Microsoft Die Krise als Chance
Webschau mit Andreas Noll
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- Screenshot des Startbildschirms des neuen Betriebssystems Windows 8. (picture alliance / dpa | Microsoft)
Microsoft war mal Synonym für den alles beherrschenden Riesen im Computerzeitalter. Doch seit dem rasanten Aufschwung von Google, Facebook und Apple fragen sich immer mehr Experten: Was wird aus Microsoft?
Microsoft, der weltgrößte Hersteller von Software, bedroht laut EU-Kommission weiterhin den freien Wettbewerb. Brüssel drohte dem Unternehmen mit einer Strafe von 7,3 Milliarden US-Dollar. Hintergrund: Ein zwischenzeitlicher "technischer Fehler" (Microsoft) im Betriebssystem Windows 7. Mehrere Monate lang fehlte das in den europäischen Versionen von der EU vorgeschriebene Browserauswahlmenü. Microsoft, so sieht es die EU, habe sein Betriebssystem wettbewerbsrechtlich unzulässig eng an den Browser (IE) gekoppelt, mit dem weltweit installierten Windows wollte man automatisch den Internet Explorer auf dem Markt durchdrücken.
Erfahrung mit Kartellprozessen
Lange Zeit hatte Microsoft eine marktbeherrschende Stellung inne, das Unternehmen hat also eine gewisse Erfahrung mit Kartellprozessen. Überraschend an der Drohung der EU ist, dass Microsoft schon länger nicht mehr das Gewinner-Image anhaftet. Zuletzt ist das Unternehmen aber ins Hintertreffen geraten. Google und Apple machen dem PC-Dinosaurier immer stärker Konkurrenz. Wie stark dieser Druck ist, lässt sich kurz vor der Produkteinführung von Windows 8, Windows Phone 8 und Tablet Surface zum Beispiel daran erkennen, dass Entwicklungschef Craig Mundie offen über Managementfehler spricht.
Viel Kritik
Auch im Netz wird Microsoft kritisiert. Marc Benioff, Chef des Cloud-Unternehmens Salesfource, sieht Windows und Microsoft am Ende: "Windows ist unterdessen durch die Cloud und schnelle Mobilfunknetze wie LTE irrelevant. Auch wenn die Umstellung noch nicht komplett erfolgt ist." Benioff hat angeblich mit IT-Chefs von Unternehmen gesprochen, die Mitarbeitern die Nutzung der eigenen mobilen Geräte erlauben und auf Desktop-PCs verzichten wollen. Diese Nachricht wird viel diskutiert.
Tatsächlich ist der Umsatz mit Betriebssystemen von Microsoft im letzten Quartal um ein Drittel eingebrochen und der Gewinn um die Hälfte. Noch vor zwei Jahren undenkbare Zahlen für das von Bill Gates gegründete Unternehmen.
Leben Totgesagte wirklich länger?
Microsoft vertreibt vor allem Software für Desktop-Computer. Auf den mobilen Endgeräten laufen dagegen vor allem die Betriebssysteme von Apple und Google - diese Entwicklung hat das Unternehmen verschlafen. Allerdings: Es gab schon viele Abgesänge auf Microsoft. In der Kommentarspalte unter den Aussagen von Benioff schreibt ein User: "Hat der Typ sich mal in größeren Unternehmen umgeschaut? Windows ist irrelevant? Mobile Geräte werden zwar immer populärer und wichtiger, aber den guten alten Windows-PC wird man so schnell nicht ersetzen können. In vielen Aufgabengebieten gibt es aktuell kaum Alternativen." Auch sonst gibt es viele positive Stimmen, so wird das Tablet Surface in den großen US-Techblogs gelobt.
Große Veränderungen
Microsoft wird sich in den nächsten Jahren sehr verändern. Zum einen wird das Unternehmen mehr Hardware produzieren, zum anderen aber auch Windows noch weiter von seinen Ursprüngen abtrennen. Im vergangenen Jahr hatte man sogar überlegt, den Markennamen Windows aufzugeben. Microsoft-Entwicklungschef Craig Mundie beschreibt die Zukunft des Unternehmens auf Spiegel Online so: "Wir werden den Computer zum Beispiel direkt um Hilfe bitten können. Bislang war es so, dass man Computerprogramme erlernen musste, ähnlich wie die Handhabung eines Werkzeugs. Künftig sollte der Computer eher wie ein Assistent sein, zu dem man geht und sagt "hier ist ein Dokument, sieh' zu, dass es gut aussieht"; und nicht "mach' diesen Paragrafen so hoch und nimm' diese Schrift".