Donnerstag, 23. Mai 2013

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Libyen und Ägypten Youtube-Film sorgt für Gewalt  

Michael Gessat über den Film "Innocence of Muslims"

Männer stehen auf einer Mauer und zerreißen eine US-Flagge.
Vor der US-Botschaft in Kairo kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen wegen des Films "Innocence of Muslims". (dpa | picture alliance | Khaled Elfiqi)

Ein Film über den Propheten Mohammed ist Auslöser für gewalttätige Auseinandersetzungen in Libyen und Ägypten. In Bengasi ist der amerikanische Botschafter bei einem Anschlag auf das US-Konsulat getötet worden. Ob das Attentat mit den Film zusammenhängt ist derzeit noch unklar. Möglicherweise könnte es auch eine gezielte Aktion des Terrornetzwerks Al Kaida gewesen sein.

Zu dem Film "Innocence of Muslims" ist ein 14-minütiger Trailer auf Youtube zu sehen. Der Film wurde von einem Mann gedreht, der sich Sam Bacile nennt, er ist eigenen Informationen zufolge ein jüdischer Israeli, der in den USA lebt. Die Produktionskosten für den Film in Höhe von angeblich fünf Millionen Dollar sollen von rund 100 jüdischen Spendern eingesammelt worden sein. All diese Angaben sind allerdings sehr zweifelhaft und können nicht bestätigt werden. Über den aktuellen Stand der Ermittlungen berichtet Spiegel Online.

Die Schauspieler des Films hat man mittlerweile teilweise aufgestöbert – sie seien über die Absicht des Films getäuscht worden, sagen da viele. Man hat mittlerweile die Casting-Ausschreibung auf der Online-Plattform Craigslist aufgetrieben – da hieß das Projekt noch "Wüstenkrieger“. Der Filmemacher ist mittlerweile abgetaucht, wie die Washington Times berichtet.

Amateurfilm  erlangt zweifelhafte Bekanntheit

Der gesamte Film hat eine Länge von zwei Stunden, in die Kinos hat er es bislang nicht geschafft. Dafür sorgt der Trailer für umso mehr Aufsehen. Er ist provozierend und wirkt amateurhaft. Filme dieser Art dürften viele bei Youtube kursieren. Dass ausgerechnet "Innocence of Muslims" so bekannt geworden ist, geht auf das Konto Dritter. Dazu gehören der US-amerikanische Pastor Tom Jones, der durch Aktionen wie angekündigte Koranverbrennungen schon häufiger für kalkulierten Aufruhr gesorgt hat. Zum anderen hat ein im US-Exil lebender koptischer Christ aus Ägypten namens Morris Sadek den Streifen beworben und möglicherweise auch für die arabischsprachige Fassung des Werkes gesorgt - über die dann ausführlich im ägyptischen Fernsehen berichtet wurde.

"Pawlowsche Reaktion"

Die Hintergründe schildert Karim El-Gawhari bei TAZ Online. Er schreibt, dass Sadek nicht für die koptischen Christen in Ägypten spricht, sondern extremistische Positionen vertritt. Laut El-Gawhari sind es vor allem Salafisten, die dann in einer Art "pawlowschen Reaktion" zu Protesten vor den US-Botschaften aufgerufen haben.

Kein Vergleich zu den dänischen Karikaturen

Der Journalist Jörg Lau zeigt sich entsetzt über die Ausmaße, die die Proteste gegen den Film mittlerweile angenommen hat. Er schreibt in einem Kommentar auf Zeit Online: Der Film "ist einfach nur primitiver, dilettantischer Dreck. Deshalb verbieten sich m. E. Vergleiche mit den dänischen Karikaturen, für die das eben nicht gilt. Mindestens einige der Karikaturen waren kluge, witzige, auch selbstironische Versuche der Thematisierung eines Grundwiderspruchs moderner Gesellschaften: Redefreiheit vs. Empfindlichkeit von religiösen Minderheiten."

Auswirkungen auf die Präsidentschaftswahlen in den USA

In den USA machen konservative Blogger und Kommentarseiten Präsident Obama für ein Statement der US-amerikanischen Botschaft in Kairo verantwortlich - darin hatten die Botschaftsmitglieder sich angeblich für die beleidigenden Inhalte in dem Film entschuldigt, statt gegen die Gewalt des Mobs zu protestieren. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney griff Obama ebenfalls massiv an. Das könnte sich allerdings als peinliches und selbstbeschädigendes Manöver herausstellen - die Huffington Post dokumentiert die Abläufe.

 

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