Sonntag, 19. Mai 2013

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Netzattacken Anonymous – Kritik unerwünscht  

Webschau mit Thomas Reintjes

Anoymous-Aktivisten wieder in den Schlagzeilen
Anoymous-Aktivisten wieder in den Schlagzeilen (picture alliance | dpa | Florian Schuh)

In Deutschland haben die Aktivisten von Anonymous die Internetseite Bundestag.de kurzfristig lahmgelegt. Und auch in anderen Ländern waren sie aktiv.

Wikileaks veröffentlichte am 5. Juli 2012 die Syria Files - 2,5 Millionen E-Mails, die angeblich auch aus syrischen Ministerien stammen. Kurze Zeit später haben Anonymous-Aktivisten die Verantwortung für diese Hacks übernommen. Sie hätten sie durchgeführt, um an die Mails von Regierungsmitgliedern und Mitarbeitern von Ministerien zu gelangen.

Angriffe auf Server mit pädophilen Inhalten

Als nächste Aktion hatte die Gruppe Anonymous die "Operation PedoChat“ angekündigt. Eine Maßnahme gegen Pädophile bei der mithilfe von DDoS-Angriffen auf Server mit Kinderpornografie mehrere Dutzend Seiten lahmgelegt werden sollen. Der Aufruf zur Aktion hatte folgenden Wortlaut: "Wir Anonymous Zielen [darauf ab] diese Seuche aus dem Internet zu verringern, wenn nicht sogar Auszurotten. Für das Wohl unserer Anhänger, für das Wohl der Menschheit und für unser eigenes Vergnügen werden wir Foren, die den Betrieb fortsetzen, aus dem Internet vertreiben und systematisch zerstören.“ Diese Operation umfasst auch die Veröffentlichung von Namen der Nutzer solcher Webseiten.

Anonymous – Andere Länder, andere Protest-Sitten

Laut Nachrichtenagentur AFP steht auf den Listen, die Anonymous veröffentlicht hat, auch ein belgischer Politiker, der die Vorwürfe abstreitet, aber seine Parteiämter bei der rechtspopulistischen Regionalpartei Vlaams Belang vorläufig ruhen lässt. In Japan scheinen die Anonymous-Leute etwas anders zu ticken: Dort protestierten sie gegen schärfere Copyright-Gesetze, indem sie in einem Park in Tokio Müll aufsammelten - natürlich schwarz gekleidet und maskiert. Und in Deutschland gab es einen Angriff auf Bundestag.de - eines hat Anonymous durch die ganzen Aktionen auf jeden Fall geschafft: Die Gruppe hat sich wieder ins Gespräch gebracht.

Sind DDoS-Angriffe undemokratisch?

Im Netz wird jetzt die Diskussion geführt, ob DDoS-Angriffe undemokratisch seien oder nicht. Markus Beckedahl hat dazu auf seinem Blog Netzpolitik die Meinung geäußert, dass er "kein Freund davon [sei], DDos-Attacken generell zu kritisieren. Sie können meiner Meinung nach ein legitimes Mittel für Online-Protest sein, vergleichbar mit einer Sitzblockade.“ Jedoch dreht sich die Debatte bei dem Angriff auf Bundestag.de auch um die Frage, ob es legitim sein kann, um jeden Preis Aufsehen zu erregen. Dazu kommentierte der User Torsten auf Netzpolitik.org: "Das persönliche Engagement [ist] sehr unterschiedlich. Wer mit seinem Körper blockiert, macht sich ansprech- und verwundbar. Ein DDOS hat eher etwas davon, einen Haufen Mist vor den Eingang zu schütten und dann wegzugehen.“ User Sönke wiederum sagt, ziviler Ungehorsam sei "gewissensbestimmt“, man riskiere bewusst auch eine Strafe. Das sehe er bei Anonymous nicht. Und: "Eine DDos-Attacke ist kein Dialog, es wird noch nicht mal eine Nachricht transportiert. Der User, der die betroffene Seite ansteuert, sieht einfach nichts. Eine Teilnahme an der öffentlichen Willensbildung sieht meiner Meinung nach anders aus.“

Lahmlegen von Webseiten illegal

Aufgrund der Attacke auf Bundestag.de kam es dann auch schon zu Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Anonymous-Aktivisten. Kritik an der Vorgehensweise von Anonymous gibt es von verschiedenen Seiten. Auf wdr.de heißt es, das Landeskriminalamt könne die ungesetzlichen Methoden nicht tolerieren. Die Polizei werte aber auch die veröffentlichten Nutzerdaten von Seiten mit pädophilen Inhalten aus. Der Kinderschutzbund findet es wiederum zwar gut, dass die Seiten lahmgelegt sind, hält aber nichts von Selbstjustiz und illegalen Aktionen.



Mehr bei DRadio Wissen:

Anonymous Vs. Urheber
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(Webschau vom 15.05.2012)

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