Dienstag, 21. Mai 2013

Meine Zukunft /

Mein Studium Seines Glückes Schmied  

"Gelbes Auto" Brosche, gefertigt von Nicole Beck aus Textil, Kupfer und Emaille. (Nicole Beck)

Wie geht’s für die Goldschmiedekünstler weiter, wenn sie aus der Akademie kommen? Wie realistisch ist es, mit den eigenen kreativen Ideen erfolgreich zu werden?

Im Vergleich zur Malerei und zur Bildhauerei ist die Schmuckszene recht überschaubar. Es gibt wenige Galerien und Museen, die sich mit zeitgenössischem Autorenschmuck beschäftigen, die ihn sammeln und permanent ausstellen. Dafür ist die Gemeinschaft von Schmuckherstellern, Sammlern und Galeristen international sehr gut verknüpft. Wer guten Schmuck sammeln will, muss viel reisen. Und wer sich als Goldschmied einen Namen machen möchte, der muss schauen, dass er möglichst viel ausstellt und eine gute Galerie findet, die ihn vertritt. Doch wie vielen gelingt das? Otto Künzli, Professor für Schmuck und Gerät an der Kunstakademie München:

"Die Statistik bei uns sieht sehr gut aus im Vergleich zu den meisten anderen Bereichen. Es bleiben überdurchschnittlich viele beim Schmuck, in diesem Beruf. Ob die das hauptberuflich tun, ob sie davon leben können, dass ist eine andere Frage. Da sind es nicht so viele, die ausschließlich von diesem Beruf leben können. Das ist bei Malern, Bildhauern auch nicht anders. Auch die können nicht alle davon leben. Was tun die dann? Die tun artverwandte Dinge, sie unterrichten, geben Kurse, leben mitunter gar nicht so schlecht, in dem sie Workshops geben, da bewegen sich viele schon international. Einige haben auch schon geschafft, woanders eine Professur zu kriegen, also das ist eine Möglichkeit."

Nebenjobs nach dem Diplom

Eine Professur zu bekommen, schaffen natürlich nur wenige. Viele Schmuckstudenten sind nach dem Diplom auf Nebenjobs angewiesen, um sich den Lebensunterhalt zu sichern. Das kennen viele schon von der Studienzeit. Nicole Beck studiert seit zweieinhalb Jahren Schmuck an der Kunstakademie München. Ein bis zwei Tage die Woche arbeitet sie in einem Kinderspielzeugladen. Die restliche Zeit verbringt sie in der Werkstatt der Akademie:

"Was die Zukunft angeht, glaube ich, dass sich nicht unglaublich viel verändern wird. Ich werde eine Werkstatt haben, natürlich mit jemand zusammen. Alleine in der Werkstatt zu sitzen, könnte ich mir jetzt nicht vorstellen, weil es doch gut tut, jemand um sich zu haben, der auch gewisse Prozesse hat, die man von sich selber kennt. Das beflügelt ja auch... Es wird so sein, das ich irgendwo meinen Werkstattplatz habe, weiter versuche Ausstellungen zu machen, an Wettbewerben teilzunehmen, in Galerien unterzukommen, nur das man dann das Gefüge der Akademie nicht mehr hat, sprich, das wöchentliche Klassentreffen, Besprechungen, gemeinsame Projekte, die man als Klasse verwirklicht und natürlich nicht das Feed-Back, dass man jetzt noch einfordern kann, wenn man es haben möchte. Aber es wird immer so sein, wie es jetzt ist. Man hat nebenbei einen Job mit dem man Geld verdient und das, was man eigentlich macht, das läuft nicht nebenbei, das ist es nicht. Aber es muss Hand in Hand gehen, weil man muss Geld verdienen, weil man Geld braucht zum Leben und das andere ist, dass man die Zeit, die übrig bleibt - möglichst viel Zeit - die man sich freischaufelt, um in der Werkstatt zu sein. Ich sehe jetzt da nicht unbedingt eine Zukunft mit einem geregelten Einkommen oder so, das wäre sehr blauäugig."

Perspektive: Ein eigenes Geschäft

Mit einem geregelten Einkommen können angehende Goldschmiede häufig nur rechnen, wenn sie für einen anderen, etablierten Goldschmied in der Werkstatt arbeiten. Dort setzen sie hauptsächlich Entwürfe um: Je nach Auftrag fertigen sie Ringe, Ohrringe, Broschen oder Ketten an. Der Stundenlohn schwankt in der Regel zwischen 10 und 15 Euro – das hängt von der Region, vom Arbeitgeber und auch vom eigenen Ausbildungsgrad ab. Manche Arbeitgeber bezahlen nicht nach Stunde sondern nach angefertigtem Stück. Selber einen Laden zu eröffnen ist – wenn man sich das leisten kann – eine weitere Alternative nach dem Studium, erklärt Otto Künzli:

"Die meisten die hier studiert haben, wollen das nicht. Die wollen ihr Atelier haben. Die wollen das über Galerien weltweit anbieten und hoffentlich verkaufen. Es gibt aber diese anderen, die haben einen Laden, die arbeiten auch für die Nachbarschaft. Warum denn nicht? Was soll daran falsch sein? Und diese Leute beschäftigen manchmal auch ganz gerne Leute, die hier studiert haben. Weil sie sensibel sind, weil sie teilweise auch Ideen mit einbringen, und irgendwo menschlich woanders gelandet sind. Leider sind die Löhne da auch nicht besonders fett, aber es gibt ein paar Beispiele, ... denen es durchaus Spaß zu machen scheint."

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