Meinungsfreiheit Twitterer droht Todesstrafe
Webschau mit Michael Gessat
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- Harmlose Kurznachrichten? Die Nutzung von Twitter kann in einigen Ländern gefährlich werden. (Flickr CC/ Coletivo Mambembe)
Malaysia liefert Mohammed-Zweifler an Saudi-Arabien aus.
Der britische Autor Salman Rushdie lebt seit 1989 an ständig wechselnden Orten und steht unter Polizeischutz – eine vom damaligen iranischen Staatschef Ajatollah Chomeinie ausgesprochene Fatwa verurteilte ihn zum Tode. Das Vergehen: Rushdie soll in seinem Buch "Die satanischen Verse" angeblich den Islam und den Propheten Mohammed beleidigt haben.
Proteste bleiben ohne Erfolg
Um den Religionsgründer des Islam ging es auch in drei Mitteilungen im Kurznachrichtendienst Twitter – jetzt droht deren Verfasser, einem Journalisten aus Saudi-Arabien, im schlimmsten Fall ebenfalls die Todesstrafe.
Am Sonntag (12.02.2011) hat Malaysia den 23jährigen Hamza Kashgari in sein Heimatland ausgeliefert – trotz aller Proteste von Menschenrechtsorganisationen.
Die Nachrichtenseite „The daily beast“ hatte am Freitag ausführlich über den Fall berichtet: Am 4. Februar, kurz vor einem islamischen Feiertag zu Ehren des Geburtstags des Propheten Mohammed, hatte Kashgari kurz nacheinander drei Tweets abgesetzt – in der Übersetzung der Nachrichtenagenturen (sto/AFP/dpa/Reuters) mit folgendem Inhalt:
Empörende Tweets
"An Deinem Geburtstag werde ich sagen, dass ich den Rebellen in Dir geliebt habe, dass Du mir immer eine Quelle der Inspiration warst und dass ich Deinen göttlichen Heiligenschein nicht mag. Ich werde nicht für Dich beten."
"An Deinem Geburtstag sehe ich Dich, wo auch immer ich hinschaue. Ich habe bestimmte Aspekte von Dir geliebt, andere gehasst und viele nicht verstanden."
"An Deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor Dir verbeugen und nicht Deine Hand küssen. Stattdessen werde ich sie schütteln, wie Gleichgestellte es tun. Und ich werde Dich anlächeln, wie Du mich anlächelst. Ich werde zu Dir wie zu einem Freund sprechen und nicht anders."
Forderung der Todesstrafe
Unmittelbar darauf brach ein Sturm der Empörung aus, von dessen Heftigkeit Kashgari offenbar völlig überrascht wurde – auf Twitter selbst, auf Facebook, wo sich mittlerweile über 14000 User einer Gruppe mit dem Titel „Das saudische Volk verlangt die Hinrichtung von Hamza Kashgari“ angeschlossen haben. Mit der gleichen Forderung wandte sich der einflußreiche Geistliche Nasser al-Omar an das saudische Königshaus – in der bei Youtube verfügbaren Videoaufnahme der Predigt wird al-Omar immer wieder von kurzem Weinkrämpfen geschüttelt, so schwer treffen ihn offenbar die angeblich blasphemischen Tweets.
Angesichts der ihm drohenden Gefahr verliess Kashgari Saudi-Arabien und floh zunächst nach Malaysia. Am Donnerstag wurde er dort am Flughafen verhaftet, als er nach Neuseeland weiterreisen wollte – die Festnahme erfolgte auf Betreiben der saudi-arabischen Regierung. Interpol bestreitet laut einem aktualisierten Bericht in The Guardian, in die Angelegenheit verwickelt gewesen zu sein.
Appelle an saudische Regierung
Die Appelle von Human Rights Watch an die malaysische Regierung, Hamza Kashgari nicht an sein Heimatland auszuliefern, waren dagegen vergebens – Innenminister Hishamuddin Hussein sagte laut Nachrichtenagentur AP, Malaysia sei kein sicherer Hafen für Terroristen und für Personen, nach denen in ihrem Heimatland gefahndet werde. Welches Schicksal Kashgari nun in Saudi-Arabien erwartet, ist offen – ebenso die Frage, ob das internationale Interesse an dem Fall ihm nutzen oder schaden wird.