Musikanalyse Das Lyrische Ich im Gangsta-Rap
Daniel Hauser versucht eine lyrische Analyse des deutschen Gangsta-Raps
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- Tupac war der Inbegriff des Gangsta-Rappers. (REDRUM (AYS) | flickr | cc by-nc 2.0)
"Lyrik ist Rap", sagt Jonathan Leon alias Dogge Doggelito, ehemaliger Rapper der Latin Kings. Recht hat er, stellt die Wissenschaft fest.
Das Lyrische Ich im Gangsta-Rap wirkt bedrohlich, zerrüttet und leicht aggressiv. Es lebt: "auf der Straße" (Kool Savas), "am Block" (Sido), "im Ghetto" (Eko Fresh/Bushido), in "der Hood" (N.W.A.) oder "im Kiez" (Nate57). Im Fokus steht seine Selbstbehauptung in der harten Welt und die Bewältigung seiner oft kriminellen Vergangenheit, wobei das meiste "pimpin", "killin" und "cruzing" nicht mehr als "posing" ist.
Wissenschaftliche Annäherung an Bushido und Co
Das Buch "Deutscher Gangsta-Rap" tritt mit sozial- und kulturwissenschaftlichen Beiträgen das Battle gegen das Musikgenre an und versucht es zu analysieren. Ist es schon so weit gekommen, dass man sich Savas, Sido und Bushido wissenschaftlich nähern muss, um ihre Männlichkeitskonstruktionen zu verstehen? Auf knapp 400 Seiten versuchen die Autoren, den Rap mit ihren theoretischen Werkzeug auseinander zu nehmen.
"Lyrik ist Rap"
"Gerade das Lyrische Ich ist eine sozial und kulturwissenschaftlich spannende Institution im G-Rap", erläutert Mitautor Marc Dietrich von der Ruhr-Universität Bochum. "Da wird vieles reingedeutet, was auf falsche Spuren führt." Das führt mitunter zu Konzertabsagen.
South Bronx und Berlin
Das Genre kam gegen Mitte der 90er-Jahre nach Deutschland. Queensbridge-Rap und französischer Gangsta-Rap gelten als Vorbilder. Eines der ersten großen Labels war Aggro Berlin. Das Image des Gangsta-Rappers und damit auch das Lyrische Ich der Texte wurden seitdem nach allen Regeln des Kapitalismus vermarktet. Nicht von der Hand zu weisen bleibt das hohe Identifikationspotential für Jugendliche jeglicher Herkunft.