Nationalparks Spielraum der Natur
Braucht die Natur einen geschützten Raum, in dem sie sich ungestört entfalten darf?
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- 10.000 Hektar soll ein Nationalpark mindestens groß sein - für Deutschland gibt's aber eine Ausnahme. (picture alliance / Wolfram Steinberg )
Die Fläche der Nationalparks in Deutschland ist eher gering: Nur ein halbes Prozent, gemessen an der Landfläche. Doch Planungen für neue Nationalparks wie den Teutoburger Wald stoßen auf heftige Widerstände. Da stehen sich nicht nur Naturschützer und Waldbesitzer scheinbar unvereinbar gegenüber.
Über Jahrhunderte hat der Mensch die Natur in seinem Sinne geformt und genutzt. Vorwiegend naturbelassene Gebiete mit besonderer Eigenart wurden mehr und mehr als schützenswert erkannt. Inzwischen sind 14 Nationalparks in Deutschland entstanden, um diese Naturräume zu erhalten. Weitere sollen folgen, doch die Idee stößt auf Widerstand. Ob Teutoburger Wald, der Nordschwarzwald, das Siebengebirge oder Hunsrück – überall gibt es Streit um geplante Nationalparks. Förster, Jäger und Waldbesitzer warnen vor einer "Musealisierung des Waldes".
Der Bayerischen Wald ist der erste Nationalpark Deutschlands, er entstand 1970. Es folgten unter anderem der Nationalpark Berchtesgaden, das Niedersächsische Wattenmeer und die Sächsische Schweiz. Nationalparks sind einzigartige Wildnisgebiete, in denen die Natur die Chance bekommen soll, sich gemäß ihren eigenen Prozesse und Ökosysteme zu entfalten. Gemessen an der Landfläche Deutschlands machen Nationalparks gerade mal ein halbes Prozent aus. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich hinter Frankreich, Polen, der Tschechischen Republik und Österreich.
Welche Kriterien muss ein Nationalpark erfüllen? Wo verlaufen die Konfliktlinien zwischen Befürwortern und Gegnern? Welche Eigenarten besitzen die deutschen Nationalparks? Antworten darauf gibt's im Tagesthema bei DRadio Wissen.
So werde ich ein Nationalpark
Der Naturschutz-Experte Magnus Wessel erklärt, wie ein Naturgebiet zum Nationalpark wird.
Blick auf das Massiv des Watzmann im Nationalpark Berchtesgaden. (picture alliance / Thomas Muncke)Nur ein Naturgebiet, das mindestens 10.000 Hektar groß ist, kann zum Nationalpark werden. So lautet die internationale Richtlinie der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources. Da Deutschland aber stark bebaut und kultiviert ist, dürfen die Nationalparks hierzulande auch kleiner sein.
Für die streng geschützten Gebiete gilt: Finger weg von der Natur! Laut Richtlinie sollen 75 Prozent der Fläche eines Nationalparks frei von menschlichem Einfluss sein. "Im Idealfall heißt es, gar nicht einmischen. Das ist aber in einer Kulturlandschaft wie Deutschland ein Problem. Und spätestens über Luftschadstoffe mischt man sich immer ein", sagt Magnus Wessel, Geograf und Naturschutz-Experte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.
Die Initiative, ein Gebiet zum Nationalpark zu erklären, kommt in erster Linie von der politischen Ebene in den zuständigen Bundesländern. In Deutschland stehen meist nur Gebiete zur Debatte, die großräumig, weitgehend zusammenhängende und von besonderer Eigenart sind.
Geburtsstunde eines Nationalparks
Ein Gespräch mit Ludger Fittkau, der kürzlich vielleicht die Geburtsstunde eines Nationalparks miterlebt hat.
Befürworter und Gegner des Nationalparks Teutoburger Wald demonstrieren. (picture alliance / Robert B. Fishman/ecomedia)Wenn sich Landespolitiker für die Gründung eines Nationalparks stark machen, stoßen sie nicht selten auf eine breite Front der Ablehnung. Eine entsprechend emotionale Debatte wird beispielsweise gerade in der Region Ostwestfalen-Lippe geführt. Dort wollen unter anderen Förster, Jäger und Waldbesitzer nichts von einem Nationalpark im Teutoburger Wald wissen. Sie warnen vor einer "Musealisierung des Waldes".
Im Hunsrück könnten Grabenkämpfe zwischen Befürwortern und Gegnern vielleicht ausbleiben. Hier sehen viele Bürger und Politiker in dem geplanten Nationalpark eine neue Chance für ein sehr strukturschwaches Gebiet. Erst kürzlich gab die Landesregierung der Region grünes Licht, die nächsten Schritte für die Gründung des Nationalparks einzuleiten.
Fast Urwald
Über die Flora und Fauna im Nationalpark Eifel berichtet Hening Walter. Er ist Leiter des Nationalparkforstamts.
Nationalpark Eifel (nationalpark-eifel.de)Das Besondere im Nationalpark Eifel sind die Laubwälder, die Wildkatzen und die 17 Arten von Fledermäusen. Auf 11.000 Hektar solle die "Natur ihren ursprünglichen Spielraum erhalten", sagt der Leiter des Nationalparkforstamts Henning Walter.
2004 wurde der Nationalpark mit dem Ziel gegründet, dass wieder ein urwaldähnlicher Wald entsteht. Insbesondere das natürliche Nachwachsen der Buche wird gefördert. Etliche Flüsse und Bäche durchziehen die Landschaft. 4500 Tier und Pflanzenarten sind im Nationalpark zu Hause. 930 Arten davon sind in Deutschland vom Aussterben bedroht.