Dienstag, 21. Mai 2013

Agenda /

Meinungsfreiheit Twitterer droht Todesstrafe  

Webschau mit Michael Gessat

Ein Kissen mit dem Twitter-Logo.
Harmlose Kurznachrichten? Die Nutzung von Twitter kann in einigen Ländern gefährlich werden. (Flickr CC/ Coletivo Mambembe)

Malaysia liefert Mohammed-Zweifler an Saudi-Arabien aus.

Der britische Autor Salman Rushdie lebt seit 1989 an ständig wechselnden Orten und steht unter Polizeischutz – eine vom damaligen iranischen Staatschef Ajatollah Chomeinie ausgesprochene Fatwa verurteilte ihn zum Tode. Das Vergehen: Rushdie soll in seinem Buch "Die satanischen Verse" angeblich den Islam und den Propheten Mohammed beleidigt haben.

Proteste bleiben ohne Erfolg

Um den Religionsgründer des Islam ging es auch in drei Mitteilungen im Kurznachrichtendienst Twitter – jetzt droht deren Verfasser, einem Journalisten aus Saudi-Arabien, im schlimmsten Fall ebenfalls die Todesstrafe.

Am Sonntag (12.02.2011)  hat Malaysia den 23jährigen Hamza Kashgari in sein Heimatland ausgeliefert – trotz aller Proteste von Menschenrechtsorganisationen.

Die  Nachrichtenseite „The daily beast“ hatte am Freitag ausführlich über den Fall berichtet: Am 4. Februar, kurz vor einem islamischen Feiertag zu Ehren des Geburtstags des Propheten Mohammed, hatte Kashgari kurz nacheinander drei Tweets abgesetzt – in der Übersetzung der Nachrichtenagenturen (sto/AFP/dpa/Reuters) mit folgendem Inhalt:

Empörende Tweets

"An Deinem Geburtstag werde ich sagen, dass ich den Rebellen in Dir geliebt habe, dass Du mir immer eine Quelle der Inspiration warst und dass ich Deinen göttlichen Heiligenschein nicht mag. Ich werde nicht für Dich beten."
"An Deinem Geburtstag sehe ich Dich, wo auch immer ich hinschaue. Ich habe bestimmte Aspekte von Dir geliebt, andere gehasst und viele nicht verstanden."
"An Deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor Dir verbeugen und nicht Deine Hand küssen. Stattdessen werde ich sie schütteln, wie Gleichgestellte es tun. Und ich werde Dich anlächeln, wie Du mich anlächelst. Ich werde zu Dir wie zu einem Freund sprechen und nicht anders."

Forderung der Todesstrafe

Unmittelbar darauf brach ein Sturm der Empörung aus, von dessen Heftigkeit Kashgari offenbar völlig überrascht wurde – auf Twitter selbst, auf Facebook, wo sich mittlerweile über 14000 User einer Gruppe mit dem Titel „Das saudische Volk verlangt die Hinrichtung von Hamza Kashgari“ angeschlossen haben. Mit der gleichen Forderung wandte sich der einflußreiche Geistliche Nasser al-Omar an das saudische Königshaus – in der bei Youtube verfügbaren Videoaufnahme der Predigt wird al-Omar immer wieder von kurzem Weinkrämpfen geschüttelt, so schwer treffen ihn offenbar die angeblich blasphemischen Tweets.

Angesichts der ihm drohenden Gefahr verliess Kashgari Saudi-Arabien und floh zunächst nach Malaysia. Am Donnerstag wurde er dort am Flughafen verhaftet, als er nach Neuseeland weiterreisen wollte – die Festnahme erfolgte auf Betreiben der saudi-arabischen Regierung. Interpol bestreitet laut einem aktualisierten Bericht in The Guardian, in die Angelegenheit verwickelt gewesen zu sein.

Appelle an saudische Regierung

Die Appelle von Human Rights Watch an die malaysische Regierung, Hamza Kashgari nicht an sein Heimatland auszuliefern, waren dagegen vergebens – Innenminister Hishamuddin Hussein sagte laut Nachrichtenagentur AP, Malaysia sei kein sicherer Hafen für Terroristen und für Personen, nach denen in ihrem Heimatland gefahndet werde. Welches Schicksal Kashgari nun in Saudi-Arabien erwartet, ist offen – ebenso die Frage, ob das internationale Interesse an dem Fall ihm nutzen oder schaden wird.

Zum Kommentieren bitte registrieren oder anmelden.

Zu diesem Beitrag gibt es noch keine Kommentare

Wenn Sie Verstöße gegen unsere Kommentar-Regeln feststellen, informieren Sie bitte die Forenadministration per E-Mail.

Beitrag hören

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Agenda

Ein Jugendlicher steht vor der Anzeigetafel am Flughafen

AuszeitMach's einfach!

Ob als Au-Pair oder als Backpacker - eine Zeit im Ausland prägt.

Mehr …

Yahoo-Chefin Marissa Meyer und Tumblr-Chef David Karp.

ÜbernahmeCoolness für 1,1 Milliarden Dollar

Yahoo kauft Tumblr - und die User fürchten sich.

Mehr …

Viele Männer mit Waschbrettbäuchen in Kapuzenjacken von Abercrombie & Fitch

Abercrombie & FitchHauptsache exklusiv

Das Markenimage von Abercrombie & Fitch baut auf Exklusivität - das hat zu einem Shitstorm geführt.

Mehr …

Vier Reclam-Hefte auf grünem Untergrund - darüber steht in schwarzen Großbuchstaben: FUKC.

PflichtlektüreDa krieg' ich Pickel!

Dass Klassiker zur Pflichtlektüre gehören, ist gut. Aber manchmal passen sie nicht zum Lebensgefühl als Schüler.

Mehr …

Von der Seite fotografierter nackter Oberkörper einer Frau; Aufnahme ist unscharf

MedizinBrust raus

Angelina Jolie gilt als Vorbild - für eine schwere und folgenreiche Entscheidung.

Mehr …

Aufnahme einer Zelle unter dem Rasterelektronenmikroskop

StammzellenKlonen - der große Wurf?

Stammzell-Forscher haben erstmals menschliche Stammzellen geklont.

Mehr …