Moral Schlimmer sind immer die anderen
Anna Kohn über Forschungsergebnisse zu Moral und Selbstwahrnehmung
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- Jeden Tag eine gute Tat - zum Beispiel den eigenen Heiligenschein zum Glänzen bringen. (teliko82 | flickr | cc by-nc 2.0)
Wissenschaftliche Versuche belegen, wir halten uns für integrer, sozialer, aufrichtiger und rechtschaffener als wir eigentlich sind. Wie man das herausfindet und wie wir unser positives Selbstbild aufrechterhalten, darüber berichtet Anna Kohn.
"Ich bin ein guter Mensch." Das möchten wir eigentlich alle gern von uns glauben – laut Psychologe Benoit Monin ist das sogar ein tief sitzendes menschliches Bedürfnis. Leider sind wir oft nicht ganz so gut, wie wir gern wären: Wir hatten ja wirklich vor, endlich an ein Hilfswerk zu spenden, vergessen aber den Antrag einfach immer, und wir hatten ja auch wirklich vor, den alten Nachbarn besuchen, hatten aber gerade so wenig Zeit.
Gute Absichten zählen
Aber auch, wenn es an der Umsetzung der Vorhaben hapert, erhalten wir uns unser positives Selbstbild. Denn bei uns selbst legen wir viel mehr Wert auf unsere Intentionen als auf unsere tatsächlichen Handlungen, fand der Psychologe Thomas Gilovich in einer Studie heraus. Wir sehen uns auch dann als guten Menschen, wenn wir eigentlich nur gute Absichten haben. Bei anderen dagegen kennen wir die Absichten nicht – und beurteilen ihre Handlungen streng nach Faktenlage.