Languages of Emotion V Mitgefühl bei Menschenaffen
Die Biologin Katja Liebal über die emotionale Kommunikation nichtmenschlicher Primaten
Lange Zeit glaubte der Mensch, nur seine Spezies habe Gefühle und ein Bewusstsein. Mittlerweile jedoch haben zahlreiche Studien gezeigt, dass vor allem unsere nächsten Verwandten, die nichtmenschlichen Primaten, eine Vorstellung vom Selbst haben und zu Emotionen fähig sind.
Organisationen wie etwa das Great Ape Project fordern seit Jahrzehnten, Grundrechte auch für Menschenaffen durchzusetzen, also Schimpansen, Orang-Utans und Co. etwa das Recht auf Leben und den Schutz der Freiheit zuzugestehen.
Was und wie fühlen Affen aber tatsächlich? Wie zeigen sie ihre Emotionen? Und wie lässt sich das herausfinden? Diese Fragen zu klären verspricht nicht nur Wissen über nichtmenschliche Primaten, sondern auch über menschliche. Denn wie sich unsere Emotionen entwickelt haben, ist noch immer nicht vollständig geklärt.
Interdisziplinäre Erforschung von Emotionen
Im Exzellenzcluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin erforschen rund 200 Wissenschaftler aus mehr als 20 Disziplinen gemeinsam die Zusammenhänge zwischen Sprache und Emotion. Die Biologin Katja Liebal ist im Cluster Juniorprofessorin für Evolutionäre Psychologie. In diesem Rahmen ist sie an verschiedenen Forschungsprojekten beteiligt, unter anderem zur Mimik von Gibbons, zur Fähigkeit von Menschenaffen zu Mitgefühl und zum Emotionsausdruck und Verständnis von Emotion im Kulturvergleich.
Im Rahmen der Ringvorlesung 2011/2012 „Sprache, Kultur und Gesellschaft" hielt sie am 31. Januar 2012 einen Vortrag über Ihre Forschung am Cluster mit dem Titel „Emotionale Kommunikation nichtmenschlicher Primaten".
Expertin für Menschenaffen
Nach ihrem Biologie-Diplom und ihrer Dissertation über die "Gestische Kommunikation von Menschenaffen" am Leipziger Max Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, Abteilung für Vergleichende und Entwicklungspsychologie, arbeite Katja Liebal zunächst von 2005 bis 2008 als Dozentin an der Universität Portsmouth, wo sie bis heute als Honorary Lecturer tätig ist. 2008 kehrte sie als Postdoc an das Max Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie zurück. Seit 2009 ist sie Juniorprofessorin für Evolutionäre Psychologie am Exzellenzcluster Languages of Emotion. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die vergleichende Erforschung der multimodalen Kommunikation, des Ausdrucks von Emotionen und der soziokognitiven Fähigkeiten von Primaten.
Diese Sendung ist die Wiederholung eines Vortrags vom 13.08.2012.