Donnerstag, 23. Mai 2013

Globus /

Mosambik Heirat statt Schule  

Leonie March über eine alte Tradition, unter der viele junge Mädchen leiden

Ein schwarzes Mädchen steht an einer Tür.
Bildung für Mädchen wird bei vielen mosambikanischen Stämmen als Verschwendung angesehen. (picture alliance / dpa)

In Mosambik pflegen viele Stämme eine alte Tradition: Nach gewissen Initiationsriten, im Anschluss an die erste Periode, sind die Mädchen demnach reif für die Ehe.

Mit 18 Jahren ist Delfina bereits Ehefrau und Mutter. Ihre Familie wollte sie schon verheiraten, als sie 14 war, an einen älteren Mann. Als sie sich weigerte, wurde sie ausgestoßen. Sie schlug sich irgendwie durch. Mit 16 heiratete sie schließlich freiwillig, Hals über Kopf brach sie die Schule ab und wurde schwanger. Delfina lebt in einem Dorf in Mosambik.

Kinderehen verboten aber akzeptiert

Viele Mädchen teilen Delfinas Schicksal. Vor allem auf dem Land sind Kinderehen und Teenagerschwangerschaften eher die Regel als die Ausnahme. Fast die Hälfte der Mädchen heiratet, bevor sie volljährig ist, jedes fünfte Mädchen sogar vor seinem 15. Geburtstag. Das ist zwar per Gesetz verboten, aber gesellschaftlich akzeptiert.

Bildungsfern halten

In der Kultur der meisten mosambikanischen Volksstämme ist ein Mädchen unmittelbar nach den Initiationsriten bereit für die Ehe, das heißt, nach der ersten Monatsblutung. Schulbildung für Mädchen wird als Verschwendung angesehen. Sie werden im Haushalt und für die Feldarbeit gebraucht.

Schicksal vorprogrammiert

Die Konsequenzen für die Mädchen sind schwerwiegend: Ohne Schulbildung haben sie keine Chance, sich ein eigenes, selbst bestimmtes Leben aufzubauen. Dazu kommen die Risiken der frühen Schwangerschaften: Viele Mädchen sterben bei der Geburt oder verlieren ihr Baby.



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