Mittwoch, 19. Juni 2013

Online Talk /

NETZ.REPORTER XL Nachlese zur re:publica  

Das digitale Profil: Ein Gast, eine Stunde. Vera Linß diskutiert mit dem Journalisten, Entrepreneur, Buchautor und studiertem Philosophen Jochen Wegner.

Das Bild zeigt Bilder vom Sprechern der re:publica 2012.
Netz, Gesellschaft, Konferenz: Die re:publica 2012. (re:publica 2012 | flickr | CC BY 2.0)

Es gibt nur wenige Akteure im Netz, die eine ähnlich vielfältige Biografie mitbringen wie Jochen Wegner. Der Journalist und Entrepreneur, Buchautor und Berater war jahrelang Chefredakteur von Focus Online, startete erst für den Burda Verlag, dann für eigene Firmen unterschiedliche Netzprojekte. Heute ist er bei uns zu Gast und blickt nicht nur auf die aktuelle re:publica, sondern auch auf die grundsätzlichen Entwicklungen des digitalen Lebensraums der letzten Jahre zurück.

Hat das Netz die Gesellschaft verändert? Oder verändert die Gesellschaft mittlerweile das Netz? So verlockend diese Gegenüberstellung klingt, so unscharf ist sie. Beide Fragen müssen zwar mit Ja beantwortet werden, das sagt aber noch lange nichts über mögliche Konsequenzen aus. Wer einen Blick auf das Programm der diesjährigen Netzkonferenz re:publica, die vom  2. bis zum 4. Mai in Berlin stattfand, wirft, wird schnell feststellen, dass es kaum noch gesellschaftliche Bereiche gibt, auf die die Digitalisierung und die mit ihr entstandenen Konzepte keinen Einfluss haben. Im Gegenteil, diese Konzepte sind allgegenwärtig:So gibt es dezentrale Kollaborationsstrukturen, die Ermächtigung der einzelnen von Konsumenten zu Produzenten, die das Weltwissen in der Wikipedia pflegen oder temporär zum Nachrichtenkorrespondenten via Twitter oder YouTube werden, bis hin zu neuen politischen Beteiligungsformaten auf lokaler oder bundesweiter Ebene.

Wird aus Begeisterung Routine?

Aber ist aus der Begeisterung des Aufbruchs nicht längst auch die Geschäftsmäßigkeit einer früheren Avantgarde geworden? Sind die selbsternannten Digitale Natives naive Maschinenfreunde, die Großkonzernen ahnungslos ihr Innerstes preisgeben oder die politisch Aktiven in einer datendominierten Welt? Sind die großen Utopien von freiem Wissen und freien Gesellschaften nicht längst aus dem Blick geraten? Oder ist es heilsam, dass aus früherer Technikbegeisterung, eine eher abgeklärte Sachlichkeit geworden ist? Und  was wird eigentlich aus den vielfach strapazierten Revolutionen von Journalismus, Musikbranche und Demokratie?

Diskussion mit Jochen Wegner

Die Nachlese zur diesjährgen re:publica wollen wir nutzen, um die persönlichen Eindrücke eines prominenten Akteurs des Netzes, der bereits seit Mitte der 1990er Jahre in ganz unterschiedlichen nationalen und internationalen Projektkontexten tätig war, zu erörtern. Jochen Wegner gehört zu jenen seltenen Akteuren, die die feinen Strömungen in den kleinsten Verästelungen der Netzcommunity genau so kennen, wie die großen Würfe, das Scheitern einer überzeugenden Idee und die Auseinandersetzungen mit großen Strukturen in einem Verlagshaus.

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Kommentare 1 - 1 von 1

  • 1. Warum müssen alle ins Netz?

    Was mir nicht klar ist: Warum müssen wir unbedingt diejenigen ins Netz holen, die noch nicht drin sind? Natürlich sollten Entscheider, Politiker usw. drin sein und das Netz verstehen, und natürlich profitiert auch meine 70 jährige Oma davon, dass sie online ist (ja, auch ich habe eine solche Oma). Aber es hat etwas "Bedrohendes", den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass sie "müssen". Ich selbst bin dabei, mich nach 15 Jahren zunehmend daraus zurückzuziehen - auch dafür gibt es sehr gute Gründe.

    RalphSchneider1 08.05.2012 15:14 Uhr

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