Netz.Reporter XL Zukunft der Überwachung - Teil 1
Markus Heidmeier diskutiert mit Silvia Johnigk, Andreas Ruch, Nils Johanning und Linus Neumann über Indect, Fast und Co.
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- Gegen kriminelle oder staatlich eingesetzte Spähsoftware kann man sich kaum wehren. (flickr.com | Sophos D/A/CH Presseinfo CC BY-SA 2.0)
Die Diskussion um den Staatstrojaner wirft viele Fragen auf. Markus Heidmeier greift diese Fragen mit seinen Gästen auf und versucht Antworten auf die Zukunft der Überwachung zu geben.
Der Chaos Computer Club (CCC) zeigte auf, dass auch die im Umlauf befindliche überarbeitete Version des Staatstrojaners in vielfacher Hinsicht unzulänglich ist. Nach Aussagen des CCC verfügt der Staatstrojaner über Funktionen, die vom Bundesverfassungsgericht nicht zugelassen wurden und ist weiterhin nicht adäquat gegen Missbrauch geschützt.
Zukunft Spähsoftware
Die Debatte über die Notwendigkeit polizeilicher Spionagesoftware bleibt heftig - der Streit um den Staatstrojaner scheint erst die Spitze des Eisbergs zu sein. Denn längst entwickeln Behörden, Forschungseinrichtungen und Sicherheitsfirmen komplexere Methoden der präventiven Verbrechensbekämpfung.
Forschungsprojekte wie das europäische INDECT oder das US-amerikanische FAST untersuchen Möglichkeiten präventiver Polizeistrategien. Die einen sehe darin die Übergabe der Macht an die Maschinen und fürchten die Orwellsche Dystopie.
Nicht weniger als das, was in Steven Spielbergs Science Fiction Film Minority Report als Pre-Crime-Behörde zu sehen war, soll entstehen: Die Möglichkeit Daten umfangreich zu erheben und zu korrelieren, um geplante Verbrechen zu erkennen und zu verhindern. Kameras an öffentlichen Orten registrieren Personen beispielsweise aufgrund auffälliger Schrittfolgen. Mittels Gesichtserkennung wird die Person identifiziert. Schließlich werden Informationen aus diversen Datenbanken mit dem aktuellen abnormen Verhalten verglichen. Und dann: Zugriff. So ein denkbares Szenario.
Macht der Technik
Noch genießen beide Vorhaben den Status von Forschungsprojekten. Aber FAST wird bereits in Feldversuchen getestet. Mit offenem Ergebnis. Ob die Ängste der Kritiker berechtigt sind oder wieder nur mediale Hysterie geschürt wird, das ist unser Thema im Online Talk:
Was kommt nach den Trojanern? Was verbirgt sich hinter INDECT? Was kann das Programm des US-Heimatschutzministeriums FAST? Und wie groß ist die rechtliche Grauzone, in der Spähsoftware angewendet werden kann? Wie entsteht Spähsoftware? Wie ist der Weg vom Forschungsprojekt zum polizeilichen Standard? Was bedeutet präventive Aufklärung?
Auch die technischen Vorgänge werfen Fragen auf: Wie werden die Daten ausgewertet? Wer definiert die Funktionsweise von Algorithmen? Und wie sicher sind die Systeme vor Missbrauch und Hacks?
Markus Heidmeier (Moderation) diskutiert mit:
- Sylvia Johnigk vom FIFF Forum Informatikerinnen für Frieden und Freiheit
- Andreas Ruch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universtität Bochum
- Nils Johanning, Geschäftsführer der Sicherheitsfirma Innotec
- Linus Neumann von der NGO Digitale Gesellschaft
Am 5. November diskutiert Vera Linß weiter zum Thema Zunkunt der Überwachung, dann unter der Fragestellung: Wie Algorithmen die Wirklichkeit verändern? Zu Gast sind dann die Autorin Miriam Meckel (Aktuelles Buch "NEXT: Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns") , der Blogger Sascha Lobo, der Prgrammierer Thorben Brodt und der Journalist Konrad Lischka (Spiegel Online).