Freitag, 24. Mai 2013

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Nahverkehr Eine Zukunft ohne Fahrschein  

In Tallinn und Hasselt fahren die Bürger kostenfrei mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein Modell mit Zukunft?

Das Bild zeigt einen Fahrkarten-Entwerter in Berlin.
Auch ohne Fahrschein legal im Nahverkehr unterwegs? Für manche Politiker ist das eine Möglichkeit. (dpa | picture alliance | Maurizio Gambarini )

Ohne den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geht gar nichts. Aber Busse und Bahnen sind nicht nur unersetzlich, sondern auch teuer. Oft genug zu teuer für Bund, Länder, Kommunen und Fahrgäste.

In der estnischen Hauptstadt Tallinn oder im belgischen Hasselt hat man daher andere Wege ausprobiert. Frei nach dem Motto, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein Grundrecht sei, stehen hier Busse und Bahnen den Menschen gratis zur Verfügung. Für deutsche Städte fordert die Piratenpartei ähnliche Konzepte - aber ruiniert ein kostenloser Nahverkehr nicht den Etat der Behörden und Verkehrsbetriebe?

DRadio Wissen geht der Frage nach, ob ein kostenfreier auch ein sorgenfreier Transport ist.

 

Schwarzfahren war gestern: Der ÖPNV der Zukunft
Ein Gespräch mit dem Mobilitätsforscher Stefan Rammler

Das Bild zeigt einen roten Metrozug in Helsinki vor dem Menschen warten.Metro in der finnischen Hauptstadt Helsinki. (hannu.oskala | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Ein Umdenken in der Finanzierung des ÖPNV ist aus demografischer Perspektive sinnvoll, denn der demografische Wandel wirkt sich negativ auf den Nahverkehr aus. Dieser wird nämlich zum großen Teil über Zuschüsse beim Schülertransport finanziert. Da die Zahl der Schüler sinkt, gibt es auch weniger Geld von Bund und Ländern.

Wie wird sich der ÖPNV in Deutschland verändern? Welche Rolle werden Alternativen zu Bus und Bahn spielen, beispielsweise - wie in Wuppertal - Schwebebahnen, die auf festen Trassen und daher unabhängig von Verkehrsbehinderungen funktionieren? Wir suchen mit dem Mobilitätsforscher Stefan Rammler nach Antworten.

 

Glückliche Bürger durch kostenlose Busse
Eine Reportage aus dem belgischen Hasselt von Claudia Zimmermann

Eine Metrostation in Mexiko-Stadt.Eine Metrostation in Mexiko-Stadt. (oscar juarez | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)In der belgischen Stadt Hasselt ist der öffentliche Nahverkehr seit bald 15 Jahren kostenfrei. In den 90er Jahren drohte die Stadt mit ihren 70.000 Einwohnern im Autoverkehr zu ersticken. Dann hatte Bürgermeister Steve Stevaert eine Idee: Er entwickelte ein neues Nahverkehrssystem, erhöhte die Routenfrequenz und die Anzahl der Busse - und bot deren Benutzung zum Nulltarif an.

Das Ergebnis war verblüffend: Hasselt wurde zur viertwichtigsten Einkaufsstadt Belgiens. Statt 1000 arbeiten jetzt über 3000 Menschen in der Innenstadt. Der wirtschaftliche Umsatz wurde mehr als verdreifacht. Statt einem Hotel mit 200 Betten gibt es jetzt mehr als 1500 Hotelzimmer und die sind gut besucht, der Tourismus boomt. Durchgangsstraßen wurden zu Grünflächen. Und die Bürger sind glücklich.

 

Kompliziert, teuer, notwendig: Über die Finanzierung des ÖPNV
Ein Gespräch mit Lars Wagner, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

Das Bild zeigt einen sehr schnell durch eine Pariser Metrostation fahrenden Zug.Metro in Paris. (Éole | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Die Gültigkeit des Fahrscheins endet im Tarifbereich C, Fahrräder und Hunde kosten extra, Kleinkinder nicht immer: Die zahllosen Tarifsysteme des deutschen Nahverkehrs sind unendlich kompliziert. So kompliziert wie die Finanzierung von Bussen und Bahnen.
"Es gibt eben nicht diese einfachen Finanzierungsströme von oben nach unten und von links nach rechts", sagt Lars Wagner, Pressesprecher vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Die Gelder kommen aus unterschiedlichen Finanztöpfen: Der Bund gibt einen Anteil, die Länder und die Kommunen steuern etwas hinzu und die Fahrgäste zahlen auch noch für ihre Tickets. So vielfältig wie die Geldgeber sind auch die Verkehrsbetriebe, an die das Geld weitergegeben wird.

 

Die Attraktivität des Umsteigens: Studien über den ÖPNV
Ein Gespräch mit Katharina Schüller

Metrostation in Japan.Metrostation in Japan. (zilverbat.| flickr | CC BY-NC 2.0)Personal, Energie und die Instandhaltung der Infrastruktur - diese Faktoren machen einen großen Teil der Ticketpreise aus. Die Erneuerung einer Rolltreppe kostet etwa 200.000 Euro. In einem überschaubaren Nahverkehrsgebiet wie Essen gibt es alleine 145 Rolltreppen zu den U-Bahn-Stationen. Wenn alle erneuert werden, ergibt sich eine Gesamtsumme von 29 Millionen Euro.

Wir sprechen mit der Statistikerin Katharina Schüller über die zahlreichen Studien, die es zum ÖPNV gibt. Warum sind so wenig Autofahrer bereit, das Verkehrsmittel  zu wechseln? Und was spricht gegen einen kostenlosen Nahverkehr?

 

Bitte nicht umsteigen auf Bahn und Bus
Von Till Opitz

Eine Rolltreppe in der Metro von Rom.Eine Rolltreppe in der Metro von Rom. (italianjob17 | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Jahr für Jahr fahren in Deutschland rund fünf Prozent mehr Menschen mit Bus und Bahn statt mit dem Auto. Hinter vorgehaltener Hand sagen Nahverkehrsplaner: Bloß nicht noch mehr! Denn viele Verkehrsbetriebe sind an der Kapazitätsgrenze: Die Züge sind überfüllt - einige Verkehrsunternehmen bauen sogar Sitzplätze aus der U-Bahn aus, damit zur Rush Hour genügend Fahrgäste in die Wagen passen.

In den überfälligen Streckenausbau, wie zum Beispiel in längere Bahnsteige, Bahnen oder neue Signaltechnik für längere Züge wurde in den vergangenen Jahren nicht investiert. Die U-Bahnanlagen in den Großstädten stammen überwiegend aus den 60er und 70er Jahren und müssten dringend modernisiert werden. Der Verband der Verkehrsunternehmen spricht von einem Investitionsstau von 2,4 Milliarden  Euro.

Dieser Bericht ist eine Wiederholung vom 19.4. 2011.

 



Mehr bei DRadio Wissen:

Fortbewegung - Mobilität der Zukunft
Nutzen statt besitzen lautet das Motto - das eigene Auto wird zum verzichtbaren Luxus. Ein Gespräch mit dem Mobilitätsforscher Konrad Götz
(Agenda vom 15.09.2011)

Justiz - Schwarzfahrer legen Gerichte lahm
Schwarzfahren ist eine Straftat und wird vor Gericht verhandelt - etliche Täter landen im Gefängnis. Ein Gespräch mit Matthias Ohmen, Fahrgastverband Pro Bahn.
(Agenda vom 10.06.2011)

Tickets auf dem Handy
Tickets für den öffentlichen Nahverkehr gibt es in manchen Regionen in Deutschland nicht mehr nur auf Papier, sondern auch digital auf dem Handy. Bericht von Marko Pauli.
(Medien vom 01.06.2011)

Schwarzfahren ohne Nervenkitzel
Pariser solidarisieren sich: für sieben Euro sicher schwarzfahren. Bericht von Evi Seibert.
(Spielraum vom 10.05.2010)

 

Weitere Informationen:

Verkehr der Zukunft - In fahrerlosen Gondeln am Stau vorbei
(zeit.de vom 04.02.2011 )

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
(umweltbundesamt.de, 10.08.2010)

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