Mittwoch, 22. Mai 2013

Kultur /

Linguistik Die Mikro-Analyse einer antiken Sprache  

Ein Gespräch mit der Jenaer Indogermanistin Sabine Ziegler über die Entschlüsselung von Sprachen

Diese griechischen Tonscherben (Ostraka) tragen den Namen des Themistokles - der nach einem sogenannten Scherbengericht in die Verbannung geschickt wurde.
Diese griechischen Tonscherben (Ostraka) tragen den Namen des Themistokles - der nach einem sogenannten Scherbengericht in die Verbannung geschickt wurde. (ssalonso | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)

Sabine Ziegler entwickelte bei der Arbeit mit antiken "Notizzetteln" eine spektakuläre Methode, die man als DNA-Analyse bezeichnen kann und die zur Entschlüsselung alter Sprachen dient. Es ist ihr gelungen, südpunische Ostraka zu entziffern. Ein Ostrakon ist eine antike Tonscherbe, die nicht weggeworfen, sondern als "Notizzettel" verwendet wurde.

Ein Team von Münchner Forschern hatte die Ostraka 2012 in einer Ausgrabungsstätte nahe der Halbwüste Hammadah al-Hamra gefunden. Sabine Ziegler hatte daraufhin versucht, die Tonscherbe mit einer mathematischen Methode zu entschlüsseln, da es sich um eine Sprache mit Buchstaben handelte.

Sprache ausrechnen

Eine Häufigkeitszählung der Umlaute und Füllwörter ergab, dass es sich um das Südpunische, eine Variante der punischen Sprache, die der Feldherr Hannibal sprach, handelte. Die neue Methode erinnert ein wenig an die Arbeit eines Kriminalisten. Sie trägt den Namen "mikro-linguistische" Methode und ist auch auf andere Sprachen anwendbar.



Mehr bei DRadio Wissen:

Mein Studium: Linguistik
Kerstin Ruskowski und Katharina Mild stellen die Sprachwissenschaft vor
(Mein Studium vom 04.11.2012)

Linguistik - Evolution der Sprache
Die erste Mondlandung, die "Mona Lisa", Shakespeares "Romeo und Julia" oder Beethovens "Neunte Sinfonie" – all diese Werke hätte es nie gegeben, hätte der Mensch vor Millionen von Jahren nicht zur Sprache gefunden
(Kultur vom 07.04.2011)

Sprachen im Abseits I: 
Die letzten ihrer Art
Birgit Alber stellt die Minderheitensprachen Zimbrisch und Felsentalerisch vor.
(Hörsaal)

Sprachen im Abseits II: 
Anmerkungen zur aktuellen Situation der Sorben.
Vortrag von Timo Meškank
(Hörsaal)

Sprachen im Abseits III:
Exotischste Sprache Europas
Martin Haase über das Baskische
(Hörsaal)

Mehr zum Thema:

Indogermanistin entwickelt bei Arbeit mit antiken "Notizzetteln" spektakuläre Methode
(uni-jena.de vom 16.10.2012)

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Kommentare 2 - 1 von 2

  • 2. nota bene

    Im sehr hörenswerten Gespräch ist alles in Ordnung (jedenfalls wenn Frau Ziegler spricht).

    ThomasSchmid 15.11.2012 20:43 Uhr

  • 1. Etwas viele Unkorrektheiten...

    Singular: das Ostrakon, Plural: die Ostraka. Das Südpunische ist keine Variante des Lateinischen, sondern des Punischen (= Sprache der Karthager). Und auch das Bild ist nicht besonders glücklich gewählt, weil diese speziellen Ostraka nicht gerade repräsentativ sind: http://www.agathe.gr/democracy/factional_politics.html

    ThomasSchmid 15.11.2012 20:27 Uhr

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