Medizin Die Unentschlossenheit der Zellen
Der Medizin-Nobelpreisträger Sir Martin J. Evans räumt mit einem Dogma der Forschung zur Zelldifferenzierung auf.
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- Die Unentschlossenheit der Moleküle. (Chrissie Salz)
Beim 61. Nobelpreisträgertreffen in Lindau sprach der Medizin-Nobelpreisträger Sir Martin John Evans über das überkommene Dogma der Stabilität von Zelldifferenzierung.
"Expect the unexpected" - so schließt der britische Genetiker Martin Evans seinen Vortrag über Zelldifferenzierung. Er fordert sein Publikum damit auf, wach zu sein und die Augen offen zu halten für Unerwartetes. Er hat sein Forscherdasein offenbar an diesem Motto ausgerichtet. Zumindest hat er erfolgreich Ideen verfolgt, für die er noch in den 80er-Jahren Skepsis erntete und die heute als wegweisend für die Stammzellenforschung gelten.
Medizin-Nobelpreis für Stammzellen-Forschung
Martin Evans hat im Jahr 2007 den Nobelpreis für Medizin bekommen. (Cardiff University/ CC BY 3.0)Martin John Evans wurde am 1. Januar 1941 in England geboren. Er trägt einen Doktortitel sowohl in Philosophie als auch in Naturwissenschaften. Der Medizin-Nobelpreis wurde ihm - zusammen mit Mario Capecchi und Oliver Smithies - im Jahr 2007 verliehen: "Für bahnbrechende Entdeckungen im Bereich embryonaler Stammzellen und der DNA-Rekombination bei Säugetieren.“
Gen-Manipulation bei Mäusen
Die Kombination der Forschungsansätze der drei Preisträger ermöglichte die Entwicklung so genannter "Knockout-Mäuse". Bei diesen Tieren werden die Erbanlagen mit Hilfe embryonaler Stammzellen gezielt verändert. Indem bestimmte Gene ausgeschaltet werden, kann deren Funktion ermittelt werden. Ein vereinfachtes Beispiel: Wenn bei einer Maus etwa ein bestimmtes Gen manipuliert wurde und sie verkürzte Beine hat, so lässt sich daraus schließen, dass das entsprechende Gen für den Beinwuchs zuständig ist.
(Logo: Meeting of Nobel Laureates Lindau)
Vortrag vom Nobelpreisträger-Treffen in Lindau
Martin Evans Vortrag "The Lability of the Differentiated State", den er im Rahmen des 61. Nobelpreisträger-Treffens in Lindau am 29. Juni 2011 gehalten hat, dreht sich allerdings nicht um Knock-Out-Mäuse, sondern um Zelldifferenzierung, also die Spezialisierung von Zellen für verschiedene Aufgaben. Er geht dabei auf jüngere Forschungsleistungen ein, die zeigen, dass das Dogma, dass Zellen nicht von einem differenzierten Zustand zu einem anderen wechseln können, überdacht werden muss.
Der Vortrag ist eine Wiederholung vom 13.10.2011.