Mädchenhandel Der Gelbe Schein
Christina Selzer über das in Deutschland weitgehend unbekannte Phänomen des Mädchenhandels zwischen 1860 und 1930
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- Paula Waismann, 19 Jahre alt, 1925 in Danzig auf dem Weg nach Mexiko festgenommen. (© UNOG Library, League of Nations Archive)
In der Ausstellung "Der gelbe Schein - Mädchenhandel 1860 - 1939" im deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven und im Berliner Centrum Judaicum werden Lebenswege nachgezeichnet.
Der internationale Mädchenhandel war schon vor 1900 eine Begleiterscheinung der großen Auswanderungswellen von Ost- nach Westeuropa und in die neue Welt. Industrielle Revolution und gesellschaftliche Umwälzungen vertrieben viele Menschen vom europäischen Kontinent - unter ihnen viele deutsche Frauen, häufig stammten sie ursprünglich aus den polnischen "stedl".
Gelber Schein, offiziell "Medizinisches Billet", für Julia Mendik, St. Petersburg 1875. (© Staatliches Historisches Archiv, St. Petersburg)
Innenseiten eines Gelben Scheins, 1894. Dokument gefunden in einem Archiv in St. Petersburg. (© State Historical Archive Saint Petersburg)
Doch anstatt beispielsweise eine Anstellung als Dienstmädchen in der Neuen Welt zu finden, landeten viele junge Mädchen in der Prostitution. Der Bedarf an sexuellen Dienstleistungen war in den großen Einwandererzentren der Neuen Welt enorm.
Prostitution als einzige Überlebenschance
Die Ausstellung greift ein weitgehend unbekanntes Kapitel der europäischen Massenauswanderung und auch der jüdischen Sozialgeschichte auf. Viele Frauen befanden sich in jenen Jahren in einer Zwangslage. Auch in Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich hatten junge Mädchen aus den ärmeren Bevölkerungsschichten oft keine andere Überlebenschance, als ihren Körper zu verkaufen.
Anna Kohn, geboren in Warschau, 1925 in Triest (© UNOG Library, League of Nations Archive)Eine Auswanderung in die Neue Welt wurde für sie fast immer zur riskanten Gratwanderung: Sie suchten Arbeit in Privathaushalten, Gaststätten oder Tanzpalästen und landeten im Bordell. Mit Gewalt verschleppt, mit märchenhaften Versprechen verführt oder aus freien Stücken? Die Diskussion darüber wurde schon damals vehement geführt. DRadio Wissen-Reporterin Christina Selzer stellt eine der jungen Frauen und ihr damaliges Schicksal in den Mittelpunkt ihres Beitrags.