Samstag, 18. Mai 2013

Hörsaal /

Languages of Emotion VI Die Macht der Musik  

Der Musikpsychologe Stefan Koelsch über den Zusammenhang von Musik, Emotionen und Hirnaktivitäten

Musik hat Macht über unsere Gefühle. (Chrissie Salz | DRadio Wissen)

Musik kannn uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubern oder uns zu Tränen rühren. Herauszufinden, was im Menschen in solchen Momenten vorgeht, gibt auch Aufschluss darüber, wie unser Denken und Fühlen generell funktionieren.

Wenn wir Musik hören, dann aktiviert das eine ganze Reihe komplexer Vorgänge in unserem Gehirn. Musik kann nicht nur unsere Emotionen beeinflussen, sondern zum Beispiel auch unsere Körperfunktionen und unsere Handlungen. Um herauszufinden, wie und wo Musik im Gehirn diese Wirkung entfaltet, untersuchen Emotionsforscher diese Phänomene mit unterschiedlichsten Ansätzen - teilweise mit schwerem Gerät wie Magnetresonanz- oder Positronen-Emissions-Tomographie.

Musik, Emotion und Gehirn

Die Erforschung von Musikwirkung ist nicht nur interessant, um zu verstehen,wo und wie das Gehirn Musik verabeitet, so der Musikpsychologe Stefan Koelsch. Musik, so ist zu vermuten, spielte auch bei der Entwicklung der menschlichen Sprache eine Rolle. Außerdem habe Musik noch andere wichtige evolutionäre Funktionen.

In seinem Vortrag "Musik, Emotion und Gehirn" erklärt Koelsch, was die Forchung bereits über die emotionale Wirkung von Musik herausgefunden hat und wie das Verhältnis von Emotion und Musik überhaupt erforscht wird. Aufgezeichnet wurde sein Vortrag am 29. November 2011 in Berlin im Rahmen der Ringvorlesung "Sprache, Kultur und Gesellschaft" des  Exzellencluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin.

Psychologe und Violinist

Stefan Koelsch legte 1994 die Künstlerische Reifeprüfung für Violine ab, erhielt 1998 sein Diplom in Psychologie und nur zwei Jahre später sein Soziologie-Diplom. Im selben Jahr promovierte er am Leipziger Max Planck-Institut für Kognitions und Neuro-Wissenschaften über Gehirn und Musik. Nach einem  Postdoc-Aufenthalt in Harvard kehrte er nach Leipzig zurück, wo er sich 2004 an der  Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Universität Leipzig mit einer Arbeit über räumliche und zeitliche Aspekte der Verarbeitung musikalischer Syntax und Semantik habilitierte. Nach einem Forschungsaufenthalt in Sussex ging er nach Berlin, wo er seither als Professor für Biologische Psychologie und Musikpsychologie am Exzellencluster Languages of Emotion und am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin arbeitet. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem die Neurokognition der Musikrezeption und Musiktherapie.

Diese Sendung ist eine Wiederholung vom 14.08.2012.



Weitere Vorträge in dieser Reihe:

Languages of Emotion I
Die Lust am Ekelhaften
Literaturwissenschaftler Winfried Menninghaus über die Frage, warum uns Kunstwerke berühren.

Languages of Emotion II
Angst und Ärger: Dimensionen sozialer Ungerechtigkeit
Vortrag von Christian von Scheve

Languages of Emotion III
Der Sinn für Angemessenheit - normative Orientierung
Vortrag von Hilge Landweer

Languages of Emotion IV
Die Emotionalisierung der Religion
Vorträge von Regine Herbrik und Hubert Knoblauch

Languages of Emotion V
Mitgefühl bei Menschenaffen
Vortrag von Katja Liebal

Languages of Emotion VII
Coolness
Vortrag von Ulla Haselstein

Languages of Emotion VIII
Die Kraft der Definition
Vortrag von Dominik Perler

Languages of Emotion IX
Weinen mit Tosca 
Clemens Risi spricht über die emotionale Wirkung von Opernaufführungen


Mehr bei DRadio Wissen:

Hirnforschung: Wie Poesie das Hirn beeinflusst
"Die Art, wie wir Worte im Kopf speichern, hat mehr mit ihrem Klang als mit ihrer Bedeutung zu tun."
(Kultur vom 16.05.2011)

Neurowissenschaft: Hirn will Rhythmus
Wer ein Gefühl für eine Fremdsprache bekommen will, muss den Kopf an den Rhythmus der Sprache gewöhnen.
(Natur vom 21.02.2011)

 

Mehr zum Thema:

Projekt Zukunft: Interview mit Stefan Koelsch

(youtube | Deutsche Welle TV, 18.01.2010)

Stefan Koelsch und Erich Schröger
Neurowissenschaftliche Grundlagen der Musikverarbeitung (pdf)

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Kommentare 1 - 1 von 1

  • 1. Musik und Emotionen

    Zur Frage, warum Musik im Menschen Emotionen auslösen kann, möchte ich auf die Strebetendenz-Theorie verweisen, die diese Frager inzwischen beantworten kann. Da eine ausführliche Erklärung aber den Rahmen eines Kommentars übersteigen würde, veweise ich auf den Artikel: "Warum klingt Moll traurig? Die Strebetendenz-Theorie erklärt das Gefühl in der Musik" Er wurde letzte Woche als füntfteilige Folge im Onlinemagazin "Musik heute" veröffentlicht und kann unter folgendem Link kostenlos heruntergeladen werden: http://www.musik-heute.de/tags/strebetendenz-theorie/ Bernd Willimek

    Willimek 25.04.2013 12:43 Uhr

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