Mein Studium Abenteuer Lehrgrabung
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- Archäologe bei der Arbeit. (Jens-Olaf | flickr | CC BY-NC 2.0)
Nichts für Zimperliche: Bei Lehrgrabungen auf dem Gelände der Villa Otrang bei Fließem trotzen Trierer Archäologie-Studenten tagsüber Regen und Wind, nachts schlafen sie auf Isomatten und Feldbetten. Schon seit über 150 Jahren graben Archäologen nach den Überresten der riesigen Wohnanlage. Römische Siedler haben sie vor fast 2000 Jahren gebaut.
Lukasz Burak zeigt ziemlich stolz auf eine schmuddelige Kiste mit einem Haufen kaputter, rötlicher Ziegeln. Tegula hießen die bei den Römern. Lukasz ist vor fünf Jahren aus Polen nach Trier gezogen, um hier Archäologie zu studieren. Die Archäologie-Studenten der Uni Trier sind während der Woche in einem Fußball-Vereinsheim untergebracht, nur ein paar hundert Meter von ihrer Grabungsstätte entfernt. Sie schlafen Archäologen-gemäß auf Isomatten. Da wurde anfangs schon viel gejammert, erzählt eine Studentin. Welches Körperteil am meisten schmerzt? "Hauptsächlich der Rücken, aber vom Graben her tun einem sowieso die Knochen schon weh. Da ist Schlafen nur das kleinere Übel."
Graben, Abdecken, Konservieren: Archäologen-Alltag. (Jens-Olaf | flickr | CC BY-NC 2.0)
Bevor es wieder weitergeht, zieht Schnittleiterin Helma eine weiße Sprühflasche aus der Tasche: "Das ist gegen Mücken. Hier auf dem Gelände der Villa Otrang gibt es ganz fiese Biester, die unglaublich juckende und schmerzende Beulen verursachen. Ich bin allein in den letzten zwei Wochen 72 mal gestochen worden. Diese Woche habe ich noch nicht gezählt."
Wer hat hier gelebt und wie?
Hauptziel der Studenten ist es, herauszufinden, wie der Gebäudeteil genutzt worden ist, den sie gerade Stück für Stück freilegen: Wer hier gelebt hat und wie er gelebt hat. Der quadratische Grabungsbereich ist mit Flatterband markiert. Annekarin und Judith hocken darin und halten ein Metermaß zwischen sich gespannt. Dazu hat jede ein Lot in der Hand. Das ist das Werkzeug für die sogenannte Dreiecksmessung, mit der die Größe und Lage der Steine ermittelt wird. Die Koordinaten notiert Schnittleiterin Helma. Den gibt sie später der Zeichnerin, die dann anhand dieser Daten auf Milimeterpapier eine genaue Zeichnung des Schnitts anfertigt. Helma sagt, dass sie wahrscheinlich gerade das Haus des Gutsverwalters ausgraben. Vermutlich hat sich sich hier sogar der Haupteingang zum Gelände der Villa befunden.
Die Arbeit klingt nach einer Zeitreise. "Ja, sehr wohl. Wir hatten unsere Füße schon auf Boden, auf dem seit Römerzeit keiner mehr gelaufen ist", verkündet eine Studentin überzeugt.
Antike Ruinen in Hatra, 320 Kilometer nördlich von Bagdad (AP Archiv)
Mehr bei DRadio Wissen:
Informationen zum Studiengang Archäologie
Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen Homepage
Das Deutsche Archäologische Institut Homepage
Uni Trier, Seminar für Klassische Archäologie Homepage
Alle Informationen zum Studiengang Archäologie gibt es noch einmal kompakt in der Sendung Mein Studium am Samstag (25. September) um 9:30 Uhr.