Samstag, 25. Mai 2013

Kultur /

Mädchenhandel Der Gelbe Schein  

Christina Selzer über das in Deutschland weitgehend unbekannte Phänomen des Mädchenhandels zwischen 1860 und 1930

Eine junge Frau blickt in die Kamera, das Foto ist vergilbt.
Paula Waismann, 19 Jahre alt, 1925 in Danzig auf dem Weg nach Mexiko festgenommen. (© UNOG Library, League of Nations Archive)

In der Ausstellung "Der gelbe Schein - Mädchenhandel 1860 - 1939" im deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven und im Berliner Centrum Judaicum werden Lebenswege nachgezeichnet.

Der internationale Mädchenhandel war schon vor 1900 eine Begleiterscheinung der großen Auswanderungswellen von Ost- nach Westeuropa und in die neue Welt. Industrielle Revolution und gesellschaftliche Umwälzungen vertrieben viele Menschen vom europäischen Kontinent - unter ihnen viele deutsche Frauen, häufig stammten sie ursprünglich aus den polnischen "stedl".

Ein gelbes Dokument aus dem Jahr 1875 Gelber Schein, offiziell "Medizinisches Billet", für Julia Mendik, St. Petersburg 1875. (© Staatliches Historisches Archiv, St. Petersburg) Ein vergilbtes Dokument mit bunten Stempeln Innenseiten eines Gelben Scheins, 1894. Dokument gefunden in einem Archiv in St. Petersburg. (© State Historical Archive Saint Petersburg)

 

Doch anstatt beispielsweise eine Anstellung als Dienstmädchen in der Neuen Welt zu finden, landeten viele junge Mädchen in der Prostitution. Der Bedarf an sexuellen Dienstleistungen war in den großen Einwandererzentren der Neuen Welt enorm.

Prostitution als einzige Überlebenschance

Die Ausstellung greift ein weitgehend unbekanntes Kapitel der europäischen Massenauswanderung und auch der jüdischen Sozialgeschichte auf. Viele Frauen befanden sich in jenen Jahren in einer Zwangslage. Auch in Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich hatten junge Mädchen aus den ärmeren Bevölkerungsschichten oft keine andere Überlebenschance, als ihren Körper zu verkaufen.

Eine junge Frau ist von vorne und von der Seite fotografiert, das Foto ist stark vergilbt.Anna Kohn, geboren in Warschau, 1925 in Triest (© UNOG Library, League of Nations Archive)Eine Auswanderung in die Neue Welt wurde für sie fast immer zur riskanten Gratwanderung: Sie suchten Arbeit in Privathaushalten, Gaststätten oder Tanzpalästen und landeten im Bordell. Mit Gewalt verschleppt, mit märchenhaften Versprechen verführt oder aus freien Stücken? Die Diskussion darüber wurde schon damals vehement geführt. DRadio Wissen-Reporterin Christina Selzer stellt eine der jungen Frauen und ihr damaliges Schicksal in den Mittelpunkt ihres Beitrags.



Mehr zum Thema bei DRadio Wissen:

Frauenhandel - Horrortrip nach Asien
Immer mehr junge Frauen aus Afrika werden nach Asien verschleppt. Dort werden sie zur Prostitution oder zum Drogenhandel gezwungen.
(Globus vom 09.03.2012)

Prostitution - Weniger ist nackt
Über die Arbeitsbedingungen von Prostituierten am Rande der Legalität
(Tagesthema am 01.06.2012)

Studentenjob Prostitution
Studierende, die ihr Studium durch Sex-Arbeit finanzieren, haben in den vergangenen Jahren von sich Reden gemacht.
(Meine Zukunft vom 05.07.2011)

Rumänien: Sexhandel - am Gesetz vorbei
Das Geschäft mit der Ware Mensch blüht in Rumänien.
(Globus vom 10.03.2011)

Weitere Informationen:

Der Gelbe Schein - Mädchenhandel 1860 bis 1930
(Informationen der Kulturstiftung des Bundes)

"Der Gelbe Schein": Wenn Hoffnungen im Bordell enden
(rbb Kultur vom 17.08.2012)

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Kommentare 2 - 1 von 2

  • 2. Ergänzung

    Es gibt nicht nur eine Ausstellung in Bremerhaven zu diesem Thema, sondern derzeit auch in Berlin! Bis Ende 2012 im Centrum Judaicum (Stiftung Neue Synagoge Berlin, Oranienburger Str.). : http://www.cjudaicum.de/de/content/der-gelbe-schein-mädchenhandel-1860-bis-1930 Prostitution ist dort (leider) auch vor der Haustür zu haben... andere Kontext, sorry.

    Stubi 29.08.2012 21:21 Uhr

  • 1. "Diese Frauen sind nicht naiv"

    Nur zur Vervollständigung und um der Betrachtung eine breitere Basis zu verleihen, hier der Hinweis auf ein Dossier der NZZ über die Motivation ausländischer Frauen, zum Zwecke der Prostitution in die Schweiz einzureisen: www.nzz.ch/aktuell/startseite/diese_frauen_sind_nicht_naiv-1.3196618

    ChrisZ 29.08.2012 19:58 Uhr

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