Nation-Building Aus Osttimor wird ein Staat
Jochen Faget über die Staatenwerdung Osttimors nach zehn Jahren der Unabhängigkeit.
-
- Männer in Dili, der Hauptstadt Osttimors, halten die Nationalflagge hoch. (picture-alliance/ dpa | epa Lusa Manuel De Almeida)
Als Osttimor sich vor zehn Jahren als erster Staat im 21. Jahrhundert für unabhängig erklärte, gab es nicht wenige, die an der Lebensfähigkeit dieses Staates zweifelten. Inzwischen behauptet sich Asiens jüngster Staat ganz gut.
Am 16. April 2012 fand die Stichwahl um die Präsidentschaft ganz ohne Unruhen und Gewalt statt. Am 20. Mai übergibt der scheidende Präsident José Ramon-Hortas seinem Nachfolger Taur Matan Ruak die Amtsgeschäfte, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Der nächste demokratische Akt wird am 7. Juli mit den Parlamentswahlen vollzogen - alles scheint ganz ohne Zwischenfälle vonstatten zu gehen. Das war nicht immer so.
Unruhige Vergangenheit
Erst 400 Jahre portugiesische Kolonie, dann von Indonesien besetzt: Osttimor hat eine bewegte Geschichte. Der blutige Freiheitskampf mit etwa 200.000 Toten mündete vor zehn Jahren schließlich in die Unabhängigkeit. Seither hat das Land einige Krisen durchlaufen und die internationale Gemeinschaft um Hilfe gerufen. 2006 schrammte es durch die Meuterei von Militärs und regionale Konflikte knapp am Chaos vorbei, die letzten Wahlen vor fünf Jahren wurden von gewaltsamen Übergriffen gestört.