Dienstag, 18. Juni 2013

Medien /

Netzwerk Recherche Tumult bei Jahrestagung  

Ein Gespräch mit Sven Preger, Journalist und Mitglied von Netzwerk Recherche

Portraitfoto von Thomas Leif
Thomas Leif, Vorsitzender von Netzwerk Recherche, muss den Hut nehmen. (SWR | Marco Urban)

Eigentlich sollte es eine angenehme Jubiläumsfeier werden. Mit Sekt, Curry-Wurst und dem Who-is-Who der Branche. Am Wochenende veranstaltete das Netzwerk Recherche in Hamburg seine alljährliche Jahreskonferenz und feierte sein 10-jähriges Bestehen. Das Netzwerk steht in Deutschland für investigative Recherche und publizistische Qualität.

Doch statt großer Bilanzreden war das Hauptthema hausgemacht. Denn bei der Mitgliederversammlung des Netzwerks Recherche kam es zu einem Eklat. Zurück blieben ein zerstrittener Vorstand und eine verwirrte Mitglieder-Gemeinde. Der Hintergrund: Das Netzwerk Recherche hat möglicherweise Fördergelder vom Staat zu Unrecht bekommen. Dabei geht es insgesamt um rund 75.000 Euro. Mit dieser Summe hat die Bundeszentrale für politische Bildung die Jahreskonferenzen des Netzwerks Recherche in den Jahren 2007 bis 2010 gefördert. Das Problem: die Bundeszentrale fördert nur, wenn der Veranstalter mit der Jahreskonferenz Verlust macht. Möglicherweise war aber genau das nicht der Fall.

Fördergelder zu Unrecht erhalten?

Zurzeit kontrollieren Wirtschaftsprüfer die Bücher von Netzwerk Recherche und die Fördergelder-Anträge. Mit einem Ergebnis wird im Herbst gerechnet. Als der Vorstand die Mitglieder am Wochenende umfassend auf der Mitgliederversammlung über den Vorfall informierte, wurde ein weiteres Problem deutlich: die Mitglieder haben offenbar zu wenig miteinander kommuniziert. Der Gründungsvater und Erste Vorsitzende Thomas Leif hat offenbar zu häufig zu eigenmächtig gehandelt. Die Konsequenz: Nach zehn Jahren Vorsitz muss er seinen Hut nehmen. Dabei fühlt er sich ganz offenbar unverstanden.

Der Journalist Sven Preger ist seit neun Jahren Mitglied im Netzwerk Recherche und war am Wochenende bei der Jahrestagung in Hamburg dabei.



Mehr zum Thema bei DRadio Wissen:

Krisenjournalismus - Zwischen Hotellobby und Gefahrenzone
Wie arbeiten Journalisten in Krisengebieten? Ein Buch mit explorativen Reporter-Interviews liefert die Antwort.
(Medien vom 01.02.2011)

Chancen für Mistkratzer
Die aufwändige Recherche lohnt sich in Zeiten des Internets mehr denn je.
(Medien vom 08.07.2010)

Weitere Informationen:

Erklärung des Vorstandes von Netzwerk Recherche zu den aktuellen Vorfällen

Aufklärer in Erklärungsnot
(Sueddeutsche.de vom 03.07.2011)

Putsch im "Sauberkeitsverein"
(taz.de vom 02.07.2011)

Leif zieht sich aus dem Netzwerk Recherche zurück
(Open-Report.de vom 02.07.2011)

NR-Vorstand Thomas Leif nimmt seinen Hut
(Meedia.de vom 02.07.2011)

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