Mittwoch, 19. Juni 2013

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Libyen Tage der Entscheidung in Tripolis  

Beiträge und Gespräche zur aktuellen Lage in Libyen

Libysche Rebellen richten ihre Gewehre auf den Kopf einer vergoldeten Statue von Muammar al-Gaddafi.
Libysche Rebellen in der eroberten Residenz von Muammar al-Gaddafi. (AP)

Bereits am Montag (22.08.) hieß es, die Ära Gaddafi sei vorüber, libysche Rebellen hätten die Hauptstadt Tripolis eingenommen. In der Nacht zum Mittwoch (24.08.) sind die Kämpfe in Tripolis weitergegangen. Am Dienstagabend (23.08.) gelang es den Rebellen die Residenz und Kommandozentrale des libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi zu stürmen. Der sogenannte Bab al-Aziziya Komplex befindet sich in der Hand der Aufständischen.

Von Gaddafi selber fehlt bislang jede Spur. Die einen behaupten er sei noch in Tripolis, andere wähnen ihn auf der Flucht. In einer Radioansprache am frühen Mittwochmorgen (24.08.) erklärte er, sein Rückzug aus dem Bab-al-Aziziya-Komplex sei strategisch bedingt. Er ließ verlauten, dass seine Truppen weiterkämpfen wollten. Gaddafis Regierungssprecher erklärte in einem Telefoninterview mit dem Sender Al-Rai: "Wir werden zurückkommen, um Tripolis zurückzuerobern."

Übergangsregierung will von Benghasi nach Tripolis ziehen

Libysche Rebellen halten die libysche Fahne in die Luft und stehen auf einer Statue, die Gaddafi in seiner Residenz errichten ließ. Libysche Rebellen freuen sich über die Eroberung der Gaddafi-Residenz Bab al-Aziziya. (AP) Ein Mann hält ein Gewehr und seine beiden Arme im Gegenlicht in die Luft. Ein libyscher Rebelle an einem Checkpoint im umkämpften Tripolis. (AP) Ein Mann trägt ein riesiges Bild, das Gaddafi hochkant zeigt, quer aus einem Hotel. Der Diktator winkt und scheint auf dem Rücken zu liegen. Das Ende des Gaddafi-Regimes scheint eingeläutet: Sein Konterfei wird aus einem Hotel entfernt. (AP)

 

Von Rebellenseite hieß es, sie kontrollierten mittlerweile große Teile von Tripolis, darunter auch das Stadtviertel Abu Salim und den Flughafen. Ein Sprecher der Rebellen erklärte, die libysche Übergangsregierung werde ihren Sitz in den kommenden Tagen von Bengasi nach Tripolis verlegen. In der Nacht zum Mittwoch feierten nicht nur die Menschen in Libyen sondern auch Exillibyer das mögliche Ende der Gaddafi-Diktatur.

 

Gaddafi ließ Aufstände in seinem Land brutal niederschlagen

Im Februar 2011 waren in Libyen - genau wie in anderen arabischen Staaten - Menschen auf die Straßen gegangen und hatten ihre Unzufriedenheit über das herrschende Regime zum Ausdruck gebracht. Truppen der Regierung gingen brutal gegen die Demonstranten vor. Gaddafi ließ schließlich sogar Kampfflugzeuge gegen das eigene Volk einsetzen.

Nato-Einsatz ebnete den Weg für die Rebellen nach Tripolis

Der UNO-Sicherheitsrat beschloss daraufhin in einer Dringlichkeitssitzung im März, eine Flugverbotszone über Libyen einzurichten und sich für den Schutz der Zivilbevölkerung einzusetzen. Seitdem haben Nato-Truppen Luftangriffe auf Ziele in Libyen geflogen.

 

Die Gesellschaftsstruktur des Landes
Gespräch mit der Historikerin Nora Lafi vom Zentrum Moderner Orient in Berlin

Lage von LibyenLage von Libyen/TUBS/CC BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons/Qwl/CC BY-SA 3.0)Über die Gesellschaftsstruktur des nordafrikanischen Landes sprach DRadio Wissen im Februar mit der  Historikerin Nora Lafi. Sie beschreibt Libyen, oder zumindest Tripolis, das sie im Dezember 2010 verlassen hat, als kosmopolitisch, multikulturell und reich.

Die Ursachen für die Unruhen sieht sie nicht in materieller Not, sondern in einem Ungleichgewicht der Mächte im Land, in dem die Stämme nach wie vor eine wichtige Rolle spielen.

 

 Gaddafi und der Ölmarkt
Ein Gespräch mit dem Auslandskorrespondenten des Handelsblatts Mathias Brüggmann

Zwei Händler der New Yorker Wall Street am 22. August 2011Die New Yorker Wall Street am 22. August 2011 (AP)Laut Weltbank lag Libyen im internationalen Vergleich vor zwei Jahren beim Bruttoinlandsprodukt  im oberen Mittelfeld. Außerdem verfügt das Land über die neuntgrößten Ölreserven der Welt.

DRadio Wissen spricht mit Mathias Brüggmann. Er sagt die wirtschaftliche Entwicklung hänge stark von der politischen Weichenstellung ab. Neben dem Öl seien die Exil-Libyer die wichtigste Ressource des Landes. Wenn sie zurückkehren, könne das Land mithilfe von Fachkräften wiederaufgebaut werden.

 

Keine Social Media-Revolution, sondern eine Old-Media-Revolution
Ein Gespräch mit Carola Richter, Kommunikationswissenschaftlerin an der FU Berlin

Muammar Gaddafi während einer Fernsehansprache am 22.02.2011Muammar Gaddafi während einer Fernsehansprache am 22.02.2011 (Screenshot YouTube)Das Fernsehen schlägt Facebook und Twitter: Dass die Umstürze im arabischen Raum nicht gleichzusetzen sind, zeigt sich auch am Gebrauch der Medien in den jeweiligen Ländern. Staatsfernsehen auf der einen, Al-Jazeera auf der anderen Seite – so stellen sich die Mediensysteme von Syrien und Libyen dar.

Trotzdem ist die Situation kaum vergleichbar: Aus Syrien berichten nur wenige ausländische Journalisten; Bilder stammen meist aus verwackelten Filmchen von Youtube. In Libyen berichtete der britische Sender Sky News direkt aus den Reihen der Aufständischen während ihres Einmarschs nach Tripolis, auch deutsche Sender haben Reporter in schusssicheren Westen vor Ort.

 

Die Rolle der Stämme in Libyen
Ein Gespräch mit  Thomas Hüsken, Ethnologe der Universität Bayreuth

Ethnische Karte Libyens Ethnische Karte Libyens (Wikimedia Commons/Libya_ethnic.svg)

Während sich die Rebellen in Tripolis noch Gefechte mit Anhängern Gaddafis liefern, wird der Sturz des Regimes gefeiert. Der nationale Übergangsrat bereitet sich auf die Machtübernahme vor. Um einen Bürgerkrieg zu verhindern, müssen sich die Stämme untereinander über das weitere Vorgehen einigen.

In Libyen gibt es rund 140 Stämme, die Gaddafi versuchte - mehr oder weniger erfolgreich -  aus der Politik herauszuhalten. Thomas Hüsken von der Universität Bayreuth erklärt, wer diese Stämme sind, wie sie leben und welchen Einfluss sie auf die weitere Entwicklung in dem Land haben.

 

 

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Mehr bei DRadio Wissen:

Nordafrika - Keine Facebook-Revolution
Zur Rolle des Netzes bei den Umwälzungen in Libyen.
(Agenda vom 23.08.2011)

Libyen - Ende der Ära Gaddafi
Die libyschen Rebellen haben die Einnahme der Hauptstadt Tripolis gemeldet.
(Agenda vom 22.08.2011)

Libyen - Tripolis fällt - keine Spur von Gaddafi
Machthaber Gaddafi lässt sich noch verteidigen - der Premier ist schon weg.
(Agenda vom 22.08.2011)

Die Stimme der Rebellen
Libysche Oppositionelle haben einen Fernsehsender gegründet - in Katar.
(Medien vom 09.05.2011)

Kriegsführung - Von Freund und Feind
Gespräch mit dem Friedens- und Konfliktforscher Professor Ulrich Schneckener
(Agenda vom 11.04.2011)

Libyen - Profile der Aufständischen
Bei der chaotischen Lage in Libyen ist nicht einfach zu durchschauen, wer sich den Aufständischen angeschlossen hat.
(Agenda 08.04.2011)

Nordafrika - Unterwegs mit Rebellen in Libyen
Abseits der Wüstenkämpfe planen Freiheitskämpfer in Libyen ein neues System.
(Agenda vom 08.04.2011)

Libyen - Zwischen den Fronten
Gaddafi bietet Rebellen Gespräche an, im Gegenzug will der Diktator aber an der Macht bleiben.
(Agenda vom 06.04.2011)

Mehr zum Thema:

Live über die Ereignisse in Tripolis berichten die BBC-News in einem Newsticker.

Auch Sky News bietet sich stetig aktualisierende Informationen zum Geschehen.

Al Jazeera bietet ebenfalls einen Live-Blog zu dem Geschehen in Tripolis an.

Eine interaktive Karte des britischen Guardian zeigt das Twitter-Netzwerk der Proteste in der arabischen Welt.

Eine interaktive Karte des Guardian zeichnet die Geschichte des Libyen-Konflikts nach.

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