Linguistik Die Mikro-Analyse einer antiken Sprache
Ein Gespräch mit der Jenaer Indogermanistin Sabine Ziegler über die Entschlüsselung von Sprachen
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- Diese griechischen Tonscherben (Ostraka) tragen den Namen des Themistokles - der nach einem sogenannten Scherbengericht in die Verbannung geschickt wurde. (ssalonso | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)
Sabine Ziegler entwickelte bei der Arbeit mit antiken "Notizzetteln" eine spektakuläre Methode, die man als DNA-Analyse bezeichnen kann und die zur Entschlüsselung alter Sprachen dient. Es ist ihr gelungen, eine südpunische Ostraka zu entziffern. Eine Ostraka ist eine antike Tonscherbe, die nicht weggeworfen, sondern als "Notizzettel" verwendet wurde.
Ein Team von Münchner Forschern hatte die Ostraka 2012 in einer Ausgrabungsstätte nahe der Halbwüste Hammadah al-Hamra gefunden. Sabine Ziegler hatte daraufhin versucht, die Tonscherbe mit einer mathematischen Methode zu entschlüsseln, da es sich um eine Sprache mit Buchstaben handelte.
Sprache ausrechnen
Eine Häufigkeitszählung der Umlaute und Füllwörter ergab, dass es sich um das Südpunische, eine lateinische Sprachvariante, handelte. Die neue Methode erinnert ein wenig an die Arbeit eines Kriminalisten. Sie trägt den Namen "mikro-linguistische" Methode und ist auch auf andere Sprachen anwendbar.