Militärindustrie Tauziehen um die Megafusion
Wirtschaftsredakteur Christian Bremkamp zu den Problemen des Deals
Der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und der britische Rüstungskonzern BAE wollten fusionieren. Dadurch wäre der weltweit größte Rüstungs-, Luft und Raumfahrtkonzern entstanden - mit 220.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 72 Milliarden Euro. Doch Deutschland, Frankreich und Großbritannien konnten sich nicht einigen, der Deal ist geplatzt.
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) hat auf neue Märkte gehofft, vor allem auf den US-amerikanischen. Erst im vergangenen Jahr hat der Konzern einen großen Auftrag der US-Streitkräfte für eine Flotte neuer Tankflugzeuge an den Konkurrenten Boeing verloren. Dagegen ist BAE Systems in Amerika erfolgreicher, steckt aber wegen der weltweiten Finanzkrise auch in Schwierigkeiten.
In vielen Ländern sind Rüstungsausgaben gestrichen worden. BAE bietet bisher ausschließlich Militärtechnik. EADS hat dagegen unter anderem mit Airbus eine starke zivile Sparte.
Zank um Staatsbeteiligung
Streit gab es vor allem um Standorte und Beteiligungsverhältnisse. Derzeit kontrollieren Frankreich und Deutschland jeweils 15 Prozent an EADS. Weitere 7,5 Prozent hält in Frankreich der als staatsnah geltende Konzern Lagardère. Frankreich wollte sich die Option offen halten, den Anteil von Lagardère zu kaufen. Deutschland hatte es auf ebensoviel Einfluss wie Frankreich abgesehen.
Den Briten hingegen wäre überhaupt keine Staatsbeteiligung am liebsten gewesen. Großbritannien hält an BAE nur eine goldene Aktie, mit der es Beteiligungen dritter Investoren von mehr als 15 Prozent verhindern kann. Auch die Manager von EADS und BAE halten zu viel Einfluss für ungünstig:. Der hohe staatliche Einfluss schrecke angeblich Kunden auf dem Rüstungsmarkt ab.
Auch eine Standort-Frage
Letztlich ging es auch um Standorte: Nach den Fusionsplänen sollte die Zentrale für Flugzeugbau in Toulouse, die für Militärtechnik in London sein. Die deutsche Seite fürchtete, dass der Standort bei München ins Hintertreffen geraten könnte.