange Zeit glaubte der Mensch, nur seine Spezies habe Gefühle und ein Bewusstsein. Mittlerweile jedoch haben zahlreiche Studien gezeigt, dass vor allem unsere nächsten Verwandten, die nichtmenschlichen Primaten, eine Vorstellung vom Selbst haben und zu Emotionen fähig sind.

Organisationen wie etwa das Great Ape Project fordern seit Jahrzehnten, Grundrechte auch für Menschenaffen durchzusetzen, also Schimpansen, Orang-Utans und Co. etwa das Recht auf Leben und den Schutz der Freiheit zuzugestehen.

Was und wie fühlen Affen aber tatsächlich? Wie zeigen sie ihre Emotionen? Und wie lässt sich das herausfinden? Diese Fragen zu klären verspricht nicht nur Wissen über nichtmenschliche Primaten, sondern auch über menschliche. Denn wie sich unsere Emotionen entwickelt haben, ist noch immer nicht vollständig geklärt.

Interdisziplinäre Erforschung von Emotionen

Im Exzellenzcluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin erforschen rund 200 Wissenschaftler aus mehr als 20 Disziplinen gemeinsam die Zusammenhänge zwischen Sprache und Emotion. Die Biologin Katja Liebal ist im Cluster Juniorprofessorin für Evolutionäre Psychologie. In diesem Rahmen ist sie an verschiedenen Forschungsprojekten beteiligt, unter anderem zur Mimik von Gibbons, zur Fähigkeit von Menschenaffen zu Mitgefühl und zum Emotionsausdruck und Verständnis von Emotion im Kulturvergleich.

Im Rahmen der Ringvorlesung 2011/2012 „Sprache, Kultur und Gesellschaft" hielt sie am 31. Januar 2012 einen Vortrag über Ihre Forschung am Cluster mit dem Titel „Emotionale Kommunikation nichtmenschlicher Primaten".

Expertin für Menschenaffen

Nach ihrem Biologie-Diplom und ihrer Dissertation über die "Gestische Kommunikation von Menschenaffen" am Leipziger Max Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, Abteilung für Vergleichende und Entwicklungspsychologie, arbeite Katja Liebal zunächst von 2005 bis 2008 als Dozentin an der Universität Portsmouth, wo sie bis heute als Honorary Lecturer tätig ist. 2008 kehrte sie als Postdoc an das Max Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie zurück. Seit 2009 ist sie Juniorprofessorin für Evolutionäre Psychologie am Exzellenzcluster Languages of Emotion. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die vergleichende Erforschung der multimodalen Kommunikation, des Ausdrucks von Emotionen und der soziokognitiven Fähigkeiten von Primaten.

Diese Sendung ist die Wiederholung eines Vortrags vom 13.08.2012.



Weitere Vorträge in dieser Reihe:

Languages of Emotion I
Die Lust am Ekelhaften
Literaturwissenschaftler Winfried Menninghaus über die Frage, warum uns Kunstwerke berühren.

Languages of Emotion II
Angst und Ärger: Dimensionen sozialer Ungerechtigkeit
Vortrag von Christian von Scheve

Languages of Emotion III
Der Sinn für Angemessenheit - normative Orientierung
Vortrag von Hilge Landweer

Languages of Emotion IV
Die Emotionalisierung der Religion
Vorträge von Regine Herbrik und Hubert Knoblauch

Languages of Emotion VI
Die Macht der Musik
Vortrag von Stefan Koelsch

Languages of Emotion VII
Coolness
Vortrag von Ulla Haselstein

Languages of Emotion VIII
Die Kraft der Definition
Vortrag von Dominik Perler

Languages of Emotion IX
Weinen mit Tosca 
Clemens Risi spricht über die emotionale Wirkung von Opernaufführungen

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