Mittwoch, 22. Mai 2013

Hörsaal /

Menschenrechte Folter im 21. Jahrhundert  

Vortrag von Manfred Nowak

US-Soldat vor dem Abu Ghraib-Gefängnis in Bagdad
Aus dem Gefängnis Abu Ghraib gingen im Jahr 2004 Folterfotos um die Welt. (AP)

Der Jurist Manfred Nowak war in den Jahren 2004 bis 2010 Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Folter. Nowak besuchte in aller Welt offizielle Haftanstalten wie auch Geheimgefängnisse, Verhörstuben und Folterkammern.

Der österreichische Jurist Manfred Nowak bereiste als "UN-Sonderberichterstatter über Folter" Länder wie Georgien, Jordanien, Kasachstan, Nepal oder auch Nigeria. Dabei dokumentierte Nowak für die Vereinten Nationen Fälle staatlicher Folter und Menschenrechtsverletzungen rund um den Globus.

Im Jahr 2005 war er der erste, der in dieser Funktion zumindest formal unbeobachtet mit gefolterten Häftlingen in China sprechen durfte. Der ungehinderte Zugang zum US-Gefangenenlager Guantanamo wurde ihm von der US-Regierung im selben Jahr verwehrt.

Folter prägt auch das 21. Jahrhundert

Der 60-jährige Nowak blickt auf eine bemerkenswerte berufliche Laufbahn zurück. Er studierte Jura an der Universität Wien, wo er heute eine Professur für Internationalen Menschenrechtsschutz inne hat. Ende der 80er-Jahre war er Leiter des Niederländischen Menschenrechtsinstituts an der Universität Utrecht, 1992 begründete er das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte an der Universität Wien mit.

Anfang der 90er-Jahre dokumentierten er und sein Team die Menschenrechtsverbrechen im zerfallenden Jugoslawien; noch Jahre später wurde diese Studie beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag im Prozess gegen den Serbenführer Slobodan Milosevic genutzt. Nach dem Jahr 2000 nahm Nowak Professuren in Lund und Venedig an.

Die Buchstaben ZIF in weiß auf grünem Hintergrund.Logo (ZIF)Nowak beschränkte sich nicht allein auf den akademischen Bereich. Parallel zur universitären Laufbahn ist der Jurist seit 1993 Mitglied der "UNO-Arbeitsgruppe über erzwungenes oder unfreiwilliges Verschwindenlassen" von Menschen und arbeitete als Richter und Vize-Präsident an der Menschenrechtskammer für die Föderation Bosnien und Herzegowina in Sarajevo.

Am 18. Mai 2011 gab Manfred Nowak am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld Auskunft über seine sechs Jahre währende Tätigkeit als Sonderberichterstatter; er berichtete von seinen Reisen in offizielle Haftanstalten, in Geheimgefängnisse, Verhörstuben und Folterkammern in aller Welt.



Mehr auf DRadio Wissen:

Menschenrecht und Willkür
50 Jahre Amnesty International
(Tagesthema vom 27.05.2011)

Verschwindenlassen von Menschenrechten geächtet
Über die "Konvention gegen das Verschwindenlassen von Personen"
(Agenda vom 23.12.2010)

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