Samstag, 25. Mai 2013

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Menschenrechte Free Pussy Riot  

Thomas Reintjes berichtet in der Webschau über die Reaktionen auf den Prozess gegen die Punkband Pussy Riot

Bei einer Pro-Pussy-Riot Demonstration hat ein Teilnehmer seine Finger mit Kappen überzogen.
Bei einer Pro-Pussy-Riot Demonstration hat ein Teilnehmer seine Finger mit Kappen überzogen. (picture alliance / dpa | Korotayev Artyom)

Zwei Jahre Haft wegen ungebührlichen Verhaltens auf dem Altar der Erlöserkathedrale, so lautet das Urteil im Prozess gegen die Punkband Pussy Riot. Demonstranten und Beobachter werten das Urteil als Angriff auf die Meinungsfreiheit.

Wie der Prozess ablief, ist kein Geheimnis. Es wurde viel getwittert, gebloggt und Bilder gepostet. Die Verlesung der Urteilsbegründung dauerte mehrere Stunden. Teilweise muss sie recht absurd gewesen sein. So twitterte ein Beobachter, als es um die Psyche der Frauen ging: "Das psychologische Gutachten sagt, Tolokonnikova habe "eine teilweise Persönlichkeitsstörung,” weil sie "Entscheidungen aufgrund persönlicher Erfahrungen fällt.""

Berichterstattung aus dem Gerichtssaal

Die Bilder zeigen meist, wie die drei Frauen hinter einer Glasscheibe im Gericht sitzen, teilweise lachend. Das Wall Street Journal führte sogar ein Liveblog, das während der Urteilsverkündung dutzende Male aktualisiert wurde.

Aus dem Gericht twitterte auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck. Unter anderem schrieb sie: "Das ist doch nicht zu fassen. Hier wird schon seit zweieinhalb Stunden ein Urteil zu einer Ordnungswidrigkeit verlesen."

Weltweite Proteste

Nach der Urteilsverkündung fand sich ein neues Video im Netz, denn die Band hat noch mehr anonyme Mitglieder als die drei Angeklagten. Außerdem zog das Urteil weltweite Aktionen nach sich, so zum Beispiel in Berlin, wo Street-Art-Künstler von Mentalgassi einen Altglascontainer mit Augen und einem Mund versehen und ihn mit einer Strumpfmaske überzogen haben. Eine Dokumentation der weltweiten Proteste, vor allem von Freitag, gibt es auf der Seite freepussyriot.org.

Einflussreichste Punkband

Das Magazin Foreign Policy nennt Pussy Riot schon jetzt die bisher politisch einflussreichste Punkband. "Vielleicht haben sie dem Punk Rock eine Zukunft als weltweite Kraft für Gerechtigkeit und Freiheit gegeben." Spreeblick äußert sich ähnlich und veröffentlichte eine Liste von Musikern, die mit ihren Songs und Texten ihre Freiheit oder ihr Leben riskiert haben.

Inhaltsleer und kommerziell

Ganz anders sieht das Bernahrd Lassahn vom Blog "Die Achse des Guten": "Wir haben übrigens das Jahr 2012. Punk war schon 1977 daneben." Und: "Der Gestus ist verlogen, er tut, als würde er gegen die Kommerzialisierung angehen - und er ist doch selber nichts anderes." Damit rückt der Autor sich selbst in die Nähe der russischen Zeitung Prawda. Gabriele Zöttl, Twittername @uebersetzer, schreibt: "Nicht mal die Pravda findet einen Grund, das #PussyRiot-Urteil zu rechtfertigen. Also versucht sie die Mädels zu diskreditieren, indem sie die #PussyRiot-Aktion als berechnende kommerzielle Aktion hinstellt."

Verschwörungstheorien

Das Blog Antibuerokratieteam.net schießt zurück und meint, das Blog "Die Achse des Guten" sollte sich umbenennen in "Die Achse des Putin": "Ihr [verteidigt] den Tschekisten Vladimir gegen die Zumutung einer unbequemen Jugendkultur."

Andere kritische Blogger verstiegen sich am Wochenende in Verschwörungstheorien. Das Ganze sei eine vom Westen gesteuerte Propagandakampagne. Ein Blog schrieb "Was würde passieren, wenn drei leichtbekleidete und maskierte Frauen in Europa oder Amerika in ein Gotteshaus stürmen würden, dort mit lautem Geschrei die Regierung beschimpfen und die Gläubigen bei der Andacht mit Fluchwörtern überschütten würden? Wären dann die Medien auch voll mit, es gehe um freie Meinungsäußerung?"

Telepolis erwähnt eine andere etwas verirrte Reaktion: "Aktivistinnen der sich nicht durch sonderlich intelligente Aktionen auszeichnenden ukrainischen Frauengruppe "FEMEN" haben aus Protest gegen die Verurteilung ein Kreuz gefällt". Das Kreuz hat nichts mit der russisch-orthodoxen Kirche zu tun, die die Frauen eigentlich kritisieren wollten. Andreas Stein schreibt auf Telepolis: "[Es wurde] 2004 während der "Orangen Revolution" von griechisch-katholischen Ukrainern aus dem Westen des Landes in Gedenken an die Opfer der stalinistischen Repressionen errichtet." Den Frauen von FEMEN drohten jetzt bis zu vier Jahre Gefängnis wegen Gruppen-Rowdytums.

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