Languages of Emotion VI Die Macht der Musik
Der Musikpsychologe Stefan Koelsch über den Zusammenhang von Musik, Emotionen und Hirnaktivitäten
Musik kannn uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubern oder uns zu Tränen rühren. Herauszufinden, was im Menschen in solchen Momenten vorgeht, gibt auch Aufschluss darüber, wie unser Denken und Fühlen generell funktionieren.
Wenn wir Musik hören, dann aktiviert das eine ganze Reihe komplexer Vorgänge in unserem Gehirn. Musik kann nicht nur unsere Emotionen beeinflussen, sondern zum Beispiel auch unsere Körperfunktionen und unsere Handlungen. Um herauszufinden, wie und wo Musik im Gehirn diese Wirkung entfaltet, untersuchen Emotionsforscher diese Phänomene mit unterschiedlichsten Ansätzen - teilweise mit schwerem Gerät wie Magnetresonanz- oder Positronen-Emissions-Tomographie.
Musik, Emotion und Gehirn
Die Erforschung von Musikwirkung ist nicht nur interessant, um zu verstehen,wo und wie das Gehirn Musik verabeitet, so der Musikpsychologe Stefan Koelsch. Musik, so ist zu vermuten, spielte auch bei der Entwicklung der menschlichen Sprache eine Rolle. Außerdem habe Musik noch andere wichtige evolutionäre Funktionen.
In seinem Vortrag "Musik, Emotion und Gehirn" erklärt Koelsch, was die Forchung bereits über die emotionale Wirkung von Musik herausgefunden hat und wie das Verhältnis von Emotion und Musik überhaupt erforscht wird. Aufgezeichnet wurde sein Vortrag am 29. November 2011 in Berlin im Rahmen der Ringvorlesung "Sprache, Kultur und Gesellschaft" des Exzellencluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin.
Psychologe und Violinist
Stefan Koelsch legte 1994 die Künstlerische Reifeprüfung für Violine ab, erhielt 1998 sein Diplom in Psychologie und nur zwei Jahre später sein Soziologie-Diplom. Im selben Jahr promovierte er am Leipziger Max Planck-Institut für Kognitions und Neuro-Wissenschaften über Gehirn und Musik. Nach einem Postdoc-Aufenthalt in Harvard kehrte er nach Leipzig zurück, wo er sich 2004 an der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Universität Leipzig mit einer Arbeit über räumliche und zeitliche Aspekte der Verarbeitung musikalischer Syntax und Semantik habilitierte. Nach einem Forschungsaufenthalt in Sussex ging er nach Berlin, wo er seither als Professor für Biologische Psychologie und Musikpsychologie am Exzellencluster Languages of Emotion und am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin arbeitet. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem die Neurokognition der Musikrezeption und Musiktherapie.
Diese Sendung ist eine Wiederholung vom 14.08.2012.